Tourismus
Dörfer im Nationalpark legen neuen Gang ein

Die Eingänge zum Nationalpark sind in die Jahre gekommen, über eine Neugestaltung sollte nachgedacht werden.  
Die Eingänge zum Nationalpark sind in die Jahre gekommen, über eine Neugestaltung sollte nachgedacht werden.
Heike Sommer

Die Eingangstore zum Müritz-Nationalpark sind in die Jahre gekommen. Auch zu den Radwegen gibt mehr als Redebedarf – finden jedenfalls die Anliegergemeinden.

Es ist an der Zeit, die Zusammenarbeit mit dem Nationalparkamt wieder anzukurbeln. So jedenfalls sehen es die Anliegergemeinden im Amt Neustrelitz Land. Seit zehn Jahren gibt es zwar eine Arbeitsgemeinschaft – als Nachfolgerin des einstigen Zweckverbandes, die den Interessen der Gemeinden im und am Nationalpark eine Stimme gibt. „Aber da ist die Luft etwas raus“, sagt Guntram Wagner, Bürgermeister von Kratzeburg und amtierender Sprecher der Arbeitsgruppe.

Sicher gebe es nicht mehr die Konflikte wie in den Anfangsjahren, als der hohe Schutzstatus beispielsweise langjährig Wege- und Nutzungsrechte für die Anwohner einschränkte. Inzwischen sind die Wogen lange geglättet. „Was nicht heißt, dass es keinen Rede- oder Handlungsbedarf gibt“, sagt Wagner. Im Gespräch sei eine gemeinsame Koordinierungsstelle der Anliegergemeinden, um anstehende Aufgaben zu bündeln und entsprechende Projekte anzuschieben.

Beispiel Brandenburg

Im Amtsausschuss wurde das Thema erörtert – mit dem Ergebnis, dass alle ehemaligen Mitglieder des Zweckverbandes (dazu gehören neben denen aus dem Amt Neustrelitz Land Rechlin, Waren, Wesenberg, Mirow/Roggentin, Ankershagen, Neustrelitz, Kargow und Groß Dratow) ein entsprechendes Informationsschreiben erhalten. „Die Anlaufstelle muss ja auch personell besetzt und finanziert werden“, sagt Guntram Wagner.

Die dringlichsten Aufgaben seien die Eingangsbereiche zum Nationalpark. „Es ist ja nun auch schon gut 15 Jahre her, dass die gestaltet wurden. Abgesehen davon, dass sie verwittert sind, kommen sie auch nicht mehr zeitgemäß daher“, sagt Guntram Wagner.

Auch das Radwegenetz muss dringend ausgestaltet werden. „Der Nationalpark hat sich zu einem wichtigen touristischen und damit auch wirtschaftlichen Faktor entwickelt. Aber wir dürfen die Zukunft nicht verschlafen“, sagt Wagner. Während beispielsweise das benachbarte Brandenburg seine Radwege vorbildlich ausgebaut und koordiniert hat, hinkt Mecklenburg hinterher. „Wir geben uns mit Platten- und Sandwegen zufrieden, der Urlauber aber nicht“, sagt Kratzeburgs Bürgermeister.

Am Pagelsee bahnt sich ein neuer Konflikt an

Wie wichtig eine Interessenvertretung ist, habe jüngst der Streit um Erhalt oder Abriss des Aussichts- und Badestegs im Useriner See gezeigt. Hier gab es nach langem Hin und Her eine Einigung zwischen Gemeinde und Nationalparkamt. Ein ähnlicher Konflikt bahnt sich am Pagelsee an. Das Nationalparkamt ließ Anfang November die Brücke über den Pagelsee bei Krienke sperren. Damit nun kann der Wanderweg zwischen Zartwitzer Hütte und Granzin, der bisher über die Brücke führt, nicht mehr genutzt werden.

Bereits im Juni hatte die Gemeinde Kratzeburg darauf hingewiesen, dass an der Brücke Sanierungsarbeiten nötig sind. Damals hatte das Nationalparkamt die Sanierung für Mai 2019 zugesagt. Nun jedoch heißt es, dass man die Möglichkeit einer Sanierung prüfen werde. „Eine Schließung oder gar einen Abriss werden die Anwohner nicht hinnehmen“, macht Guntram Wagner deutlich. Das habe man vor zehn Jahren schon einmal verhindert, damals haben Einwohner der Gemeinde Kratzeburg aus eigener Kraft die Brücke neu aufgebaut.

„Hier ist das Nationalparkamt in der Pflicht“, sagt Wagner. 2019 wird es mit Sicherheit viel zu tun geben für die Arbeitsgemeinschaft der Nationalparkanlieger. „Wir müssen wieder mehr Dampf machen“, sagt ihr amtierender Sprecher.