Pflegekraft Ivonne Kasper lehnt die Impfpflicht ab. Es läuft wohl auf eine Kündigung hinaus. Noch hat sie die Hoffnu
Pflegekraft Ivonne Kasper lehnt die Impfpflicht ab. Es läuft wohl auf eine Kündigung hinaus. Noch hat sie die Hoffnung, dass die Impfpflicht gekippt wird. Jana Schrödter
Corona-Pandemie

Deshalb lässt sich eine Pflegerin aus Neustrelitz nicht impfen

Ivonne Kasper hat sich bereits arbeitssuchend gemeldet für die Zeit ab dem 15. März, wenn die Impfpflicht für Pflegekräfte kommt. „Es ist so unlogisch, was die Regierung macht“, meint sie.
Neustrelitz

Pfleger und Pflegerinnen sind nicht nur im Niedriglohnsektor angesiedelt, auch Fachkräfte sind in der Pflegebranche schwer zu bekommen. Diejenigen, die noch in diesem Bereich tätig sind, klagen über unzumutbare Arbeitsbedingungen. Ivonne Kasper aus Neustrelitz, gelernte medizinische Assistentin, hat 13 Jahre lang in der Pflege gearbeitet. Die Belastung wurde immer größer und aufgrund des Pflegenotstandes hat sie in einen anderen Beruf gewechselt. Seit November 2021 ist sie in den Pflege-Beruf zurückgekehrt und steht nun mit der Einführung der Impfpflicht wieder vor einer Entscheidung: Gehen oder Bleiben? Impfen lassen oder Kündigung?

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Bereits arbeitssuchend gemeldet

„Ich bin generell kein Impfgegner. Ich habe mich auch gegen Grippe impfen lassen. Meine ganze Familie hatte bereits Corona und ist genesen“, sagt Kasper. Doch ihr Genesenen-Status sei bereits wieder abgelaufen. „Mein Vater hat sich boostern lassen und leidet jetzt an einer Herzbeutelentzündung“, sagt sie. Impfen lassen – kommt daher für Kasper nicht infrage. Sie habe sich bereits arbeitssuchend gemeldet und muss seitens des Arbeitsamtes wahrscheinlich mit einer dreimonatigen Sperre rechnen, nachdem sie unentgeltlich freigestellt werden würde. „Es ist so unlogisch, was die Regierung macht“, meint sie. „Die Bewohner und Besucher haben das Wahlrecht beim Impfen und wir Pflegekräfte werden gezwungen. Wenn zwei Kollegen kündigen, sei der Schichtplan schon in Gefahr“, heißt es von Kasper.

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Hoffnung, dass die Entscheidung gekippt wird

Sie hoffe, dass die Impfpflicht noch gekippt wird. Sie kenne viele Leute aus der Pflege, die sich nicht impfen lassen möchten und lieber kündigen. „Es sind einem die Hände gebunden“, klagt Kasper. Der größte Teil der Leute, die demonstrieren gehen, seien geimpfte Rentner, die die Impfpflicht für ihre Enkelkinder fürchten. Auch Geboosterte demonstrieren nicht generell wegen der Impfpflicht, sondern, weil sie die Demokratie in Gefahr sehen“, glaubt Kasper. „Von der Impfpflicht sind nicht nur Pflegekräfte betroffen, sondern indirekt auch Köche, Reinigungskräfte, Frisöre, Handwerker, Krankentransporteure und Rettungsassistenten, die in den Einrichtungen arbeiten. Wenn alle kündigen, gibt es kein Essen mehr für die Bewohner, die Zimmer werden nicht gereinigt, und wenn jemand einen Unfall hat, kommt keiner mehr“, stellt Kasper fest.

Wem wann eine Sperrzeit droht

Und wie steht es mit den betroffenen Pflegekräften, die plötzlich arbeitslos werden? Die Rechtslage ist unübersichtlich. Viele Einzelfälle müssen geprüft werden. Bekommen die Betroffenen Arbeitslosengeld, oder haben sie wegen der fehlenden Impfung keine Chance auf einen neuen Arbeitsplatz und rutschen wegen nicht vorhandener „Verfügbarkeit“ gleich in Hartz IV? „Den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit steht zur Verfügung, wer eine versicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassende zumutbare Beschäftigung ausüben kann und darf. Einer arbeitslosen Person sind alle ihrer Arbeitsfähigkeit entsprechenden Beschäftigungen zumutbar. Die Vermittlungsbemühungen erstrecken sich demnach nicht ausschließlich auf die zuletzt ausgeübte Beschäftigung“, erklärt Agentursprecher Ronny Steeger. Ein fehlender Impfnachweis oder ein Tätigkeitsverbot in der Pflegebranche habe „keine Auswirkung auf die Verfügbarkeit und somit auf den Leistungsanspruch“.

Droht denjenigen, die selbst kündigen, eine Sperrzeit? Ja, sagt Steeger, „allerdings ist immer im Einzelfall zu prüfen, ob ein wichtiger Grund vorliegt. Dann tritt eine Sperrzeit nicht ein“. Was ist mit jenen, die vom Arbeitgeber entlassen oder freigestellt werden? Wer bis zum 15. März wegen fehlender Impfung entlassen wird, hat sich nicht arbeitswidrig verhalten und muss aus diesem Grund keine Sperrzeit befürchten, so Steeger. Wenn Ungeimpfte nach dem 15. März entlassen werden, müsse von Fall zu Fall entschieden werden.

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