RENATURIERUNG

Dieser Bach bekommt Kurven

Die Renaturierung des Golmer Mühlenbachs läuft seit Jahren auf Hochtouren. Bei Schönbeck sind noch die Bagger zugange.
Martina Schwenk Martina Schwenk
Bereits kleine Änderungen, wie dieser Knick, beeinflussen die Strömung des Bachs.
Bereits kleine Änderungen, wie dieser Knick, beeinflussen die Strömung des Bachs. Martina Schwenk
Einst floss der Bach, einem Kanal gleich, nur geradeaus. Seit Kurzem macht er stattdessen einen Schlenker zur Seite, das alte Bett wird zugeschüttet.
Einst floss der Bach, einem Kanal gleich, nur geradeaus. Seit Kurzem macht er stattdessen einen Schlenker zur Seite, das alte Bett wird zugeschüttet. Martina Schwenk
Schönbeck.

Ein langwieriges Projekt, nämlich die Renaturierung des Golmer Mühlenbaches, nähert sich seiner Fertigstellung. Zu DDR-Zeiten wurde er, wie viele andere Gewässer auch, begradigt oder durch Rohre unter die Erde verbannt, um landwirtschaftliche Fläche zu gewinnen. Seit dem Jahr 2007 betreut der Wasser- und Bodenverband Landgraben (WBV) die Renaturierung des Mühlenbachs. Bei Golm schlängelt er sich bereits wieder durch die Landschaft, der zur Gemeinde Schönbeck zugehörige Abschnitt soll bis Ende März fertiggestellt werden.

Im Dezember vergangenen Jahres zog die Wanderbaustelle in das Gebiet der Gemeinde Schönbeck. Dort bildet der Bach, der an der Stelle wie der Ort selbst Schönbeck heißt, einen geraden Kanal von 1389 Metern Länge, bis er nahe der Ortsgrenze in einem unterirdischen Rohr verschwindet. Zumindest noch stellenweise. Im ersten Bauabschnitt wurde das neue Bachbett bereits ausgehoben und geflutet, weiter bachabwärts sind die Bagger noch im Einsatz.

Bachlauf wird umgeleitet

Abschnitte des Baches erhalten lediglich kleine Schlenker, um den Lauf wieder naturnäher zu gestalten. An anderen Stellen wird eine Neutrassierung durchgeführt, sprich der Bachlauf wird ein Stück weit umgeleitet. Dadurch wird der Lauf deutlich verlängert, geschätzt um 377 Meter. Für die Planung des Bachbettes wurden alte Aufzeichnungen zurate gezogen, in denen der ursprüngliche Verlauf festgehalten wurde. Daran versuchen sich die Planungsbeauftragten ein Stück weit zu orientieren, teils mit sichtbarem Erfolg. Bei Grabungen stoßen die Arbeiter nämlich hin und wieder auf frühere Ufergehölze.

Die Planung des Bauausschusses ist darauf ausgelegt, die späteren Unterhaltungsmaßnahmen auf ein Minimum zu reduzieren. „Unser langfristiges Ziel ist es, den Bach sich selbst zu überlassen“, sagt Irene Kalinin, Geschäftsführerin des WBV. Nur im Notfall soll eingegriffen werden, etwa, wenn aufgrund von Verstopfung des Bachlaufs Hochwasser droht.

Steine als Strukturelemente

Bis es soweit ist, gibt es noch viel zu tun, etwa Strukturelemente einzusetzen. Im Falle Schönbecks haben sich die Verantwortlichen des Bauausschusses auf Steine geeinigt. „Totholz kommt am Ende von selbst“, sagt Irene Kalinin. Weiter werden Kiesbänke angelegt. Zu guter Letzt sind die Böschungen zu bepflanzen. Dies ist für den März angedacht. Allerdings bleibt die Frage, ob die Witterung mitspielen wird.

Auftraggeber der Maßnahme ist die Gemeinde, denn diese ist in der Ausbaupflicht. Bei den Gesamtkosten des Projekts von circa 710 000 Euro beläuft sich der Eigenanteil der Gemeinde allerdings nur auf zehn Prozent, dank Fördergeldern. Diese kommen aus dem EU-Fördertopf zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), weitere aus Landes und Bundesmitteln.

Bauern erhalten Entschädigung

Für die Bauern heißt das, dass auf ihren Ackerflächen Arbeiten vorgenommen werden, denn durch diese fließt der Bach. Zwar erhalten sie von der Gemeinde Ausgleichsflächen für das wegfallende Land. Aber: „Im ersten Jahr entstehen für die Bauern Ertragsausfälle“, sagt Irene Kalinin. Um diese auszugleichen, erhalten Landwirte finanzielle Entschädigung. Diese ist in den Gesamtkosten bereits eingerechnet.

Mit den ersten renaturierten Abschnitten des Golmer Mühlenbachs hatte der WBV bereits positive Erfahrungen. Bei starkem Regenfall blieb das Wasser im Bachbett, anstatt umliegende Felder zu überschwemmen. Das Projekt soll sich weiter bis nach Friedland ziehen. Mit dem nächsten Abschnitt hofft der WBV, Ende des Jahres beginnen zu können.

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