Dauer-Hitze

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Den Viehzüchtern trocknet das Futter weg

Markus Poland hält bei Klein Trebbow Hochlandrinder und Schafe auf trockenem Sandboden. Obwohl die Tiere genügsam sind, muss er Futter zukaufen. 
Markus Poland hält bei Klein Trebbow Hochlandrinder und Schafe auf trockenem Sandboden. Obwohl die Tiere genügsam sind, muss er Futter zukaufen.
Susanne Böhm

Die Dürre nimmt kein Ende. Mit Sorgen schauen Landwirte im Strelitzer Land in den Himmel. Auf den Weiden wächst nichts nach und die Vorräte schrumpfen.

Sengende Hitze über den Wiesen und Weiden im Strelitzer Land. Die Böden sind ausgedörrt, Gräser und Kräuter vertrocknen. Ein baldiges Ende der Dürre zeichnet sich nicht ab. Bei Weidetierhaltern in der Mecklenburgischen Seenplatte wird das Futter knapp und die Lage ernst.

Landwirt Markus Poland von der Solidarischen Landwirtschaft Klein Trebbow bewirtschaftet sehr sandiges und damit besonders trockenes Land. Hinzu kommt viel Wildschaden durch Wildschweine. Er hält zurzeit 40 Hochlandrinder und 70 Schafe. Die Herden mussten umziehen. Sie grasen jetzt auf Flächen, auf denen Markus Poland normalerweise Heu macht. Das Heu wird später fehlen. „Ich muss Futter zukaufen. Es geht um fast 10.000 Euro, das ist ein herber Rückschlag. Überhaupt muss ich erst einmal jemanden finden, der noch gutes Futter zu fairem Preis verkauft.“ Es zeichne sich ab, dass Futter teurer wird. Die Rinder seien recht robust und würden auch mit dem eingelagerten Heu vom Vorjahr auskommen. Die Milchschafe würden jedoch schon sehr viel weniger Milch geben. „Dass es so lange nicht regnet, habe ich noch nicht erlebt. Die Wetterlagen werden immer extremer.“ Er sei froh, dass er die Solidarische Landwirtschaft hat. „So verteilt sich das auf 100 Schultern.“

Büffel brauchen Wasserlöcher

Erwartungsvoll schauen auch Martina und Bernd Wirtz vom Limousinhof Zippelow auf jede Wolke, die vielleicht Regen bringen könnte. Sie halten 210 Tiere, hauptsächlich Limousinrinder, dazu Wasserbüffel und ein paar Pferde. „Was die Tiere fressen, wächst nicht mehr nach. Wir können in diesem Jahr nur ein Mal Heu und Silage machen, normalerweise machen wir das zwei- bis drei Mal“, berichtet Martina Wirtz. „Noch haben wir Futter. Wir schauen, wie weit wir kommen. Vermutlich müssen wir auch zukaufen.“ Bei den Wasserbüffeln gehören neben Futter auch Wasserlöcher, in denen sie liegen können, zu den Grundbedürfnissen. „Eine Herde steht direkt an der Lieps. Da ist noch Wasser. Für die andere Herde weiter oben pumpen wir täglich Wasser aus dem Graben, damit sie es einigermaßen feucht haben.“

Biobauer geht mit den Rindern auf Wanderschaft

Etwas einfallen lassen musste sich auch David Peacock vom Erdhof Seewalde. Der Biobauer geht mit seinen Rindern auf Wanderschaft. „Wir wandern seit sechs Wochen jeden Tag drei Stunden, bis zu acht Kilometer weit zu Flächen, auf denen ich sonst Heu mache.“ Knapp 30 Milchkühe und rund 20 Jungrinder und Bullen hält der Demeter-Bauer bei Wesenberg. „Die alte Rasse Angler-Rinder ist robust, kommt gut mit der Hitze klar. Auch die Milchproduktion läuft weiter gut.“ Dennoch schaut auch David Peacock besorgt zum wolkenlosen Himmel. „Irgendwann wird das Futter auch bei uns knapp. Aber ich bin optimistisch. Was immer passiert, ich werde eine Lösung finden.“

Alles verdorrt

Seinen Optimismus kann Kerstin Brandt-Goralski, Vorsitzende des Bauernverbandes Mecklenburg-Strelitz, nicht teilen. „Ich gehe immer vom Schlimmsten aus. Manche Wetterprognosen gehen schon davon aus, dass es den ganzen August nicht regnet. Alles ist vertrocknet, überall wird das Futter knapp.“ Auch Geflügelhalter seien betroffen. Für ihren eigenen Betrieb rechnet sie in diesem Jahr mit Einbußen im sechsstelligen Bereich. „Wir brauchen einen Notfallplan.“