Nachruf

Ein Dorf trauert um seine Fußball-Legende

In seinem Dorf hat Fred Schoor Großes geleistet und riesige Fußstapfen hinterlassen. Im August ist er plötzlich verstorben – mit 70 Jahren. Das hat viele sprachlos gemacht.
Fred Schoor hat viele Jahrzehnte in Triepkendorf Maßstäbe gesetzt. Der 70-Jährige ist im August plötzlich
Fred Schoor hat viele Jahrzehnte in Triepkendorf Maßstäbe gesetzt. Der 70-Jährige ist im August plötzlich verstorben. NK-Archiv
Triepkendorf

Der Schmerz hat sich eingebohrt – wie eine dicke Nadel. Er sitzt auch acht Wochen später immer noch sehr tief. Mitte August ist Fred Schoor im Alter von 70 Jahren gestorben. Der Triepkendorfer war eine Instanz, weit über seine Heimat hinaus. Der Tod hat ihn unerwartet aus dem Leben gerissen. „Noch einen Abend zuvor haben wir im Dorfclub zusammengesessen, gelacht und geredet. Es war alles so normal“, erinnert sich die Ortsratsvorsitzende Kornelia Kiesow. Die Nachricht vom plötzlichen Tod des Mannes, dem Triepkendorf so viel zu verdanken hat, machte die Menschen in ihrer Trauer auch sprachlos. Nur einen Tag nach dem schönen Abend im Dorfklub hat das Herz von Fred Schoor aufgehört zu schlagen. Es wird Zeit brauchen, das für viele noch immer Unfassbare zu verarbeiten.

Jetzt, im Oktober, stellen sich langsam die Worte wieder ein, auch wenn es manchmal noch schwerfällt zu reden. Kornelia Kiesow, Renate Tonne und Kati Lemke stehen im Nordkurier-Gespräch stellvertretend für viele Menschen, die Fred Schoor kannten, die wissen, was er für die Gemeinschaft bedeutete und was für eine Lücke sein Tod reißt.

Durch ihn wurde der LSV zum Markenzeichen

Es ist fast 50 Jahre her, dass Fred Schoor als Lehrer an die Triepkendorfer Schule kam. 1972 war das. Noch im selben Jahr begründete er den LSV Triepkendorf, dessen Vorsitzender er auch 47 Jahre war. Und er war DER Trainer des Vereins. Fred Schoor hat den LSV zu einem Markenzeichen in der Fußballlandschaft gemacht. „Uns kennt man. Eine Männermannschaft, mehrere Jugendmannschaften – wir wurden Kreismeister, haben Pokale geholt. Und Fred war immer da“, sagt Kati Lemke, die dem Verein seit 2019 vorsteht.

Sie kennt ihren sportlichen Mentor seit 20 Jahren. Fußball, das war die große Leidenschaft von Fred Schoor, das war sein Leben. Er stand jahrzehntelang jeden Sonnabend auf dem Platz, ein Ruhepol am Spielfeldrand. Meistens hat er auch den Platz vor dem Spielbeginn abgekreidet. „Diesen ruhigen Moment brauchte er“, sagt Kati Lemke. Für sie besaß Fred Schoor eine wunderbare Art, die Menschen zu motivieren. Er hatte das richtige Gespür für das Maß zwischen einem lockeren Umgang und der Forderung nach Leistung. „Er konnte das, Grenzen zu setzen“, bescheinigt auch Renate Tonne.

Wer mit ihm auf dem Platz war, hatte das Gefühl, respektiert zu werden. Und respektierte auch den Trainer. „Dabei war er kein Getriebener. Ihm ging es auch nicht vordergründig um permanente Erfolge. Sein Erfolgsrezept war die Ruhe, die er ausstrahlte, seine Art, überlegt zu handeln, etwas gemeinsam erreichen zu wollen. Er hat Menschen zusammengebracht und mehr als 100 Jugendliche das Fußballspielen gelehrt“, verdeutlicht Kati Lemke.

„Wir haben einander vertraut“

Und er war kein Platzhirsch, der niemanden neben sich dulden konnte. Als langjährige stellvertretende Vereinsvorsitzende habe sie sich an seiner Seite immer mitgenommen und verstanden gefühlt. „Hatten wir mal gegenteilige Auffassungen, wurden sie ausdiskutiert. Er hat mir was zugetraut, wir haben einander vertraut“, beschreibt Kati Lemke eine wichtige Grundlage für die Arbeit im Verein. Und Fred Schoor hatte immer einen Plan. Das sei auch ein Erfolgsgarant für die Arbeit gewesen. Und er konnte loslassen und damit anderen eine Chance geben. 2015 zog er sich als Trainer zurück, 2019 als Vereinsvorsitzender. Er hat damals einen klaren Schnitt gemacht, kam auch nicht mehr auf dem Platz. „Aber dabei war er immer noch“, erinnert Kati Lemke.

Dem stimmt auch Renate Tonne zu. Die langjährige Gemeindevertreterin und ehemalige Dolgener Bürgermeisterin – Triepkendorf als früherer Ortsteil von Dolgen – gehört wie Dolgen seit 1999 zur Gemeinde Feldberger Seenlandschaft – kennt Schoor seit 1972. Auch sie schätzt seine bedachte Art, mit der er Lösungen anstrebte, als eine hilfreiche, sehr menschliche Eigenschaft im Miteinander.

Viele Jahre in der Gemeindevertretung tätig

Fred Schoor saß viele Jahre mit im Gemeinderat in Dolgen, war bis 2019 als Mitglied der Wählergemeinschaft Dolgen in der Gemeindevertretung der Feldberger Seenlandschaft. „Ihn konnte man immer um Rat fragen, auch nach seinem Rückzug aus der Gemeindepolitik“, sagt Renate Tonne. Unvergessen sein Einsatz für die Modernisierung des Vereinsgeländes mit mehreren Plätzen und der Flutlichtanlage, die ein Training auch in der dunklen Jahreszeit ermöglicht. Auch, dass er sich energisch für den Bau eines Badestegs in Mechow einsetzte, hat sie nicht vergessen.

Kornelia Kiesow hat Fred Schoor in vielen Einsätzen für den Dorfklub schätzen gelernt. Er hat beim Ausbau des Klubraums mitgeholfen und auch später immer wieder ganz selbstverständlich mit angefasst“, beschreibt die Triepkendorferin.

Fred Schoor hat im Ruheforst bei Lychen seine letzte Ruhe gefunden. Auf seiner letzten Reise haben ihn mehr als 200 Menschen begleitet. Nicht nur aktive und ehemalige Fußballer kamen, um sich von einem Menschen zu verabschieden, der ihnen auch noch Jahre später viel bedeutete. Es waren auch viele ehemalige Schüler da, um einem Lehrer, einem Menschen, der ihnen bis heute wichtig ist, die letzte Ehre zu erweisen, beschreibt Renate Tonne.

Für Kati Lemke steht fest. Auch ohne Fred Schoor wird der LSV Triepkendorf künftig Fred Schoor sein. „Das ist sein Lebenswerk und das führen wir weiter“.

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