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Der marode Bahnhof von Blankensee ist ein Spekulationsobjekt

Der Bahnhof Blankensee ist weder für die Bahn noch die Gemeinde ein Aushängeschild. Die Besitzer wechseln sich ab und niemand steckt Geld ins Gebäude.
Der alte Güterschuppen in Blankensee wurde vor einem Jahr versteigert. Seitdem hat sich an dem Gebäude nichts mehr g
Der alte Güterschuppen in Blankensee wurde vor einem Jahr versteigert. Seitdem hat sich an dem Gebäude nichts mehr getan. Heike Sommer
Blankensee.

Regelmäßig halten Regionalzüge in Blankensee. Das Dorf hat eine Verkehrsanbindung, von der andere Gemeinden nur träumen können. Neubrandenburg, Neustrelitz, Berlin, Stralsund – all diese Städte sind von hier aus gut auf dem Schienenweg zu erreichen. Ein Aushängeschild ist der Bahnhof allerdings nicht. Im Gegenteil. Wer in Blankensee aus dem Zug steigt, wähnt sich in einer Nachkriegskulisse. Das Bahnhofsgebäude verriegelt und verrammelt, der Putz bröckelt, die eingeschlagenen Fenster und Türen mit Brettern vernagelt.

Auf dem Vorplatz sieht es nicht besser aus. In der ausgefahrenen Pflasterstraße sammelt sich Wasser und Schlamm. Um den maroden Güterschuppen flattert Absperrband. Ein Willkommensgruß sieht anders aus. Das weiß auch Bürgermeister Arko Mühlenberg. Lieber heute als morgen würde die Gemeinde den Zustand zum Besseren ändern, doch ihr sind die Hände gebunden. „Uns gehören die Gebäude nicht“, sagt er. Dabei hatte sich die Gemeinde redlich bemüht, diese Situation zu ändern.

Mindestgebot weit übertroffen

Vor fast genau einem Jahr stand der Güterschuppen zum Verkauf auf einer Auktion in Berlin. 3000 Euro betrug das Mindestgebot. Die Gemeinde stellte 15 000 Euro zur Verfügung, um das verfallene Gebäude zu erwerben und zu sichern. „Ich war bei der Auktion zusammen mit einem Gemeindevertreter. Bei 10.000 Euro sind wir ausgestiegen. Für 10.500 ging der Schuppen weg. Und wir dachten, wer soviel Geld dafür in die Hand nimmt, weiß, was er tut“, sagt er. Das war ein Irrtum. „Wir haben die Eigentümer einmal vor ihrem Haus gesehen. Seitdem nie wieder“, sagt Mühlenberg. Vermutlich wurde das Gebäude ungesehen gekauft. „Und nun lässt man die Finger davon“, sagt Mühlenberg. Jede Kontaktaufnahme der Gemeinde zu den Eigentümern wurde mit Schweigen quittiert.

Arko Mühlenberg kann nicht verstehen, dass der Gemeinde kein Vorkaufsrecht seitens der Bahn eingeräumt wurde. „Wir wurden nicht mal von dem Verkauf informiert, haben nur durch Zufall davon erfahren“, sagt er. Thomas Uhlmann von der Deutsche-Bahn-Konzernleitung Region Ost erklärt, dass der Bahn AG nur die betriebsnotwendigen Gebäude und Grundstücke übertragen wurden. Das Gros der Bahnhofsgebäude ging in das Bundeseisenbahnvermögen über. Und hier lautete in den Nuller Jahren das Verkaufsmotto: Alle oder keines. So ging beispielsweise das Bahnhofsgebäude Blankensee wie 1004 andere Gebäude an eine britische Investmentgesellschaft. Und damit nahm das Trauerspiel 2006 seinen Lauf. Denn statt wie versprochen in vier Jahren in den Umbau zu investieren – damals war von Wohnungen und Geschäften die Rede – tat sich nichts.

Jetzt wird das Gebäude für 129.000 Euro angeboten

Von da an wurde der Blankenseer Bahnhof von Besitzer zu Besitzer gereicht. Zuletzt kam er 2016 unter den Hammer und ging für 3000 Euro an einen Bieter aus Kiel. Es hieß, man wolle acht Wohnungen herrichten. „Stattdessen wurde über die Jahre alles, was noch wert war, aus dem Gebäude rausgeholt und jetzt wird es für 129.000 Euro auf einer Immobilienplattform zum Verkauf angeboten“, ärgert sich Mühlenberg.

Das historische Bahnhofsgebäude wurde zum Schandfleck und Spekulationsobjekt. Die Gemeinde kann nur hilflos zusehen. Einen kleinen Lichtblick gebe es, so Mühlenberg. „Die Bahn hat angekündigt, 2024 die Haltestelle zu sanieren.“

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