POLITIK

▶ Ein Neustrelitzer will in den Bundestag

Johannes Arlt möchte in den nächsten Wochen möglichst viele Sozialdemokraten im großen Wahlkreis 17 davon überzeugen, dass er der richtige Mann für ein Mandat im Deutschen Bundestag ist.
Johannes Arlt (links) im Gespräch mit SPD-Mitgliedern aus Neustrelitz.
Johannes Arlt (links) im Gespräch mit SPD-Mitgliedern aus Neustrelitz. Marlies Steffen
Neustrelitz ·

Eigentlich war alles ganz einfach: Johannes Arlt hat vor ein paar Monaten Post von der SPD bekommen. Die Genossen waren auf der Suche nach einem Kandidaten für die Wahlen zum Deutschen Bundestag im kommenden Jahr. Arlt beschloss, seinen Hut in den Ring zu werfen. Seine Argumente müssen in der Region Mecklenburg-Strelitz überzeugt haben. Am Donnerstagabend warb der 36-Jährige in Neustrelitz parteiintern zum ersten Mal offiziell um die Gunst der Wähler. Noch aber ist die Sache nicht entschieden. Denn der Wahlkreis 17 ist zweimal so groß wie das Saarland. Im nördlichen Zipfel wohnt Arlts Gegenkandidat Thomas Salzmann aus Laage bei Rostock. Beide Männer werden sich im November in Malchow ihren Parteikollegen stellen. 50 Prozent der Chancen hat der Neustarter aus Neustrelitz also schon einmal.

Johannes Arlt ist zwar erst 36 Jahre alt, fast die Hälfte seines Lebens aber ist er schon Mitglied der SPD. „Ich bin mit 16 Jahren Sozialdemokrat geworden“, erzählt er. Gegen den Willen seines Vaters übrigens. Das sei zu früh, befand der Vater damals.

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Schon als Fünfjähriger bei einer Demo dabei

Hein-Fridtjow Arlt, den der Tod im November 2007 mit 51 Jahren viel zu früh aus dem Leben riss, hat damals selbst schon lange Politik gemacht. Er gehörte im Januar 1990 zu den Gründungsmitgliedern der SPD in Neustrelitz. Ein Datum, von dem die älter gewordenen Genossen heute noch mit besonderer Anteilnahme sprechen. Und Politik hat in gewisser Weise auch immer die gute Kinderstube bei Arlts geprägt. „Bei uns zu Hause wurde immer politisch diskutiert, auch als wir noch Kinder waren“.

Der lütte Johannes saß als Fünfjähriger auf den Papas Schultern, als dieser zu den Montagsdemonstrationen in Neustrelitz ging, als die Stadtkirche überfloss vor Menschen, die sich eine andere Gesellschaft wünschten. Das hat geprägt.

Jetzt also der Schritt, der auch sicher seinem Vater gefallen hätte. Johannes Arlt traut sich das Amt des Bundestagsabgeordneten zu. Auch, wenn er bisher nicht in anderen Ligen der Politik verortet war. Arlt, gebürtiger Neustrelitzer, ist Major im Generalstabsdienst der Bundeswehr im Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam. In seinem Leben ist der junge Mann, der entschlossen, geradlinig und geerdet herüberkommt, schon viel herumgekommen. Mehrere Auslandseinsätze führten in nach Mali und Afghanistan. Er war jeweils für zwei Jahre in verschiedenen deutschen Städten stationiert, so in Köln und München. „Da bleibt kaum Zeit, sich lokal auf ein Amt einzunorden“, sagt Arlt.

Gerade ist er gar nicht in Deutschland, sondern absolviert ein Studium an der Defense University in Stockholm. Verheiratet ist Arlt auch – mit einem Dänen.

Residenzstadt soll sein erster Wohnsitz werden

Der Mann von der Bundeswehr ist vielleicht auch das Gesicht einer neuen Politik-Generation. Europäisch aufgestellt und doch lokal geprägt – der Region verbunden. Fragt man ihn nach der Entfernung von Stockholm in die Heimat – Neustrelitz soll sein erster Wohnsitz werden, wenn er in die Politik geht – sagt er, dass er von der schwedischen Metropole unter Umständen schneller in die Heimat gelange, als wenn er hier in der Seenplatte von Dorf A nach Dorf B müsste. Den ländlichen Raum von seiner Infrastruktur besser aufzustellen, hält er denn auch für besonders wichtig. Andere Politik-Bereiche, für die er sich einsetzen möchte, sind Gerechtigkeit, was Krankenversicherung und Rente angeht, Heimat, in der das Leben, solche Bedingungen bieten muss, dass die Menschen auch hier bleiben. Es geht ihm um eine Entbürokratisierung des Lebens, um Digitalisierung. Es sind keine neuen Themen, aber Johannes Arlt spricht von ihnen mit einer Vehemenz, dass man ihm zutraut, dass er nicht klein beigibt, wenn andere meinen, es besser zu wissen.

Der Ortsvorstand der SPD Neustrelitz unterstützt den Politik-Newcomer, wie am Donnerstag bei der Vorstellung des Bewerbers deutlich wurde. Angereist waren auch Vertreter der Neubrandenburger SPD und beispielsweise die Bürgermeisterin der Feldberger Seenlandschaft, Constance von Buchwaldt. Sie wünschte sich, dass die hiesigen Genossen uneingeschränkt hinter Johannes Arlt stehen. Nur so gäbe es eine Chance, dass er tatsächlich im Herbst ins Rennen um einen Platz im Deutschen Bundestag geschickt werden kann.

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Kommentare (3)

... für den Zustand der Sozialdemokratie, wenn man krampfhaft nach Kandidaten für hoch dotierte Posten suchen muss und freiwillig so richtig keiner möchte.

das Goldkehlchen Amthor, der die Hände aufhält oder die Blaufaschisten von der AfD!

... ist insgesamt leider ein ziemlich verlogene Geschäft.