Tanz

Eine gemeinsame Leidenschaft bringt Engländer und Spanier an der Seenplatte zusammen

Der eine hat sich von klein auf dem Tanz verschrieben, der andere fand mit 20 über den Tanzsport zur Bühne. Bei der Deutschen Tanzkompanie freuen sich zwei Künstler auf kontrastreiche Aufgaben.
Joseph Edy (links) und Marc Balló Cateura im Saal der Deutschen Tanzkompanie in Neustrelitz.
Joseph Edy (links) und Marc Balló Cateura im Saal der Deutschen Tanzkompanie in Neustrelitz. Susanne Schulz
Neustrelitz

Die wilden Locken und das freundliche Lächeln sind sein Markenzeichen. Und vor allem natürlich: das Tanzen! Das macht sein Leben aus, so lange er denken kann, erzählt Joseph Edy. „Alles ist Tanz“, sagt der junge Mann aus Südengland über seine Passion, die ihn bis nach Neustrelitz, ins Ensemble der Deutschen Tanzkompanie führte.

Und das auch noch gemeinsam mit seinem Partner Marc Balló Cateura: Mit ihrer Choreografie „Promised Blabla Land“ hatten sich die beiden Neuen im Ensemble in dem beeindruckenden Programm „Meine Sprache“ erstmals dem hiesigen Publikum vorgestellt; nun fiebern sie den – vorerst allerdings durch die Corona-Auflagen verschobenen – Aufführungen des Märchens „Der gestiefelte Kater“ und des programmatischen Abends „Phoenix“ entgegen.

Reiche Bühnenlandschaft als Plus für Deutschland

Neben den Eigenproduktionen der Tanzkompanie vom Kinderstück bis zu modernem Tanztheater verheißt die Zusammenarbeit mit dem Theater wie beim Musical „Blondinen bevorzugt“ oder im Schauspiel „Solaris“ interessante Begegnungen. Diese Mischung war es, die auch Marc Balló Cateura an dem Neustrelitzer Engagement reizte. Überhaupt ist Deutschland wegen seiner reichen Bühnenlandschaft attraktiv für Künstler aus anderen Ländern, weiß der gebürtige Spanier, dessen Laufbahn ursprünglich im Tanzsport begonnen hatte.

Erst mit 20 wandte er sich dem Ballett zu. „Das ist schwieriger für den Körper, aber mental einfacher“, sagt der 32-Jährige, der das Tanzen als „perfekte Kombination aus Disziplin und Freiheit“ empfindet. „Ich kann mich selbst besser kennenlernen, meine Grenzen, meine Fähigkeiten, Visionen, Ängste und Glücksmomente.“

Schon während der Ausbildung in Madrid hatte er diverse Preise gewonnen, tanzte dann in Spanien und Lettland, war in Deutschland bereits in Magdeburg und Detmold engagiert. Und zuletzt am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin – ebenso wie Joseph, dessen Tänzerleben wiederum sehr früh begann: Mit neun Jahren führte es ihn fort von seiner Familie, an die Tring Park School für Darstellende Künste; mit 16 ging er zum Tanz-Studium nach Glasgow, Stipendien und Auszeichnungen inklusive; seither tanzte er im tschechischen Liberec, dann in Krefeld, Mönchengladbach und schließlich Schwerin.

„Ich kenne nichts anderes als Tanzen”

„Ich kenne nichts anderes“, sagt er übers Tanzen. Und bekennt, dass ein solches Leben nicht immer nur glücksbeseelt ist, wenn er seine Familie vermisst, wenn er sich auch an manch besonders erschöpfendem Tag seiner Ausbildung fragte, ob er all das wirklich wolle – oder nicht doch lieber einen „ganz normalen“ Job? Letztlich aber kommt die Motivation, Körper und Geist anzutreiben, jeden Tag, „von beiden Seiten, von außen ebenso wie aus mir selbst“.

Am Profil der Tanzkompanie mag der 24-Jährige nicht allein die Unterschiedlichkeit der Aufgaben und Stile, sondern auch, dass es hier sehr um Persönlichkeit und tieferes Empfinden geht statt „nur“ um die richtigen Schritte. Ebenso wie es übrigens beim von Marc entwickelten „Promised Blabla Land“ war: „Das war nicht ,ich choreografiere, und du tanzt, was ich sage‘, sondern eine gemeinsame Annäherung“, beschreibt Joseph die Arbeit an der Szene um zwei in verschiedenen Welten heimische Protagonisten – frei und unbeschwert der eine, getrieben und suchend der andere –, die von Fremdheit und Abwehr zur Gemeinsamkeit finden.

„Es ist immer toll, neue Dinge zu machen“, sagt Marc Balló Cateura, der neben dem Alltag im Tanzsaal in den nächsten Monaten auch sein Online-Studium in Soziologie beenden will. Tänzerisch freuen sich beide in der aktuellen Saison noch besonders auf eine Neuinszenierung der „Carmina burana“. Vor Jahren schon ein Dauerbrenner im Repertoire der Tanzkompanie, soll es unter Leitung von Chefchoreograf Lars Scheibner noch einmal neu entwickelt werden.

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