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Die Seenplatte trocknet langsam aus

Der Unterstand von Fischermeister Dieter Bork scheint zu schweben: Das Wasser ist stark zurückgegangen.
Der Unterstand von Fischermeister Dieter Bork scheint zu schweben: Das Wasser ist stark zurückgegangen.
Robin Peters

Flüsse und Seen im Strelitzer Land führen kaum noch Wasser. Zum Ärger vieler Touristen.

Durch die heimischen Flüsse und Seen fließt kaum noch Wasser. Denn die anhaltende Trockenheit hat die Gewässer regelrecht ausgezehrt. „So ein Rückgang hab ich noch nie erlebt“, sagt Fischermeister Dieter Bork aus Wesenberg. Der Steg auf seinem Fischerei-Hof führt meterweit über Land. Die Stelzen seines Bootsschuppens ragen so hoch aus dem Wasser, dass der Bau über der Wasseroberfläche zu schweben scheint.

Das Schifffahrtsamt Eberswalde muss mit dem wenigen Wasser im Land nach eigener Aussage sparsam wirtschaften. Denn durch die Wasserstraßen der Region fließe nur etwa ein Drittel so viel Wasser wie normal. Das führt laut Schifffahrtsamt allerdings nicht automatisch zu niedrigen Wasserständen. Denn die Behörde verteile das Wasser mittels Schleusen auf die einzelnen Gewässer. Damit die großen Wasserstraßen des Strelitzer Landes weiterhin befahrbar bleiben, werde bereits massenhaft Wasser aus der Müritz geleitet. Bisher sei deshalb noch kein Fluss oder Kanal der Region vollständig gesperrt worden.

Hobby-Paddler müssen auf Strecken verzichten

Doch: Hält die Dürre-Periode weiter an, müssen sich die Freizeitschiffer laut Schifffahrtsamt auf noch längere Wartezeiten an den Schleusen einstellen. Denn dann würden Sammel-Schleusungen von größeren Boot-Gruppen nötig werden – in Brandenburg werden diese teilweise schon durchgeführt.

Hobby-Paddler müssen mitunter bereits auf beliebte Routen verzichten: Der Küstriner Bach ist so flach, dass nicht einmal ein Kanu darauf fahren kann. Ein Schild warnt Paddler in Carwitz, dass der Bach keine 30 Zentimeter tief ist. Zum Ärger vieler Urlauber: „Das ist eine der sehenswertesten Strecken mit einer außerordentlich schönen Landschaft“, sagt Norbert Fleege vom Kanu- und Bootsverleih in Carwitz. Zwar leide der Bach häufig an einem niedrigen Wasserstand. In diesem Jahr wiege die Austrocknung aber besonders schwer. Mehr als zwei Kilometer müsse das Boot auf der Strecke über Land getragen werden.

Boote berühren manchmal den Grund

Viele Paddler würden das Problem jedoch kennen und die Tour Richtung Brandenburg ohnehin lieber zu Beginn der Saison ansteuern. Alternativen gebe es reichlich. So lasse sich nach Feldberg problemlos zu einer idyllischen Kanu-Tour übersetzen. Laut Fleege wird das auch den restlichen Sommer so bleiben – so viel Wasser könne gar nicht wegtrocknen. Dem nächsten Jahr sieht Fleege entspannt entgegen: „Das Wasser, das jetzt weg ist, kommt im Winter zurück“, weiß Fleege.

Auch Mario Vogel vom Kanu Verleih Mecklenburg-Vorpommern hat die Folgen der extremen Trockenheit bereits zu spüren bekommen. In einigen Gewässern würden bei der Wärme viele Wasserpflanzen das Durchkommen für Paddler erschweren. Vereinzelt würden die Boote sogar den Grund berühren. Vogel organisiert Bootsfahrten durch die Mecklenburgische Seenplatte. Für seine einwöchige Tour nach Kratzeburg sieht er allerdings keine Schwierigkeiten. „Da ist das Wasser noch tief genug.“

 

Kommentare (2)

Wer mehr Massentourismus und Umsatz haben will, muss mehr schleußen. Besonders die dicken Pötte, fressen schön viel Wasser. Somit sinkt der Wasserstand noch schneller und irgendwann ist auch mal Schluß mit schleußen. Dann liegen die Hausboote und dicken Luxuspötte (besonders der Angeber) auf der Sandbank fest. Es sollten jetzt schon die meisten Schleußen im Land für größere Boote gesperrt werden. Für Kajak und Kanufahrer kann die Reise hingegen weiter gehen.

Gerade habe ich auf Stern.de gelesen, dass die Trinkwasserversorgung im Taunus gefährdet ist und dort mittlerweile ein Notfallplan umgesetzt wird. Ähnliches droht weiteren Regionen in Deutschland. Es wird Zeit das wir Wasser nicht mehr als selbstverständlich hinnehmen. Dieser Sommer sollte uns zum nachdenken bewegen wie wir es erreichen können unserer Umwelt und Natur etwas mehr Fürsorge zukommen zu lassen.