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Erste Gaststätte schließt wegen Personalmangels

Die Gaststätten leiden unter Mitarbeitermangel. Am schlimmsten sind die Werlestuben in Wesenberg dran. Das Traditionsrestaurant muss in diesem Jahr geschlossen bleiben. Stirbt jetzt ein Lokal nach dem anderen?

Das Werlestuben-Schicksal in Wesenberg ist kein Einzelfall: Inhaber von Gaststätten und Hotels finden keine Mitarbeiter. Manch einer schließt das Haus gleich ganz.
© Karin & Uwe Annas - Fotolia.com und S. Böhm Das Werlestuben-Schicksal in Wesenberg ist kein Einzelfall: Inhaber von Gaststätten und Hotels finden keine Mitarbeiter. Manch einer schließt das Haus gleich ganz.

Die Sonnenschirme sind zusammengeklappt, die Stühle gestapelt, das Licht ist aus: Die Gaststätte Werlestuben in Wesenberg ist geschlossen. Wegen Personalmangels kann Eigentümer René Töllner das traditionsreiche Restaurant mit Biergarten und Festsaal in dieser Saison erstmals nicht öffnen. Für die Kleinstadt mit ihrer überschaubaren Anzahl an gastronomischen Einrichtungen ist der Verlust des ersten Hauses am Marktplatz ein herber Tiefschlag. In der Innenstadt gibt es kein Wirtshaus mehr, in dem Urlauber und Einheimische gepflegt zu Mittag oder zu Abend essen können.

„Die Situation ist für einen staatlich anerkannten Erholungsort kein gutes Aushängeschild“, so Bürgermeister Helmut Hamp. „In Wesenberg gibt es zwar noch das eine oder andere Lokal, einen Biergarten, ein Bistro, aber die Werlestuben im Zentrum fehlen eindeutig.“ Mit dem Problem, dass kaum Kellner und Köche zu finden sind, stehen die Werlestuben nicht allein da. Viele Gaststätten und Hotels sind ständig auf Personalsuche. So auch das Strandhotel in Mirow. „Es ist ganz schlimm“, sagt Mitinhaber Enrico Stegemann. „Man sucht und sucht und kriegt nichts. Es wird immer schlimmer. Keiner will mehr in der Gastronomie arbeiten. Man bekommt schon Angst vor den nächsten Jahren.“

Eine Lösung? Keiner weiß, wie es weitergeht

Dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband ist die Misere bekannt. „Der oft zitierte Fachkräftemangel ist in der gesamten Branche spürbar. Alle haben diese Sorgen und Nöte, wenn auch nicht in dem krassen Ausmaß wie in Wesenberg“, so Matthias Dettmann, Pressesprecher von DEHOGA-Mecklenburg-Vorpommern. „Gerade wenn es darum geht, ausgebildete Fachkräfte für verantwortungsvolle Positionen zu besetzen, wird die Luft dünner.“ Die Seenplatte stehe im Schatten der Ostsee. „So landschaftlich reizvoll die Seenplatte auch ist, trotzdem haben die großen Touristen-Destinationen oder größere Städte wie Rostock mit mehr Infrastruktur die besseren Argumente. Betrieben in diesen Regionen fällt es leichter, Fachkräfte aus Berlin, Sachsen-Anhalt oder anderen Bundesländern vom Wohnortwechsel zu überzeugen.“

Das musste auch René Töllner erleben. Einer seiner Mitarbeiter hat gekündigt, weil er nach Rostock gezogen ist. „Wir hatten in guten Zeiten mal drei Köche und drei Kellner. Seit zwei bis drei Jahren aber haben wir große Probleme. Wir mussten schon Gäste wegschicken, weil wir so schlecht besetzt waren, dass wir sie nicht bedienen konnten“, erzählt der 28-Jährige, dessen Familienbetrieb auch noch das Hotel Zum Löwen in Strasen und einen Catering-Service betreibt. „Es ist sogar schon vorgekommen, dass die Leute draußen Schlange standen oder eine Dreiviertelstunde auf ihr Essen warten mussten. Ich habe auch schon selbst in der Küche gestanden und gekocht, aber das lässt sich auch nicht ewig durchhalten.“ In diesem Jahr war dann die Schmerzgrenze überschritten. Die Gaststätte mit ihren 55 Plätzen innen und 60 Plätzen draußen bleibt geschlossen.

Kommentare (2)

Bin selbst seid 40 Jahren in der Gastronomie tätig, man sollte endlich mal die Arbeit vernünftig bezahlen dann wäre auch kein Personalmangel. Unterm Strich hat ein Hartz 4 Empfänger meist mehr als ein Beschäftigter in der Gastronomie.

Mittelfristig wird dieses Problem nicht nur die Gastronomie treffen, auch die Landwirtschaft. Wenn Unternehmen in M-V nicht bereit sind, ordentliche Löhne zu zahlen, dürfen sie sich auch nicht beklagen. Mein Stiefsohn ist gelernter Tierwirt. Nicht ein einziger Arbeitsvertrag, den er mit Betrieben in M-V hatte, hätte einer juristischen Prüfung standgehalten. Heute arbeitet er für ein niedersächsisches Unternehmen, hat einen vernünftigen Lohn, Mehrarbeit ist vertraglich geregelt, Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Wer nichts zahlen will, darf sich auch nicht beklagen, wenn er nichts vernünftiges bekommt.