In Neustrelitz werden auffallend viele Drogen konsumiert – dieses Foto zeigt Marihuana. Die Polizei kontrolliert deshalb
In Neustrelitz werden auffallend viele Drogen konsumiert – dieses Foto zeigt Marihuana. Die Polizei kontrolliert deshalb streng. Bei einem 26-Jährigen hat so eine Kontrolle einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Jens Kalaene
Drogenkontrolle

Darf er das? Polizist guckt Mann in die Unterhose

Ein 26-Jähriger musste in Neustrelitz eine Drogenkontrolle samt Leibesvisitation über sich ergehen lassen. Das Erlebnis hat ihn „psychisch nicht unberührt gelassen”.
Neustrelitz

Bleibenden Eindruck hat eine nächtliche Polizeikontrolle bei Falco Schulz aus Prillwitz hinterlassen. Der 26-Jährige war gegen 2.45 Uhr mit einem Kumpel in der Strelitzer Straße in Neustrelitz unterwegs. Plötzlich wurde das Duo von der Polizei angehalten, musste die Ausweise zeigen und sich nach Drogen durchsuchen lassen. Gefunden wurde nichts, beide durften ihren Weg fortsetzen. Doch Falco Schulz hat das Erlebnis „psychisch natürlich nicht unberührt gelassen“, wie er dem Nordkurier schreibt.

Update-Hinweis: Hier finden Sie die Einschätzung eines Rechtsanwalts zu dem Vorgang. Er sieht die Sache anders als die Polizei.

Besonders unangenehm war ihm die Situation, weil ein Polizist vor einem Blick in seine Unterhose nicht zurückschreckte. „Wie selbstverständlich“ habe der Beamte gehandelt, berichtet Falco Schulz. Auch seine Erklärung, ein Arzt habe ihm aufgrund seiner Erkrankung Cannabis verschrieben samt Präsentation einer entsprechenden Bescheinigung habe die Polizei nicht davon abgehalten, die Leibesvisitation durchzuziehen. Muss nun jeder unbescholtene Bürger, der des Nächtens spazieren geht, damit rechnen, dass ihm die Polizei in den Schlüpfer guckt?

„Wenn wir das nicht machen, finden wir auch keine Drogen“

Nein, sagt Polizeisprecherin Kathrin Jähner. „Es muss ein Anhaltspunkt vorliegen, ein Anfangsverdacht. Wer einfach nur seinen Hund spazieren führt, wird sicherlich nicht kontrolliert. Ohne Weiteres fangen wir nicht an.“ In jener Nacht sei kurz zuvor ganz in der Nähe ein polizeibekannter Neustrelitzer mit einer größeren Menge Drogen erwischt und ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet worden. Wenige Minuten später sei den Polizisten der 26-Jährige und sein Begleiter aufgefallen, die mitten in der Nacht auf der ansonsten menschenleeren Straße unterwegs waren. Sie hätten beide angesprochen und der junge Mann aus Prillwitz habe ihnen mitgeteilt, er sei Cannabispatient.

Da sei es natürlich geboten gewesen, zu überprüfen, was die Beiden sonst noch für Substanzen dabei haben. Der kurze Blick in den Schlüpper sei naturgemäß unausweichlich, denn genau dort würden sehr viele Konsumenten die Drogen verstecken. Er gehöre genauso dazu, wie die Kontrolle der Taschen und das Abtasten des Körpers. „Wenn wir das nicht machen, finden wir auch keine Drogen. Und wenn wir nie kontrollieren, wissen wir nicht, wer nachts so alles in Neustrelitz herumläuft“, erklärte Kathrin Jähner. Ihre Kollegen hätten genau richtig gehandelt. In Zeiten zunehmenden Drogenmissbrauchs kämen solche Situationen häufiger vor und führten nicht selten zum Erfolg.

Drogendelikte sind Kontrolldelikte

So gelang der Polizei in Demmin vor wenigen Monaten bei einem 18-jährigen Radfahrer ein größerer Drogenfund: 400 Gramm Marihuana und etwa 80 Gramm Haschisch entdeckten die Beamten in seinem Rucksack. Da der junge Mann bereits mehrfach gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen hatte und der Verdacht auf weiteren Drogenbesitz bestand, durchsuchte die Polizei seine Wohnung – mit Erfolg. Auch hier wurde eine große Menge an Rauschgift sichergestellt.

„Drogenkonsum ist ein Problem, das bei uns stetig zunimmt“, sagte Anne Neumann von der Polizeiinspektion Neubrandenburg unlängst bei einer Präventionsveranstaltung. Während die Straftaten insgesamt zurückgehen, steige die Zahl der Drogendelikte. 2018 war die Seenplatte sogar der Landkreis mit der zweithöchsten erfassten Rauschgiftkriminalität nach Rostock. Neustrelitz ist ganz vorne mit dabei. 2017 führte Neustrelitz die Drogenstatistik der Seenplatte an. 169 Straftaten im Bereich Rauschgiftkriminalität hatte die Polizei registriert. Erschreckend dabei: Viele der mit Drogen Erwischten waren minderjährig. In Waren, in seiner Größe vergleichbar mit Neustrelitz, wurden beispielsweise 81 Vergehen und damit weniger als die Hälfte als in der Residenzstadt verzeichnet. Auf keinen Fall werde die Polizei ihre Kontrollen vernachlässigen. „Drogendelikte sind Kontrolldelikte“, so Anne Neumann. „Nur wo ich kontrolliere, finde ich was.“

 

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