Jahreshauptversammlung
Chefin der Strelitzer Bauern erntet Lob für deutliche Kritik

Kerstin Brandt-Goralski vom Bauernverband Mecklenburg-Strelitz im Gespräch mit dem Mildenitzer Landwirt Matthias Deuter.
Kerstin Brandt-Goralski vom Bauernverband Mecklenburg-Strelitz im Gespräch mit dem Mildenitzer Landwirt Matthias Deuter.

Mecklenburg-Strelitzer Landwirte haben am Freitag zusammengesessen. Dabei wurde Bilanz gezogen und an Kritik nicht gespart. Auch nicht am Landesbauernpräsidenten.

Kerstin Brandt-Goralski hat am Freitag in Woldegk klare Ansagen gemacht. Die Landwirtin aus Brohm und Vorsitzende des Bauernverbandes Mecklenburg-Strelitz forderte auf der Jahreshauptversammlung des Gremiums bei der Woldegker RinderAllianz von der Politik eine mehrjährige Planungssicherheit. Es könne nicht sein, dass eine erst 2017 in Kraft getretene Düngemittelverordnung bereits 2020 verschärft werde, ohne die ersten Ergebnisse abzuwarten, sagte sie.

Es blieb indessen nicht bei diesem Kritikpunkt. Das Tierwohllabel sorge für mehr als nur Unruhe, die Neuordnung der EU-Agrarpolitik lasse nicht gerade optimistisch in die Zukunft blicken. Auch die Russlandpolitik entlockte ihr keine Jubelschreie, sagte sie vor den etwa 60 Landwirten. Russland habe es durch den Boykott geschafft, im Bereich Landwirtschaft effektiver zu werden. „Falls wir als Branche dort mal wieder auf die Märkte kommen, hat sich das Thema Einfuhr nach Russland durch die Eigenversorgung der Russen erledigt“, vermutete sie.

Ernteprobleme im Dürrejahr

Probleme bereitet den Bauern zudem der Stillstand bei der Digitalisierung. Für Milch und Schweinefleisch würden die Preise sinken. Auch die Folgen von zwei schlechten Erntejahren hätten viele noch nicht verkraftet. Die Dürrehilfe des Landes klinge vielversprechend, doch liege die Latte für die Auszahlung hoch und Landwirte seien auch nicht davor gefeit, bei etwaigen Überprüfungen das Geld wieder zurückzahlen zu müssen.

Brandt-Goralski listete auch Ernteergebnisse auf: Vor allem Kartoffeln wuchsen bei Dauersonne und ausbleibendem Regen kaum. 467 Dezitonnen je Hektar weist das Ergebnis von 2016 aus, im vergangenen Jahr wurden nur 227 dt/ha geerntet. Rückläufig war auch der Ertrag bei Hafer, Winterraps, -gerste und -weizen.

Den Ämtern warf sie vor, zu Kontrollorganen verkommen zu sein, statt helfend zur Seite zu stehen. Auch vom Präsidenten des Bauernverbands, Detlef Kurreck, der an der Beratung teilnahm, forderte sie wahrnehmbare Aktivitäten.