NACH DER WAHL

Bundestagsabgeordnete stürzen sich gleich in neue Aufgaben

Gerade erst haben sie die Bundestagswahl in der Region für sich entschieden. Doch schon am Montag reisen sie in die Hauptstadt.
Johannes Arlt bekam noch auf der Wahlparty Glückwünsche der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jeannine Pflugradt.
Johannes Arlt bekam noch auf der Wahlparty Glückwünsche der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jeannine Pflugradt. Tobias Lemke
SPD-Kandidat Erik von Mallotki reißt bei der Wahlparty in Neubrandenburg jubelnd die Arme hoch, als er erstmals im Bunde
SPD-Kandidat Erik von Mallotki reißt bei der Wahlparty in Neubrandenburg jubelnd die Arme hoch, als er erstmals im Bundestagswahlkreis 16 in Führung geht. Mirko Hertrich
Seenplatte ·

Die von der Region frisch in den Bundestag gewählten Sozialdemokraten Johannes Arlt und Erik von Malottki machen sich schon am ersten Tag nach der Wahl auf nach Berlin. Wie Johannes Arlt dem Nordkurier mitteilte, besucht er bereits am Dienstag eine Fraktionssitzung mit alten und neuen Abgeordneten. Sobald in naher Zukunft Plätze in Ausschüssen vergeben werden, möchte der Direktkandidat für weite Teil der Mecklenburgischen Seenplatte und des Landkreises Rostock in den Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur. Schließlich will er für mehr Verbindungen vorwiegend in Mecklenburg-Vorpommern sorgen.

Bereits Interesse für Ausschüsse angemeldet

Außerdem sollte aus seiner Sicht die Bahnstrecke nach Feldberg zügig reaktiviert werden. Menschen in Mirow oder Stavenhagen würden sich zudem eine Umgehungsstraße wünschen. „So etwas kann man dort bewegen.“ Er kann sich zudem vorstellen, im Haushaltsausschuss und Verteidigungsausschuss mitzuwirken. Immerhin bringt Arlt als Bundeswehroffizier besonders für letztere Position viel Erfahrung mit.

Der Gewinner des Direktmandats für den östlichen Teil der Mecklenburgischen Seenplatte und weiten Flächen Vorpommern-Greifswalds, Erik von Malottki, würde ebenfalls gerne in den Haushaltsausschuss. Am Herzen liegen dem Gewerkschafter aber auch Arbeit und Soziales. So will er schnellstmöglich für die Durchsetzung eines Mindestlohns von 12 Euro die Stunde kämpfen. „Der muss kommen.“ Weiterhin auf seiner Wunschliste – und als Mitglied der GEW kaum überraschend: ein Platz im Bildungsausschuss.

Große Koalition? Steht nicht auf der Wunschliste

Zuallererst muss aber im Bundestag eine Regierung gebildet werden. Präferenzen für mögliche Koalitionen will Johannes Arlt nicht nennen. Nur soviel stellt er klar: „Ich wünsche mir eine Koalition, die Deutschland voranbringt.“ Die Bundesrepublik sei zuletzt in vielen Bereichen hinter anderen Ländern zurückgeblieben. Eine erneute große Koalition entspricht nicht seinen Wünschen. Erik von Malottki spricht sich dagegen klar für eine Ampelkoalition aus. Denn eine Regierung unter Führung von Armin Laschet (CDU) entspreche nicht dem Willen des Großteils der Wähler. „Das wäre ein Skandal.“

Beide Wahlgewinner möchten trotz ihres Mandats weiterhin in der Region wohnen. Erik von Malottki will sich in der Hauptstadt nur ein kleines Zimmer mieten.

Wohnung mit altem Mietvertrag gibt es schon

Johannes Arlt muss dagegen weder ständig zwischen Neustrelitz und Berlin pendeln – was angesichts der schnellen Verbindung ja durchaus möglich ist und von vielen Berufstätigen praktiziert wird – noch sich auf die schwierige Suche nach einer Wohnung in Berlin machen. Denn in der Hauptstadt hat er eine Zweitwohnung, die er aufgrund verschiedener beruflicher Stationen nie aufgegeben hat und dank altem Mietvertrag sogar nicht überteuert ist.

Johannes Arlt holte laut vorläufigem Wahlergebnis der Bundestagswahl mit 31,1 Prozent die meisten Erststimmen im Wahlkreis 17. Ulrike Schielke-Ziesing von der AfD landete mit 21,6 Prozent auf dem zweiten Platz. Sie zieht laut der Bundeswahlleitung zumindest über die Landesliste als dritte der AfD erneut in den Bundestag. Der CDU-Kandidat Stephan Bunge landete im Ringen um den Platz von Eckhardt Rehberg (CDU) mit 21,3 Prozent nur auf dem dritten Platz – und wird kein Mitglied des Bundestags. Ähnlich enttäuschend ging die Wahl für die Nachwuchspolitikerin der Linkspartei aus: Amina Kanew holte laut vorläufigem Wahlergebnis nur 10,3 Prozent, Tobias Schubert (FDP) 7 Prozent und Falk Jagszent (Bündnis90/Die Grünen) 5,4 Prozent.

Keine Neustrelitzer Premiere im Bundestag

Arlt ist im Übrigen nicht der erste Bundestagskandidat aus Neustrelitz. Zuletzt zog von dort Jeannine Pflugradt (SPD) in den Bundestag. Sie war bis 2017 Abgeordnete. Am Tag der Bundestagswahl war sie auch auf der Wahlparty in der Residenzstadt und gratulierte Johannes Arlt persönlich zu seinem Erfolg. Vor ihr saß bereits Christoph Poland für die Christdemokraten im Deutschen Bundestag. Erik von Malottki setzte sich nach einem knappen Rennen mit 24,8 Prozent der Erststimmen gegen den AfD-Kandidaten Enrico Komning (24,3 Prozent) durch, der über die Landesliste im Bundestag bleibt. Der ehemalige Mandatsträger Philipp Amthor (CDU) landete mit 20,7 Prozent überraschend nur auf dem dritten Platz und bekam ebenfalls über die Landesliste einen Platz im Bundestag. Toni Jaschinski (Die Linke) erhielt wiederum 10,8 Prozent, Christian Bartelt (FDP) 7,4 Prozent und Katharina Horn (Bündnis0/Die Grünen) 4,1 Prozent.

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