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Notlage

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Kunde darf im Supermarkt nicht auf Toilette

In diesem Lebensmittelmarkt in Altstrelitz hatte unser Leser ein äußerst unangenehmes Erlebnis. Er setzt keinen Fuß mehr in den Laden.  
In diesem Lebensmittelmarkt in Altstrelitz hatte unser Leser ein äußerst unangenehmes Erlebnis. Er setzt keinen Fuß mehr in den Laden.
Susanne Böhm

In einem Discounter in Neustrelitz musste ein Kunde dringend auf die Toilette. Doch für Kunden gibt es dort keine, und das Personal-Klo war tabu.

In eine äußerst prekäre Lage ist Gerd H.* aus einem Ort im Strelitzer Land beim Netto Marken-Discount in Neustrelitz geraten. Er musste überaus dringend auf die Toilette – und stellte verzweifelt fest, dass es in dem Lebensmittelmarkt keine Kundentoilette gibt. Nach draußen kam er nicht ohne Weiteres, denn an der Kasse stand eine lange Schlange. Ohnehin hätte er im Stadtteil Altstrelitz weit und breit keine öffentliche Toilette gefunden. Den Zugang zur Personaltoilette verweigerten ihm die Mitarbeiter zu seinem Entsetzen. Es kam zum Supergau.

Ein paar Tage später erzählte er am Direkten Draht des Nordkurier seine unangenehme Geschichte. „Das ist traurig, ich kann es nicht nachvollziehen“, sagte er. Schließlich habe er sich in einer Notsituation befunden. Nicht allein die Situation im Markt, auch der Rückweg auf dem Moped sei mehr als unerfreulich gewesen. „Dieser Laden ist für mich gelaufen, ich gehe jetzt woanders einkaufen.“

Konzern entschuldigt sich

Mit Bedauern reagierte die Netto-Konzernführung auf das Erlebnis des Lesers. „Für die Unannehmlichkeiten unseres Kunden möchten wir uns entschuldigen“, sagte Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation. „Grundsätzlich ist die Nachfrage nach Kundentoiletten bei uns bisher eher gering, sodass es im Kundeninteresse hierfür keine Notwendigkeit gab. Wir können den Unmut des Kunden durchaus nachvollziehen.“

Die Netto-Sprecherin versicherte, dass die Neustrelitzer Filial-Mitarbeiter aus Sicht des Unternehmens korrekt reagiert haben. „Im Rahmen unserer internen Vorgaben sowie unter Beachtung der sehr strengen, gesetzlich vorgeschriebenen Hygienevorschriften, die wir jederzeit für unsere Kunden einhalten, ist es nicht erlaubt, dass Kunden die Personalräume betreten und die Personaltoiletten benutzen.“

Nur in „ganz besonderen Ausnahmesituationen“, bei Schwangeren oder Müttern mit Kleinkindern, dürfen die Mitarbeiter von dieser Vorgabe abweichen. Wir werden unsere Filial-Mitarbeiter nochmals dahin gehend sensibilisieren. Die Kollegen sind zudem gerne bereit, sich bei dem Kunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“, bot Christina Stylianou an. Die Entschuldigung lehnte Gerd H. auf Nordkurier-Nachfrage jedoch dankend ab. Er will mit dem Unternehmen nichts mehr zu tun haben.

Supermärkte müssen keine Toiletten vorhalten

Der Strelitzer ist gewiss nicht der Einzige, der beim Einkauf mal aufs Örtchen muss. Sind Supermärkte eigentlich verpflichtet, Kunden-Toiletten bereit zu stellen? Nein, sagt Ulrike Sennewald vom zuständigen Ministerium für Infrastruktur. Verkaufsstätten, deren Grundfläche unter 800 Quadratmetern liegt, müssen laut Landesbauordnung keine Toiletten für Kunden bereitstellen. Bei Läden über 800 Quadratmetern prüfen die Bauaufsichtsbehören der Landkreise oder Städte im Einzelfall, ob der Einbau von Toiletten gefordert wird. Der Netto-Markt in Altstrelitz ist demnach nicht zum Einbau von Toiletten verpflichtet.

