Besonderes Kunstwerk
Darum verbindet dieser Sarkophag Neustrelitz mit Rom

Der Sarkophag am Rande des Schlossgartens in Neustrelitz, nahe der Orangerie, ist die Kopie eines Stücks aus dem Vatikanischen Museum.
Der Sarkophag am Rande des Schlossgartens in Neustrelitz, nahe der Orangerie, ist die Kopie eines Stücks aus dem Vatikanischen Museum.
Susanne Bocher

Wer mit offenen Augen durch die Straßen geht, findet so manchen besonderen Schatz. In Neustrelitz gibt es einen ganz besonderen, dessen Vorbild sogar im Vatikan zu Hause ist.

Im Schlossgarten, nahe der Orangerie, steht er, ein weißer, steinerner Sarkophag. Er ist reiner Zierrat, doch er erzählt gleich mehrere Geschichten. Da wäre jene, die er abbildet, und jene, wie er überhaupt nach Neustrelitz kam.

Doch erst mal alles auf Anfang. Genau genommen handelt es sich um einen sogenannten Orest- oder Orestes-Sarkophag. Orestes ist eine Heldenfigur aus der griechischen Mythologie, der Sohn des Agamemnon, Herrscher von Mykene. Als Agamemnon aus dem Trojanischen Krieg zurückkehrt, wird er von seiner Frau Klytaimnestra und deren Geliebten Aigisthos umgebracht. Auch Orestes soll sterben, wird aber von seiner älteren Schwester Elektra gerettet. Jahre später rät ihm das Orakel von Delphi zu einem Racheakt. Mit seinem besten Freund Pylades zieht er inkognito nach Mykene.

Dort angekommen, tötet er zuerst seine Mutter. Anschließend gibt er sich Aigisthos zu erkennen und richtet ihn im Palast mit dem Schwert. Seine Rache ist vollendet. Doch Muttermord galt als eines der schwersten Verbrechen, drei Rachegöttinnen verfolgen ihn und treiben ihn beinahe in den Wahnsinn. Das Gericht von Athen spricht in schließlich frei von jeder Schuld. Nachdem er eine letzte Prüfung gemeistert hat, verschwinden die Rachegöttinnen und Orestes wird Herrscher von Mykene. Die Sequenz, als Orestes Rache übt, wurde oft in der Kunst verwendet, weiß Susanne Bocher, Leiterin von Schloss Mirow und Schloss Hohenzieritz. Das Motiv auf dem Sarkophag im Neustrelitzer Schlosspark ist die Kopie eines Sarkophags, der bereits seit dem 18. Jahrhundert in den Vatikanischen Museen in Rom aufbewahrt wird. Der wiederum stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus.

Geschenk zum 76. Geburtstag

Wie kam nun das Neustrelitzer Stück in den Schlosspark? „Es handelt sich um ein Geburtstagsgeschenk von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen an seinen Onkel, den Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz, den Bruder der berühmten Preußenkönigin Luise“, erklärt Susanne Bocher. Wie unter anderem aus Briefwechseln hervorgeht, hatten Neffe und Onkel ein gutes Verhältnis miteinander. Großherzog Georg war in seinen jüngeren Jahren auch nach Rom gereist, eine Reise, die großen Eindruck auf ihn gemacht haben muss.

Als Geschenk zum 76. Geburtstag des Großherzogs wählte Friedrich Wilhelm der IV. das Motiv des berühmten Sarkophags aus den Vatikanischen Museen. Mit der Aufgabe wurde der Bildhauer Christian Daniel Rauch beauftragt. Von dem Original wurden Gipsabgüsse gefertigt. In der Gestaltung des Sarkophagkörpers bewegte Rauch sich etwas freier. Das Original in Rom steht auf vier Füßen und hat einen flachen Deckel, wogegen das Werk in Neustrelitz eine Bodenplatte und ein spitz zulaufendes Dach hat.

Das Motiv jedoch ist dasselbe wie in Rom. Von rechts nach links gesehen, steht Orestes angelehnt an einen Dreifuß. „Das zeigt vermutlich, wie Orestes vom Orakel von Delphi aus aufbricht, nachdem der Gott Appollo seinen Rachefeldzug abgesegnet hat“, erklärt Susanne Bocher. Weiter steigt Orestes über schlafende Rachegöttinnen, auch Erinnyen genannt. Nachdem er seine Mutter erschlagen hat, erwachen die Erinnyen. Es folgt ein zusammengebrochener Mann, über dem ein jüngerer steht. „Bei der Szene streiten sich die Experten, ob Orestes Aigisthos erschlägt, oder ob dort sein Freund Pylades abgebildet ist“, sagt Susanne Bocher. Das Bild endet mit einer Amme, die sich erschrocken abwendet, und einer Gruppe Rachegöttinnen. Pünktlich zum Geburtstag des Großherzogs am 12. August 1855 wurde Christian Daniel Rauch allerdings gar nicht fertig, berichtet Susanne Bocher. Dafür wurde Georg von Mecklenburg-Strelitz aber schließlich per Brief über das Geschenk informiert. „Er hat sich sehr darüber gefreut, das geht aus den Briefen hervor“, sagt Susanne Bocher. Mit etwas Verspätung fand der Sarkophag seinen Platz im Schlossgarten. Das Werk von Christian Daniel Rauch wurde, um es vor Verfall zu schützen, inzwischen eingelagert. Doch dort, wo das Original einst stand, steht heute noch eine Kopie des Geburtstagsgeschenks an Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz.

Kommentare (3)

Welches Bemühen um Schönheit..................

Mir ist bekannt, dass der Hund im Sarkophag bestattet ist,

Vom Herzog