Nachruf
Der Herr der Bücher hat für immer Ade gesagt

Bernd Techant war der Begründer des Antiquariats. Seinen Bücherschatz konnte er vor einigen Jahren in die Hände eines Vereins abgeben.
Bernd Techant war der Begründer des Antiquariats. Seinen Bücherschatz konnte er vor einigen Jahren in die Hände eines Vereins abgeben.
Marlies Steffen

Er war der Begründer des Antiquariats im Neustrelitzer Speicher. Die Sammlung alter Bücher zählt mit rund 20.000 Exemplaren zu den größten im Land. Jetzt ist Bernd Techant verstorben.

Wohl jeder Bücherfreund und viele Kulturliebhaber der Region kannten Bernd Techant. Vor allem das Antiquariat im Speicher am Neustrelitzer Hafen, wird mit seinem Namen verknüpft. Im Januar ist Bernd Techant mit 80 Jahren verstorben.

In die Region verliebt

Nach der Wende verschlug es ihn des Berufes wegen aus den alten Bundesländern nach Mecklenburg. Eine Fahrt nach Neubrandenburg, ein Blick auf die Lieps und den Tollensesee bei Usadel genügten ihm, um sich in die Region zu verlieben. Mit dem ihm eigenen Elan baute er sich zunächst eine alte Scheune zu seinem Wohndomizil um. Im Ruhestand begann er, sich stärker kulturell zu engagieren, unter anderem im Feldberger Kulturverein. Die Idee, in Feldberg eine Straße der Bücher aufzubauen, wurde geboren.

Gemeinsam mit seiner besten Freundin und Lebensbegleiterin Annemarie Eckert reiste er durch ganz Nord- und Mitteldeutschland, um Bücher für sein Antiquariat zusammenzutragen. Zwei Jahre dauerte es, bis er in der Kastanienallee den Büchertempel mit rund 20.000 Büchern eröffnen konnte, auch die „Straße der Antiquariate“ wurde Wirklichkeit. Ein Verkauf des Hauses machte nach vier Jahren einen Umzug nach Neustrelitz erforderlich.

Auf 250 Quadratmetern fanden Bernd Techant und seine Bücher zunächst im Marienpalais ein neues Domizil. Auch ohne Heizung harrte er dort aus. Mit seinem Buchbestand deckte er viele Interessengebiete ab, war mit seinen Kunden im Gespräch. Besonders glücklich war Bernd Techant, wenn er für echte Büchernarren ein schon lange gesuchtes Buch auftreiben konnte.

Vereinsgründung als Rettung für Bücherschatz

Nach vier Jahren hieß es erneut umziehen, mit einer Zwischenstation im Kunsthaus als Lagerort für unzählige Bananenkisten, konnte er dann 2009 im alten Speicher am Hafen sein Antiquariat wieder eröffnen. Er fand die Zeit, selbst viel zu lesen, besuchte Theateraufführungen, Konzerte, interessante Filmvorführungen, nahm sich Zeit für Gespräche mit guten Freunden, machte sich stark für den Erhalt des Neustrelitzer Theaters.

Für seine Reisen und weitere Hobbys wollte er in der zweiten Hälfte seines achten Lebensjahrzehnts mehr Zeit haben, doch die Suche nach einem Nachfolger für das Antiquariat blieb zunächst erfolglos. Dann hatte er die Idee, einen Verein zu gründen. Sein großer Bücherschatz wusste er seitdem bei den „Freunden des Buches Neustrelitz“ in guten Händen. Er arbeitete seine Nachfolger ein, wurde selbst Ehrenmitglied im Verein.

Viele konnten ihn auf der letzten Mitgliederversammlung im November noch erleben. „Wir werden seinen Rat und seine Erfahrung vermissen“, schreiben sie auf ihrer Website. Vermissen werden Bernd Techant viele Freunde, Weggefährten und Bücherliebhaber.