Alte Häuser
Das Fledermaus-Haus von Neustrelitz steht jetzt zum Verkauf

Das Haus Nummer 30 in der Seestraße steht zum Verkauf. In einem hinteren Gebäudeteil leben viele Fledermäuse.  Foto: Susanne Böhm
Das Haus Nummer 30 in der Seestraße steht zum Verkauf. In einem hinteren Gebäudeteil leben viele Fledermäuse. Foto: Susanne Böhm
Susanne Böhm

Ein großes altes Gebäude in der Seestraße in Neustrelitz ist auf dem Markt. Zusammen mit dem Objekt erwirbt der neue Eigentümer ganz besondere Bewohner – und zwar ziemlich viele.

Die Stadt Neustrelitz will das Haus in der Seestraße 30 verkaufen. Wer sich für das Mehrfamilienhaus mit Nebengelass, Seitenflügel, drei Garagen und einem Speichergebäude entscheidet, bekommt eine ganz besondere Immobilie. Mit dem sanierungsbedürftigen Komplex übernimmt der neue Eigentümer nämlich zugleich die Verantwortung für eine der größten Fledermauskolonien in Neustrelitz.

Die Flattermänner haben ihr Winterquartier in einem alten Eiskeller, der sich im Gebäudekomplex befindet. Etwa 80 Winterschläfer waren bei einer Zählung im Jahr 2015 gesichtet worden. Inzwischen dürften es deutlich mehr sein, denn gute Schlafplätze sprechen sich unter den Flugsäugern schnell herum. Im Jahr zuvor hatten die Stadt Neustrelitz, die BIG Städtebau, die Neustrelitzer Wohnungsgesellschaft und der Naturschutzbund Deutschland den Keller der ehemaligen Brauerei zu einer regelrechten Luxusherberge für Fledermäuse hergerichtet.

Konstant zwei Grad

Schlafkästen und Spaltensteine wurden an den Wänden angebracht. Ein Ein- und Ausflugloch steht immer offen. Die Temperatur liegt konstant bei zwei Grad. Genau genommen handelt es sich nicht nur um einen Fledermauskeller, sondern um ein ganzes Fledermausgebäude, das vom Boden bis zum Dach den Tieren ­vorbehalten ist. Prompt nahmen die Insektenjäger ihre neue Schlafstätte an. Zwerg-, Fransen-, Wasser- und Breitflügelfledermaus und das Braune Langohr teilen sich das geräumige Domizil.

Natürlich darf der neue Eigentümer die geschützten Luftakrobaten nicht stören. „Die Erhaltung des Fledermausquartiers durch den Erwerber wird als Auflage im Kaufvertrag verankert“, teilte Stadtsprecherin Petra Ludewig mit. Wer das Haus kauft, muss also Freude am Naturschutz haben, denn das Fledermausrefugium nimmt einen nicht unwesentlichen Teil des Gebäudekomplexes ein. Gibt es überhaupt Menschen mit großem Herz für Natur und alte Gebäude, die auch noch genügend Geld in der Tasche haben, um das Objekt zu sanieren? Darüber gibt es von der Stadt keine Auskunft. „Zu Anfragen von Bewerbern können wir aufgrund des laufenden Ausschreibungsverfahrens keine Angaben machen“, hieß es am Donnerstag.

Konzept muss vorgelegt werden

Zum Haus gehören knapp 860 Quadratmeter Grundstück. Es steht in guter Lage zwischen Stadthafen und Stadtkern. Sein Verkehrswert wird auf 69 500 Euro geschätzt. Die Gebäude müssen nach den Sanierungszielen und Rahmenplanbestimmungen der Stadt saniert werden. Außerdem muss ein Nutzungs- und Finanzierungskonzept vorgelegt werden. Auskünfte dazu gibt es beim Amt für Stadtplanung unter der Telefonnummer 03981 253314. Besichtigungen können vereinbart werden unter der Telefonnummer 03981 455318. Kaufinteressenten können sich bis zum 4. März bewerben.

 

Kommentare (1)

Alles soll schön werden, aber es darf kein Geld kosten