Tierschutz
Die Not der Katzen und ihrer Retter nimmt kein Ende

Eine Katzenfamilie mit drei Jungen hat der Neustrelitzer Tierschutzverein Mohrchen erst vor drei Wochen in Wesenberg gerettet. Schon kommen weitere Anfragen. Die Helfer in dem Haus in der Pappelallee geraten an ihre Grenzen.  
Eine Katzenfamilie mit drei Jungen hat der Neustrelitzer Tierschutzverein Mohrchen erst vor drei Wochen in Wesenberg gerettet. Schon kommen weitere Anfragen. Die Helfer in dem Haus in der Pappelallee geraten an ihre Grenzen.
Susanne Böhm

In Neustrelitz gibt es inzwischen vier Auffangstationen für hungernde Stubentiger. Alle sind überfüllt. Tierschützer fordern Hilfe von den Kommunen.

Neustrelitzer Tierschützer schlagen Alarm. Nach wie vor vermehren sich in der Residenzstadt Katzen unkontrolliert. Das städtische Tierheim in der Rudower Nebenstraße ist voll, das Katzenhaus des Vereins Pfötchenhilfe in der Wesenberger Straße ist ausgelastet, überfüllt ist auch die Auffangstation des Vereins Mohrchen in der Useriner Straße – und jetzt stößt auch das zweite Mohrchen-Haus in der Pappelallee an seine Grenzen.

„Wir haben 40 Katzen, allein in diesem Jahr haben wir 23 aus Wesenberg aufgenommen. Gerade kamen wieder fünf dazu, Vater, Mutter und drei Kinder. Und gestern kam eine Anfrage für neun weitere Katzen“, sagt Vereinsmitglied Manuela Jeschke, die das zweite Katzenhaus des Mohrchen-Vereins zusammen mit ihrem Mann betreut.

Mit den Kräften am Ende

Nachdem der Besitzer des Hauses in der Pappelallee im vergangenen Jahr verstarb und als letzten Wunsch äußerte, der Tierschutzverein möge sich weiter um seine zahlreichen Katzen kümmern und sein Haus übernehmen, bauen Manuela und Andreas Jeschke Haus und Garten zum Katzenheim aus. Doch das tierliebe Ehepaar ist mit seinen Kräften am Ende. „Mein Mann hat schon eine seiner Mitarbeiterinnen für das Katzenhaus eingeteilt. Sie ist montags bis freitags von 8 bis 13.30 Uhr hier und arbeitet ausschließlich für die Katzen.“ Zusammen mit weiteren Helfern wurden Freigehege und Unterstände gebaut, das sanierungsbedürftige Haus notdürftig hergerichtet und vieles mehr.

Doch die Arbeit nimmt kein Ende und das Geld ist knapp. Der Winter kommt, und im Haus gibt es keine Heizung. Schon jetzt ist alles feucht und kalt. „Wir geben jeden Monat 1500 Euro aus, hauptsächlich für Futter. Irgendwann haben wir auch kein Geld mehr.“

Der Tierschutzverein fordert zwei Dinge: eine Kastrationspflicht und mehr finanzielle Hilfe von den Kommunen. „Die Stadt Neustrelitz erlässt uns immerhin die Müllgebühren und hilft uns auch anderweitig. Aber Wesenberg, von wo wir mehr als die Hälfte unserer Katzen haben, tut nichts. Wir füttern Wesenbergs Katzen durch, und die Stadt interessiert sich überhaupt nicht dafür.“

Bürgermeister hat den Brief wohl nicht bekommen

Wesenbergs Bürgermeister Helmut Hamp wusste nach eigenen Angaben bis Freitag allerdings gar nichts von einem Katzenproblem in seiner Stadt. Die Tierschützer werden in fast allen Fällen von Privatleuten verständigt, wenn verwahrloste, hungernde oder ausgesetzte Katzen auffallen. Ein Brief, den der Tierschutzverein nach Auskunft von Manuela Jeschke an die Stadt geschrieben hat, hat den Bürgermeister nie erreicht. „Wir hatten vor Jahren mal ein Problem mit wild lebenden Katzen. In letzter Zeit habe ich aber keine Kenntnis mehr von einer großen Anzahl Katzen erhalten“, sagte Helmut Hamp dem Nordkurier. „Ich bin natürlich gesprächsbereit. Der Verein kann sich jederzeit an mich wenden. Vielleicht finden wir eine Lösung.“

Dass der Kreistag der Mecklenburgischen Seenplatte die Einführung einer Kastrationspflicht, die die Linksfraktion beantragt und Tierschützer gefordert hatten, aus formellen Gründen abgelehnt hat, ist für Manuela Jeschke inakzeptabel. „Wenn es einen Formfehler im Antrag gab, dann muss der behoben und neu abgestimmt werden.“ Wer die Tierschützer in der Pappelallee 1 tatkräftig oder finanziell unterstützen oder eine Katze adoptieren möchte, trifft vor Ort montags bis freitags jeden Vormittag eine Ansprechpartnerin an. Manuela Jeschke ist telefonisch zu erreichen unter 0175 2363347 oder per E-Mail an m.scheiler@gmx.net.