PREMIERE VON „DAS FEST” IN NEUSTRELITZ

Dieses Theaterstück bringt Schauspieler an ihre Grenzen

Ein Skandal überschattet ein Familientreffen in dem Theaterstück „Das Fest“. Es geht um ein heikles Thema und das auf die Bühne zu bringen, ist für die Schauspieler alles andere als leicht.
Das Ensemble probte in dieser Woche bereits einen ganzen Durchlauf: Auf dem Geburtstagsfest von Vater Helge (gespielt von Fran
Das Ensemble probte in dieser Woche bereits einen ganzen Durchlauf: Auf dem Geburtstagsfest von Vater Helge (gespielt von Frank Metzger, ganz rechts) kommt es zum Eklat. Robin Peters
Regisseur Andreas Nathusius (graues Hemd) feilt mit den Darstellern an Details.
Regisseur Andreas Nathusius (graues Hemd) feilt mit den Darstellern an Details. Robin Peters
Neustrelitz.

Schon die Proben für „Das Fest“ brachten nicht wenige Schauspieler des Ensembles im Landestheater Neustrelitz an ihre Grenzen. Viele Darsteller berichteten von schlaflosen Nächten. Hauptdarsteller Michael Goralczyk musste irgendwann aufhören, sich Videos zum Thema anzuschauen. „Das kann einen zumachen“, so der Schauspieler. Auch der Darsteller des Familienvaters, Frank Metzger, hatte zunächst Schwierigkeiten mit seiner Rolle: „Es war das erste Mal, dass ich mich mit ziemlich langem Vorlauf gefragt habe, wie das gehen soll.“

Denn im Stück überschattet ein bitterer Familienskandal die Geburtstagsfeier des Familienoberhauptes. Die mittlerweile erwachsenen Kinder von Helge wurden jahrelang missbraucht. Seine Tochter hat sich sogar umgebracht. Von der Familie wird aber seit jeher alles totgeschwiegen. Erst auf der Feier kommt es zum Eklat. So baut der Regisseur Andreas Nathusius bis zum Ende eine hochkochende Spannung auf. Dem Zuschauer werden erst am Ende alle Zusammenhänge deutlich.

Wie Gruppen mit Tabus umgehen

Die erste Durchlaufprobe des Schauspiel-Ensembles der Theater und Orchester GmbH (TOG) verspricht jedoch, dass das Stück das Publikum keinesfalls nur niederschmettert. Lebensnahe Figuren und heitere Momente lockern die Stimmung stellenweise auf. Streitigkeiten und Affären zeichnen fein die Charaktere der verschiedenen Rollen. Der Skandal wird lange nur angedeutet. Im Vordergrund steht eine lang ersehnte Zusammenkunft beim Geburtstagsfest, auf dem sich so manche Spannung entlädt. „Das Thema Kindesmissbrauch ist nur die Bombe, die platzt“, so Frank Metzger. Viel interessanter sei das Familiengeflecht.

Dem schließt sich Regisseur Andreas Nathusius an: „Es wäre fahrlässig, von einem reinen Stück über Missbrauch zu sprechen – dafür wird auch zu wenig über die Hintergründe erzählt.“ Vielmehr handele es sich um eine Parabel darüber, wie Gruppen mit Tabus umgehen. „Die Familie ist nur ein Modell – für mich ist sie ein Platzhalter.“ Letztlich hätte sich das Szenario auch unter Fremden in der U-Bahn abspielen können. Die Handlung orientiert sich dabei weitgehend an dem dänischen Spielfilm von Thomas Vinterberg aus den 1990er Jahren. Lediglich einige Nebenfiguren hat Nathusius für die Inszenierung gestrichen. Trotzdem steht fast das ganze Schauspiel-Ensemble der TOG auf der Bühne. Die umfassende Besetzung war der Theaterleitung besonders wichtig, unter anderem ausschlaggebend für die Stückwahl. Für den Regisseur eine Herausforderung: „Ich muss mich auf mehr Menschen einlassen“, so Andreas Nathusius.

[Video]

Ausgleich durch das Spielen anderer Stücke

Sich in ihre Rollen einzufinden, fiel einigen Schauspielern derweil alles andere als leicht: Hauptdarsteller Frank Metzger vertritt zum Beispiel selbst eine Null-Toleranz-Einstellung beim Thema Missbrauch: „Mich interessieren nicht die Täter oder Motive“, so der Schauspieler. Daher setzte er sich intensiv mit dem Akt des Verleugnens auseinander. „Eine Lüge, die man sich selbst aufbaut, wird irgendwann die eigene Wahrheit.“ Motiviert hat ihn ebenso, dass die Arbeit mit den Kollegen in den vergangenen Probe-Wochen auf Anhieb gut funktionierte. „Wir hatten von Beginn an eine gemeinsame Zielsetzung.“

Einen Ausgleich nach der Beschäftigung mit dem brisanten Stoff findet Metzger ausgerechnet im Theater-Betrieb in Neustrelitz. Denn in dem vergleichsweise kleinen Landestheater müssten die Schauspieler mitunter verschiedene Stücke abwechselnd spielen. „Wir sind gezwungen, uns auf etwas anderes zu fokussieren – das finde ich gesund“, so Metzger.

„Das Fest“ von Thomas Vinterberg feiert am Samstag, 15. Februar, um 19.30 Uhr im Landestheater in Neustrelitz Premiere. Weitere Aufführungen am 22. Februar sowie am 6. und 28. März. Karten auf www.theater-und-orchester.de.

 

 

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