EXTREMES SOMMERWETTER

Eklat bei den Neustrelitzer Schlossgarten-Festspielen

Dass das Festspiel-Ensemble auch strömendem Regen trotzt, hat es in diesen Tagen bewiesen. Dennoch musste kürzlich eine Vorstellung abgesagt werden.
Robin Peters Robin Peters
Am Wochenende sind die Darsteller trotz starken Regens doch noch auf die Bühne getreten. Doch an einem anderem Tag blieb sie leer.
Am Wochenende sind die Darsteller trotz starken Regens doch noch auf die Bühne getreten. Doch an einem anderem Tag blieb sie leer. Robin Peters
Neustrelitz.

Selbst bei strömendem Regen hat das Ensemble der Theater und Orchester GmbH zuletzt eine beeindruckende Vorstellung abgeliefert. Doch auch hartgesottene Künstler stoßen irgendwann an ihre Grenzen: Wie nun bekannt wurde, fiel die erste Sonntags-Aufführung von „Die Bajadere“ in Neustrelitz wegen der Rekord-Hitze überraschend aus. Denn der Betriebsrat war angesichts der sengenden Sonne eingeschritten. „Es war zu gefährlich – zwei Zuschauer waren von den Rettungskräften zu diesem Zeitpunkt bereits rausgetragen worden“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Ramin Varzandeh.

Besonders heikel: Die Zuschauer saßen laut Intendant Joachim Kümmritz bereits auf der Tribüne. Erst zwei Minuten vor Beginn der Vorstellung hätten die Organisatoren die Vorführung auf Drängen des Betriebsrates abgesagt.

Seine Warnung sprach der Betriebsrat nach eigenen Angaben schon am Freitag davor aus. Zu einer Einigung kam es aber bis zuletzt nicht: „Ich habe einige Angebote gemacht“, sagt Intendant Joachim Kümmritz. So seien gekühlte Getränke sowohl für die Sänger, Tänzer und Musiker als auch für die Zuschauer bereitgestellt worden. Vor dem Orchester habe das Team Ventilatoren aufgestellt. In Absprache mit dem Deutschen Roten Kreuz standen den Ausführungen zufolge drei statt zwei Rettungswagen bereit. Darüber hinaus hat der Intendant dem Ensemble nach eigener Aussage eine zusätzliche Pause angeboten. „Das hat der Betriebsrat nicht akzeptiert“, so Kümmritz.

Temperaturen um die 38,5 Grad im Schatten

Doch diese Vorschläge reichten laut Varzandeh nicht aus: „Ich bin verpflichtet, auf die Gesundheit meiner Kollegen zu achten“, sagt Varzandeh. Alle Künstler standen dem Betriebsratsvorsitzenden zufolge schon geschminkt auf ihrer Position. „Keiner wollte eine Arbeitsverweigerung begehen.“ Doch hinter der Bühne wurden laut Varzandeh Temperaturen von 38,5 Grad im Schatten gemessen. „Die Instrumente des Orchesters waren so heiß, dass man sie nicht anfassen konnte“, so der Betriebsratsvorsitzende. Letztlich habe sich der Betriebsrat nur auf eine Empfehlung des Deutschen Orchesterverbandes gestützt.

Für den Intendanten des Landestheaters bleibt das beharrliche Drängen dennoch eine schwer nachvollziehbare Entscheidung: „Das kann keine Einbahnstraße sein“, so Kümmritz. Schließlich sei er erst zwei Tage zuvor über das Vorhaben des Betriebsrates informiert worden. In diesem kurzen Zeitraum könne nicht alles umgeworfen werden. Auch Joachim Kümmritz kennt nach eigener Aussage die Empfehlungen, bei extremen Wetterbedingungen möglichst auf Vorstellungen zu verzichten. Dem Intendanten zufolge müssten aber auch mildernde Einflüsse wie zum Beispiel luftige Windböen berücksichtigt werden.

Der Betriebsrat arbeitet laut Ramin Varzandeh bereits an einer Betriebsvereinbarung für kommende Freiluft-Aufführungen. Der Vorschlag: Vorstellungen an besonders heißen Tagen sollen drei Stunden nach hinten verschoben werden können. Darüber werde das Publikum im Vorfeld informiert.

Kosten trägt das Theater

Die Kosten der – zumindest nicht ausverkauften – abgesagten Sonntags-Veranstaltung trägt zunächst das Landestheater: „Natürlich werden die Zuschauer entschädigt“, sagt Theater-Leiter Joachim Kümmritz. Inwieweit auch für die mitunter weite An- und Abreise der Gäste aufgekommen wird – immerhin waren fünf Busse an diesem Tag vor Ort, wurde dem Intendanten zufolge noch nicht entschieden. „Das ist noch in Planung“, so Kümmritz.

Bis jetzt ist es laut dem Theater-Leiter beim Ausfall einer Festspiel-Aufführung geblieben. Nach aktuellem Stand können die Festspiele im Schlossgarten laut Kümmritz zwar nicht ganz an vergangene Erfolge anknüpfen. Allerdings sei das Stück auch nicht so bekannt wie beispielsweise der „Zigeunerbaron“. „Mit der ,Bajadere‘ bin ich sehr zufrieden.“

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