Das ist nach Ansicht der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern nicht zufriedenstellend. „Wenn ein großer Discounter bei solchen Notfällen so gar nichts vorhält, ist das das Sahnehäubchen auf der Kundenunfreundlichkeit“, sagte Matthias Wins. Solche Probleme seien schließlich keine Einzelfälle. „Hier besteht großer Nachholbedarf beim Service.“ Bei Kundentoiletten werde die „ganze Palette“ geboten, von gar keiner Möglichkeit bis hin zu sauberen, gut gelüfteteten Luxus-WCs. „Es ist erstaunlich und bemerkenswert, dass manch ein kleiner Drogeriemarkt regelrecht luxuriöse Toiletten hat, während einige große Märkte gar nichts anbieten.“

 

*Name der Redaktion bekannt

Kommentare (9)

Auch an Kundentoiletten.

Wenn er es mit dem Moped noch bis nach Hause geschafft hat, kann es keine Notsituation gewesen sein. Nur mache. So ein Unsinn überhaupt öffentlich zu machen . Fragwürdig.

Der Weg zum Moped über den Parkplatz machte seinen Supergau für noch mehr Personen öffentlich. Dass er dort nicht mehr einkaufen wird, ist verständlich. Letztlich finde ich Kunden-WC in Supermärkten nicht nötig. Wenn z.B. DM-Drogeriemärkte Kunden-WC haben, ist es deren Sache. Vielleicht werden die aber auch gar nicht frequentiert, dass man mit sauberen WCs angeben kann.

dass er nicht notgedrungen mit eingeschissener Hose nachhause fahren musste?! Sehr unangenehme Situation!

Kundin fragte auch mich mal nach einer Kundentoilette. Ich verneinte aus betrieblichen Gründen. Die Kundin tätigte dann noch ihren Einkauf und verließ erst nach 20 - 30 min. den Markt. NOTSITUATION ! ! !

Ist, wenn sich so einer in der Warteschlange in die Hose kackt, wage ich zu bezweifeln. Hoffentlich haben sie ihm wenigstens eine Rolle Toilettenpapier geborgt. Tut mir leid aber ich kann da nicht ernst bleiben...

NA DANN GEH DOCH ZU NETTOOOOOOHHHHH

Ich wünsche JEDEM, der sich amüsiert etc. und das Verhalten von Netto entschuldigt, dass er selbst einmal in so eine Situation gerät, dabei sollte er am besten gerade (wie schreibt man das?) Diarrhoe haben und den Supermarkt voll kleckern. Das ist mein frommer Wunsch! Dann müssen die Supermarkt-Angestellten noch wischen!!

Wenn Babys und schwangere Mütter dürfen, dann verstehe ich nicht wo da noch die Hygiene Vorschriften eingehalten werden? Statt den Kunden abzuweisen sollte man ihn zur Kasse bitten. Wenn er Geld hat, kann er auch auf die Toilette gehen. Wann geht der normale Kunde schon im Supermarkt auf die Toilette? Das ist so selten. Wall Marts haben in der Regel alle öffentliche WCs eingebaut, zumal auch der Gastro Bereich immer sowas seinen Kunden anbieten muss. Also ich hätte den Kunden (vielleicht noch ein Stammkunde!) nicht stehen gelassen, zumal die frei gesetzten Gase nach dem Supergau auch andere Kunden belästigt und die Sauerei auf dem Boden noch zusätzlich Zeit wie Reinigungsaufwand verloren gehen. Wo werden da die Hygiene-vorschriften eingehalten? Und wenn die Personalräume einer strengen Geheimhaltung unterliegen, schließe ich den Kunden solange auf WC ein. Dann kann ich an der Kasse in Ruhe weitere Kunden abkassieren und er auch nichts rumspionieren und er wird nach 10 Minuten wieder entlassen.