KANDIDATUR ALS LANDES-CHEF

▶ CDU-Politiker aus der Seenplatte unterstützen Michael Sack

Der neue CDU-Chef soll aus Vorpommern-Greifswald kommen. Von Parteifreunden an der Seenplatte gibt es Vorschusslorbeeren, auch wenn die Entscheidung ein strukturelles Problem in der Partei aufzeige.
Diana Kuhk
Diana Kuhk Robin Peters
Henry Tesch
Henry Tesch Britta Pedersen
Marc Reinhardt
Marc Reinhardt NK-Archiv
Vorpommern-Greifswalds Landrat Michael Sack will Landesschef der CDU werden.
Vorpommern-Greifswalds Landrat Michael Sack will Landesschef der CDU werden. NK-Archiv
Thomas Diener
Thomas Diener ZVG
Tilo Lorenz
Tilo Lorenz Tim Prahle
Neustrelitz.

Dass der neue Anwärter auf den Chefposten der Landes-CDU nicht aus der Seenplatte, sondern aus Vorpommern-Greifswald kommt, stört offenbar kaum einen Christdemokraten in Mecklenburg. Schließlich bringt Michael Sack als Landrat von Vorpommern-Greifswald viel Erfahrung auf kommunaler Ebene mit. So wird Sack durchweg der Rücken gestärkt – selbst von CDU-Leuten, die ihn bislang nicht persönlich kennen. Die jüngsten Wirren der Amthor-Affäre in der CDU wühlen seine Parteikollegen von der Seenplatte dennoch auf.

„Es ist ein Machtvakuum entstanden”

Nach Einschätzung von Diana Kuhk, CDU-Vorsitzende in der Stadtvertretung Neubrandenburg, ist nach dem Rücktritt von Ex-Parteichef Vincent Kokert ein regelrechtes Machtvakuum entstanden. Es sei ein generelles Problem in der Politik: Spitzenpolitiker würden oft ihre eigene Position schützen – die Ausbildung von Nachfolgern wird zu spät zugelassen. Dass ein extrem junger Politiker wie Philipp Amthor dem Druck letztlich nicht gewachsen war, hat sie keineswegs überrascht: „So etwas hätten wir voraussehen können.“ Die Personalie passe aus ihrer Sicht aber genau in den aktuellen Zeitgeist. Angesichts des flächendeckenden Wohlstandes würden vermehrt gewagte Personal-Entscheidungen zugelassen. Sicherheit und Stabilität würden seltener eine Rolle spielen. 

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Auch Kreistagspräsident Thomas Diener (CDU) aus Möllenhagen kann Verbesserungspotenzial in den eigenen Reihen erkennen. Unter Politikern würden sich meist Pyramidenkonstrukte bilden. Sobald die Spitze wie im jetzigen Fall wegbreche, wackele das ganze Personengeflecht. „Das ist zu hinterfragen“, so Diener. Der Unternehmer stellt dem Personalpoker weitaus effektivere Vorgehensweisen in der freien Wirtschaft gegenüber: Ein Betrieb müsse schließlich auch dem Fachkräftemangel vorbeugen. Dort würden junge Menschen auch schnell abwandern, wenn sie keine Aufstiegschancen wittern.

Politikverdossenheit bei der Jugend

Tilo Lorenz, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion und Bürgermeister von Burg Stargard, ist mit seinen 39 Jahren nicht selten der Jüngste in Gremien und politischen Zusammenkünften. „Es gibt tatsächlich ein Nachwuchsproblem“, so Lorenz. Allerdings kämpfe damit nicht nur seine eigene Partei. Es breite sich eine Politikverdrossenheit unter jungen Menschen aus. Wer sich dann engagiere, scheue am Ende die vielen Aufgaben in Spitzenpositionen. „Nicht jeder will sich so ein Pensum aufhalsen.“

Etwas anders nimmt es Henry Tesch (CDU), Bürgermeister von Mirow und Schulleiter am Gymnasium Carolinum in Neustrelitz, wahr. „Die Jugend will – da ist so viel Potenzial“, ist der ehemalige Minister überzeugt. Doch viele Talente würden nicht abgeholt. „Wir müssen Chancen zugestehen.“ Junge Menschen sollen ihre eigenen Erfahrungen machen dürfen.

Vertrauen und große Erwartungen

Junge Gesichter sieht der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Marc Reinhardt ebenfalls viele – und mag deshalb nicht von einem Nachwuchsproblem sprechen. Den angehenden CDU-Landeschef Sack kennt der Neukalener schon lange, bezeichnet ihn gerne als „kommunales Urgestein“. Entsprechend viel traut er ihm zu: „Endlich wieder ein Landrat an der Spitze.“ Seine Verdienste im Nachbarkreis schätzt ebenso Thomas Diener. Immerhin bewältige er als Landrat in einer strukturschwachen Region keine leichte Aufgabe. „Die Wirtschaft schreit in Vorpommern-Greifswald nicht gerade Hurra.“ So wälze Sack wenigstens nicht nur Haushaltsbücher in der Landeshauptstadt Schwerin. Tesch sieht es derweil hoch an, dass Sack kleinste Ebenen der politischen Arbeit wie eine Gemeindevertretung durchlaufen hat. „Das Kommunale ist der härteste Kern der Politik.“

Vertrauen und zugleich große Erwartungen in den neuen Kandidaten äußert Tilo Lorenz. Dass er Sack persönlich nicht kennt, spielt für ihn dabei eine untergeordnete Rolle: „Mir ist selbst nicht wichtig, ob er sich gut darstellen kann, sondern welche Taten folgen.“

 

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