Roman Kubetschek (links) und Torsten Zarnikow vom Kreiselternrat  der Seenplatte durften im vergangenen vor dem Kreistag auftr
Roman Kubetschek (links) und Torsten Zarnikow vom Kreiselternrat der Seenplatte durften im vergangenen Jahr vor dem Kreistag auftreten, aber wurden nun zweimal blockiert.
Bildungsausschuss

Elternrat will Corona-Regeln für Schüler kritisieren und darf nicht reden

Experten des Elternrates in der Seenplatte wollten gegenüber der Politik endlich die Probleme für Schüler durch die Maskenpflicht ansprechen. Doch die wichtigsten Redner wurden gar nicht angehört.
Neustrelitz

Das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen dem Elternrat und Kreistagsmitgliedern der Mecklenburgischen Seenplatte hat am Montagabend einen weiteren tiefen Riss erhalten. Nachdem bereits vor einer Woche Vertreter des Kreiselternrates auf dem Sonderkreistag zur Corona-Lage nicht angehört worden waren, verärgerte sie eine erneute Beschneidung ihrer Redebeiträge auf dem Bildungsausschuss nun vollends, sodass ihre Vertreter schnurstracks den Raum verließen. „Wir konnten nicht das vortragen, was wir wollten”, erklärte Torsten Zarnikow, Sprecher des Kreiselternrates, im Gespräch mit dem Nordkurier.

Andere Lösungen statt Maskenpflicht

Eigentlich wollten die Elternvertreter darauf hinweisen, dass das ständige Tragen von Masken in der Schule zu gesundheitlichen Schäden bei Kindern führt. Es müssten daher dringend andere Lösungen gefunden werden. Vortragen sollte unter anderem der Chefarzt der Kinderklinik des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums, Dr. Sven Armbrust. Auch auf Landesebene wurde der Vorfall kritisch beobachtet. „Wir finden das bedenklich”, so Kay Czerwinski vom Landeselternrat. In einem demokratischen Gremium müssten solche Äußerungen unbedingt angehört werden.

Der Hintergrund des verweigerten Rederechts: Die Mitglieder des Bildungsausschusses hatten sich zu Beginn der Veranstaltung am Montagabend dafür ausgesprochen, aufgrund der langen Tagesordnung nur zwei Vertreter des Kreiselternrates anhören zu wollen. Vier Sprecher hatten sich angemeldet. Die abgelehnten Redner waren aber ausgerechnet die Experten für das Thema und extra in den Besprechungsraum in der Außenstelle des Landkreises in Neustrelitz gekommen. Sie packten nach der Entscheidung über ihr Redeverbot kurzerhand ihre Sachen und verließen den Raum.

AfD vollzieht "Kehrtwende"

Die per Videoübertragung zugeschalteten übrigen Sprecher des Kreiselternrates verließen daraufhin mit einiger Verzögerung ebenso die Sitzung. Noch während der Besprechung des Bildungsausschusses schrieben die Vertreter des Kreiselternrates in den sozialen Medien von einer „Unglaublichkeit”.

Nachdem auch die Mitglieder der AfD-Fraktion zunächst der Reduzierung der Redner zugestimmt hatten, erklärten sie bei drohendem Aufbruch des Kreiselternrates, den Abstimmungsvorschlag des Vorsitzenden Rüdiger Bretschneider (SPD) akustisch gar nicht richtig verstanden zu haben und wollten die Vertreter noch zurückholen. Die Mehrheit der Ausschussmitglieder entschied sich jedoch dagegen. „Das ist unglücklich gelaufen”, sagte Horst Förster von der AfD.

Kreispolitiker kritisieren Elternrat

Andere Kreispolitiker kritisierten hingegen das Verhalten des Elternrates: „Das ist kein Umgang miteinander”, ärgerte sich Frank Nieswand (Die Linke) über die Reaktion. Dem schloss sich auch Christoph Poland von der CDU-Fraktion an. Der Kreiselternrat könne nicht beliebig viele Mitglieder nach vorne schicken und müsste schon bestimmte Sprecher auswählen. Allerdings versicherte der Sprecher des Kreiselternrates dem Nordkurier, die wichtigsten Redner zuvor benannt zu haben. Thomas Pfitzner (Die Freien), Kreistagsmitglied und Mitglied im Kreiselternrat, bezeichnete es im Nachhinein als „Farce”. „Das ist mit Absicht so gemacht worden”, zeigte er sich überzeugt.

Letztlich verabredete Ausschuss-Chef Rüdiger Bretschneider (SPD) mit den weiteren Mitgliedern des Gremiums, so schnell wie möglich Kontakt mit dem Kreiselternrat aufzunehmen und wenn nötig eine zusätzliche Ausschusssitzung anzusetzen. In der Kreisverwaltung will ebenso niemand auf die enge Zusammenarbeit mit dem Kreiselternrat verzichten. „Wir werden den Gesprächsfaden nicht abbrechen lassen”, sagte Amtsleiter Dirk Rautmann. Auch die Mitglieder des Kreiselternrates wollen weiter mit den Fraktionen und Verwaltung in Kontakt bleiben. „Wir müssen jetzt gegensteuern”, so Zarnikow. Es dürfe im Sinne der Kinder keine Zeit mehr verschwendet werden.

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