Wassertourismus
Diemitzer Schleuse führt die deutschlandweite Rangliste an

Die Schleuse bei Diemitz hatte im Vorjahr erneut die meiste Arbeit zu verrichten. Dort wurden mit Abstand die meisten Boote gehoben bzw. abgesenkt (Archivbild).
Die Schleuse bei Diemitz hatte im Vorjahr erneut die meiste Arbeit zu verrichten. Dort wurden mit Abstand die meisten Boote gehoben bzw. abgesenkt (Archivbild).
Birger Schütz/Archiv

Nirgends in Deutschland wurden 2018 mehr Boote geschleust als im Kanal zwischen Vilzsee und Labussee. Die Seenplatte weist die höchste Nutzungsdichte im Wassertourismus auf.

Die Diemitzer Schleuse in der Müritz-Havel-Wasserstraße bleibt unangefochtener Spitzenreiter. Das geht aus den in dieser Woche vorgelegten Verkehrszahlen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Eberswalde für das Jahr 2018 hervor. Demnach war die Staustufe zwischen Vilzsee und Labussee ganz im Süden der Mecklenburgischen Seenplatte erneut mit mehr als 41 000 geschleusten Wasserfahrzeugen deutschlandweit die am stärksten frequentierte Schleuse.

Top Fünf alle aus der Seenplatte

Erst mit einem gehörigen Abstand folgt mit immerhin noch rund 34.000 gezählten Booten die Schleuse Canow auf Rang Zwei. Auffällig in der Statistik für den Bereich des Eberswalder WSA ist, dass die Top Fünf der meist befahrenen Schleuse alle in der Seenplatte liegen. Mit rund 350 000 geschleusten Sportbooten im Vorjahr weise das Revier des WSA Eberswalde in Deutschland die höchste Nutzungsdichte für den Wassertourismus auf, teilte das Amt mit.

Im Winter wird auch geschleust

In diesem Winter werde probeweise und nach Anmeldung in der Zehdenicker Leitzentrale zudem die Nutzung der automatisierten Schleusen in der Zeit von 7 bis 16 Uhr ermöglicht. „Das ist zunächst erst mal ein Versuchsballon“, sagt WSA-Amtsleiter Peter Münch. Zugegebenermaßen stamme die Idee nicht aus dem Amt, sondern sei ein Wunsch von ganz oben. Die Generaldirektion aus Bonn habe angemerkt, wenn man schon automatisierte Schleuse habe, so ließen sich diese doch auch im Winter betreiben.

Anmeldung erforderlich

Damit komme die Schifffahrtsverwaltung der Wassertourismusbranche entgegen, die nun sogar das Winterhalbjahr für sich entdecken könne. „Da gibt es schon einige Möglichkeiten“, sagt Münch. Advents-, Silvester- und Winterfahrten mit dem Ausflugsdampfer sind zum Beispiel denkbar. Gegen das Bootfahren im Winter spreche nichts, solange die Witterung es zulasse. Weil in der kalten Jahreszeit in der Regel aber auch die Bauwerksreparaturen und Instandhaltungsarbeiten ablaufen, sei eben die Anmeldung nötig, erklärt Münch.

Schleusen sollen weiter automatisiert werden

Ohnehin werde sich in Sachen Wassertourismuskonzept in den kommenden Jahren noch mehr tun, kündigt er an. Der Bund habe sich mit dem Konzept den besseren Erhalt der touristisch genutzten Wasserstraßen auf die Fahnen geschrieben. Noch, so Münch, fehle es aber an einer entsprechenden Untersetzung in den Ämtern. Mehr als 50 Gewerbebetriebe, die mit der Vermarktung und Vermietung von Booten ihr Geld verdienen, gibt es im Bereich des WSA. „Aufgabe für die Zukunft wird es sein, mit ihnen zusammenzuarbeiten, etwa, um den Verkehr besser zu steuern. Wir betreten da als Amt auch Neuland“, sagt Münch.

Eine noch größere Aufgabe werde die weitere Ertüchtigung der teils 100 Jahre alten Schleusen sein. Dabei sollen auch die wichtigen Schleusen in der Seenplatte automatisiert werden. Zum Teil ist das bereits passiert, etwa in Wolfsbruch und Voßwinkel. WSA-Chef Münch betont aber, dass an den stark genutzten Schleusen im Hochsommer trotz der Automatisierung auch weiterhin ein Schleusenwärter den Verkehr regeln werde – allein schon aus Sicherheitsgründen. „Ohne geht es nicht, sonst würde an den Schleusen das Chaos ausbrechen“, weiß Münch.

Amt verwaltet 600 Kilometer der Bundeswasserstraßen

Was die Pegelstände in der Seenplatte betrifft, so geht Münch nach der langen Trockenperiode des Sommers derzeit von einer Entspannung der Lage aus. Eine Situation wie 2018 am Rhein oder an der Oder haben Bootsfahrer in der Seenplatte ohnehin nicht zu befürchten. Weil die Mecklenburger Oberseen als natürlicher Wasserspeicher dienen, bleibe die Müritz-Havel-Wasserstraße so gut wie immer befahrbar. Einzig größere Boote mit mehr Tiefgang könnte in Ausnahmesituationen ein Fahrstopp drohen.

Das WSA Eberswalde verwaltet rund 600 Kilometer an Bundeswasserstraßen. Der Zuständigkeitsbereich reicht von der Müritz bis an den Havelkanal hinter Oranienburg und umfasst in Brandenburg zudem den Oder-Havel-Kanal sowie den Großteil der Oder.