KIETZWERDER

Die Kormoran-Insel in der Lieps droht langsam zu versinken

Sie prägt die Landschaft und ist ein Zeugnis frühzeitlicher Besiedlung: die Insel Kietzwerder in der Lieps.
Die Insel Kietzwerder auf der Lieps prägt die Landschaft. Doch das Eiland könnte eines Tages verschwinden. 
Die Insel Kietzwerder auf der Lieps prägt die Landschaft. Doch das Eiland könnte eines Tages verschwinden. Heike Sommer
Prillwitz.

In Prillwitz beobachten die Bewohner den Niedergang der Insel Kietzwerder in der Lieps mit Besorgnis – aber nicht tatenlos. Im Jahr 2016 ließ die Gemeinde Hohenzieritz, zu der das Dorf gehört, ein Gutachten in Auftrag geben, wie die Insel zu retten ist. Dabei hätten diese Hausaufgaben ganz andere erledigen müssen, denn die Insel genießt in doppelter Hinsicht Schutz.

Wichtiges Bodendenkmal

Einerseits liegt das Eiland im Naturschutzgebiet, andererseits gilt es als wichtiges Bodendenkmal. Denn sie zeugt von der Besiedlung der Region zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert. Vom Untergang ist das ursprünglich rund 2000 Quadratmeter große Eiland, das über Brücken mit Nachbarinseln und dem Festland verbunden war, nicht zum ersten Mal bedroht. Im 13. Jahrhundert wurden der Tollensesee und damit auch die Lieps um gut einen Meter angestaut, um am nördlichen Ufer die Vierrademühle betreiben zu können.

Der Kietzwerder ragte danach nur noch ein Viertel aus dem Wasser und war damit unbewohnbar. Über die Jahrhunderte bildete sich eine üppige Vegetation. Als Mitte der 1970er Jahre die Lieps extremes Niedrigwasser führte, gab die Insel ihre Schätze preis und wurde für Archäologen zu einer wahren Fundgrube.

Ergebnisse der Suche im Museum zu sehen

Die Suche nach dem Slawenheiligtum Rethra wurde befeuert. Die Ergebnisse können im Regionalmuseum Neubrandenburg besichtigt werden. Der strenge Naturschutzstatus ist einerseits Segen, andererseits Fluch für den Kietzwerder. Die Insel wurde von Kormoranen als Brutplatz auserkoren, was einem Todesurteil für den einst üppigen Baumbestand gleichkam. „190 Paare wurden 2016 hier gezählt“, erinnert sich der Prillwitzer Peter Strobl. So hoch ist der Bestand auf der Insel heute nicht mehr. Denn etliche der durch den scharfen Vogelkot abgestorbenen Bäume sind bereits umgefallen und bieten sich nicht mehr als Brutplatz an. „Die Vögel weichen auf die Nachbarinsel Hanfwerder aus“. Und genau darin sieht das erstellte Gutachten eine Chance für die Rettung des Kietzwerders. Es schlägt vor, die einen Teil der abgestorbenen Bäume zu fällen und damit die Nistmöglichkeiten einzuschränken.

„Einem ohnehin bevorstehenden Zusammenbruch des Altbaumbestandes würde damit nur vorgegriffen“, heißt es. Die Insel sollte in eine Ost- und eine Westhälfte geteilt werden. Die Westhälfte mit dem ohnehin schon geringeren Baumbestand würde beräumt, die Osthälfte bliebe unberührt. Der beräumte Insel-Teil könnte neu bepflanzt werden, ein neuer Erlenbestand heranwachsen und somit eine natürliche Befestigung der Insel schaffen. „Wir haben das Gutachten der Stadt Neubrandenburg – ihr gehört der See – zur Verfügung gestellt“, sagt Peter Strobl, der auch im Gemeinderat von Prillwitz sitzt.

Noch keine Antwort aus dem Kulturministerium

Auch in Neubrandenburg sieht man Handlungsbedarf und meldete diesen beim Umweltministerium an. Aus Schwerin hieß es allerdings, dass Mittel aus dem Naturschutz nicht bereitgestellt werden können. Für den Erhalt des Bodendenkmals sei das Kulturministerium zuständig. Man habe die städtische Anfrage weitergeleitet. Das ist mehr als ein Jahr her. Eine Antwort des Kulturministeriums ist bis heute nicht eingetroffen, hieß es aus dem Rathaus Neubrandenburg.

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