Stadtentwicklung
Carolinenstift in Neustrelitz wird von oben bis unten umgebaut

Architekt Christian Peters im Eingangsbereich des Carolinenstifts. Hier ist noch viel zu tun.
Architekt Christian Peters im Eingangsbereich des Carolinenstifts. Hier ist noch viel zu tun.
Susanne Böhm

Das Carolinenstift in Neustrelitz findet nach und nach zu alter Schönheit zurück. Bis zu 45 Leute arbeiten gleichzeitig an dem Gebäude.

Im und am Hauptgebäude des Carolinenstifts in der Semmelweisstraße in Neustrelitz wird in diesen Tagen vor allem gespachtelt, gedämmt und verputzt. Schuppen und Verschläge auf der Hofseite sind abgerissen. Neue Fenster sind drin, das Dach ist gedämmt, die Kellerräume sind fast fertig verputzt. Bei einem Großteil der Wände aber liegen die Ziegel noch frei. Sie werden in den kommenden Monaten bearbeitet. Bis zu 45 Bauleute arbeiten gleichzeitig auf der Großbaustelle.

„Bis September muss die Fassade fertig sein, damit das Gerüst ‚runter und das Außengelände gestaltet werden kann“, sagt Architekt Christian Peters. Die Mieter können wohl im Frühjahr 2020 einziehen. Doch festlegen möchten sich Christian Peters und Falko Herschel, Chef der Neustrelitzer Wohnungsgesellschaft (Neuwo), nicht. Zu viele Überraschungen hält der im Jahr 1860 erbaute Gebäudeteil bereit.

4,60 Meter hohe Räume und schmale Flure

„Hier hatte man mehr als 150 Jahre Zeit, radikal umzubauen. Weil es als Krankenhaus genutzt wurde, wurde stark eingegriffen. Es gibt viele Türen und Schächte. Manche Mörtelverbindungen waren weich wie getrocknete Kondensmilch. Einige Türstürze hatten gerade noch einen Zentimeter Auflagefläche, es müssen aber mindestens 15 Zentimeter sein. Es ist die reinste Wundertüte“, beschreibt Christian Peters den Zustand vor der Sanierung. „Es gibt nicht einen Quadratzentimeter Wand-, Boden oder Deckenfläche, an dem nichts repariert werden muss. Bei jeder Wand läuft ein anderes Programm.“

Soweit wie möglich wird der Originalzustand wieder hergestellt, wenngleich nicht jede Gewölbedecke zu retten war. Die Bauleute arbeiten unter beengten Verhältnissen. In dem Haus mit vier Vollgeschossen und den Risaliten im Obergeschoss gibt es nur ein Treppenhaus. „Das ist ein Nadelöhr.“ Die Räume sind bis zu 4,60 Meter hoch, die Flure schmal. Damit die Arbeiten nicht im Chaos enden, ist der Bauleiter jeden Tag auf der Baustelle. „Hier kommen ständig Fragen auf.“

Umbau gilt als Herausforderung

Die Sanierung des alten Hauses ist eine Herausforderung. Das größte Projekt, das die Neuwo und der Architekt je in Angriff genommen haben. Vor neun Jahren hat die Neuwo das Objekt gekauft. Seither laufen die Planungen und Arbeiten. Das Haus wurde gemäß Landesbauordnung als Gebäudeklasse fünf eingestuft. „Besonders hohe Anforderungen an den Brandschutz“, erklärt Falko Herschel. Beispielsweise mussten Fahrstühle eingebaut werden, in die Betten passen.

Während die hintere Fassade relativ schlicht gehalten wurde, ist die Straßenseite prächtig und aufwändig verziert. „Die ganze Klaviatur aus Säulen und Pilastern“, sagt Christian Peters. Es gibt kaum gerade Flächen, dafür Stuck und Vorsprünge. Mit einer Art Schlitten, wie mit einer Schablone, zieht Stuckateur Martin Mäßen die Vorsprünge. „So haben das die Leute früher auch gemacht“, sagt er.

Viele Monate dauert allein diese Arbeit. An der Fassade arbeiten Spezialisten aus Berlin. Es sind aber auch viele Unternehmen aus der Region beschäftigt. Stuckateure, Putzer, Maurer, Betonbauer, Dachdecker, Klempner, Zimmerleute, Trockenbauer, Tischler, Estrichleger, Heizung- und Sanitärfachleute, Maler, Elektriker, Fliesenleger und andere Gewerke sind dabei.

Plastik und Styropor werden nicht verbaut

18 Mietwohnungen wird es im Hauptgebäude geben, darunter zwei rollstuhlgerechte. Jede Wohnung wird ein Unikat. Auf der Rückseite bekommen manche Wohnungen einen Balkon. „Das ist die Toskana-Seite, windgeschützt und warm“, sagt Falko Herschel. Dafür gibt‘s vorne den Blick auf den Zierker See, wenn auch aus Denkmalschutzgründen ohne Balkon. Verwendung finden ökologische Baustoffe, Naturkautschuk für die Böden, mineralische Dämmplatten für die Wände. Styropor oder Plastikfolie kommen nicht ins Carolinenstift.

Im kleineren Schwesternhaus nebenan wird ebenfalls gebaut. Hier entstehen sechs Wohnungen. Im gesamten Komplex sind 45 Wohnungen untergebracht. Rund 12,5 Millionen Euro werden investiert.