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See-Sanierung

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Den Weißfischen geht es jetzt an den Kragen

Die Entwicklung der Wasserqualität im Woldegker Stadtsee wird weiter sehr aufmerksam verfolgt. Noch in diesem Jahr sollen Weißfische entnommen und Raubfische eingesetzt werden. 
Die Entwicklung der Wasserqualität im Woldegker Stadtsee wird weiter sehr aufmerksam verfolgt. Noch in diesem Jahr sollen Weißfische entnommen und Raubfische eingesetzt werden.
Marlies Steffen

Die Qualität in dem Woldegker Gewässer wird seit Langem bemängelt. Jetzt soll endlich ein Schritt greifen, von dem schon ewig die Rede ist.

Der Balken auf der Grafik für das Jahr 2018 sieht gar nicht so schlecht aus. Zwar ist er immer noch weit von den guten Werten der 1990er Jahre entfernt. Dennoch, der Woldegker Stadtsee lässt wieder mehr in sein Innenleben blicken. Die Sichttiefe hat sich verbessert. Das 33 Hektar große Gewässer ist auch in diesem Jahr durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Natur (StALU) untersucht worden. Die gesamte Auswertung liegt noch nicht vor, sagt Abteilungsleiter Bodo Heise. Allerdings sei die verbesserte Sichttiefe als eine gute Nachricht zu bewerten.

Pegel um 40 Zentimeter gefallen

Die andere gute Nachricht sei, dass die Schadstoffeinträge an den Gräben, die im Stadtsee enden, geringer geworden sind. Dieser Sommer hat dazu aber auch das seine getan, denn einige der Gräben sind komplett trocken gefallen. Dass der ohnehin im Durchschnitt nur 1,50 Meter tiefe Stadtsee viel Wasser verloren hat, sieht man am Ufer der Badestelle. Das Wasser hat sich dort auf einer Breite von fünf und sechs Metern zurückgezogen, um die 30 bis 40 Zentimeter dürfte der Wasserpegel gefallen sein, schätzt Bodo Heise ein. Eine übermäßige Eintrübung des Sees durch den lang anhaltenden Sommer ohne Niederschläge habe es in diesem Jahr allerdings nicht gegeben. Woran das im Einzelnen liegt, auch dafür hat Bodo Heise derzeit keine Erklärung.

Der Woldegker Stadtsee hat in den vergangenen Jahren immer wieder wegen seiner erhöhten Phosphat- und Stickstoffwerte für große Sorgenfalten bei den Mühlenstädtern gesorgt. „Seequalität können wir allerdings nur verbessern, wenn wir wissen, woher die Schadstoffe kommen“, sagt Bodo Heise. Im Falle des Woldegker Stadtsees habe die Ursachenforschung bislang ergeben, dass der Eintrag über die Gräben zurückgegangen ist.

Wasserflöhe sollen sich wieder vermehren können

Indessen, im kommenden Monat soll endlich auch angefangen werden, etwas gegen den Nährstoffüberschuss, der sich in den vergangenen Jahren in dem Gewässer angesammelt hat, zu tun. Eine Biomanipulation soll in die Tat umgesetzt werden. Dazu hat die Stadt Fördermittel bekommen. Im November werde ein mit den Arbeiten beauftragtes Unternehmen auf dem Stadtsee aktiv werden, kündigte Bauamtsleiter Manfred Balzer an. Mitarbeiter dieser Firma würden zunächst Weißfische entnehmen und anschließend zeitnah Raubfische einsetzen. Mit diesem Schritt verspricht man sich veränderte biologische Verhältnisse. Weißfische seien natürliche Feinde von Wasserflöhen, die sich wiederum von Algen ernähren würden. Werde der Weißfischbestand gesenkt, werde es auch wieder mehr Wasserflöhe geben, Algen hätten demnach auch wieder mehr natürliche Feinde.

Zudem würden Weißfische gründeln und damit auf dem Seeboden lagerndes Sediment aufwirbeln, in dem auch Phosphate eingelagert seien. Auch das könnte mit der Reduktion des Weißfischbestands eingeschränkt werden. Raubfische würden sich zudem von Weißfischen ernähren. Der Woldegker Stadtsee hatte in den vergangenen Jahren immer wieder eine geringe Sichttiefe aufgewiesen, außerdem gab es Probleme mit Algen. Vor zwei Jahren war gar ein intensiver gelber Belag auf dem See geschwommen. Damals waren denn auch bei einer Untersuchung des Stralsunder Büros Bioplan erhöhte Phosphatwerte und auch Ammonium als Hinweis auf Einflüsse durch Abwasser und Deponiesickerwasser festgestellt worden. Experten hatten dem Gewässer daraufhin die schlechte Note „eutroph 2“ gegeben.

Proben genommen

An verschiedenen Stellen im See, aber auch an den Zuflüssen wurden Proben genommen. Sedimentbohrungen wurden außerdem durchgeführt. Anhand von entsprechenden biologischen Untersuchungen und mithilfe der Anglervereine wurde der Fischbesatz geprüft. Insgesamt war damals eine Fläche von 8,5 Quadratkilometern auch im Umfeld des Sees untersucht worden. Selbst in zwei Meter Tiefe waren in den Ablagerungen auf dem Seegrund noch hohe Phosphatwerte festgestellt worden. Auch an einigen Zuflüssen konnten die Experten erhöhte Phosphatwerte und teilweise auch Ammonium feststellen. Die Ursache für den Schadstoffüberschuss konnte auch damals nicht ausgemacht werden.