In einer Pappkiste fand der Baumfalke zunächst bei Hans-Joachim Schwarz Unterschlupf.
In einer Pappkiste fand der Baumfalke zunächst bei Hans-Joachim Schwarz Unterschlupf. privat
Kuriose Tierwelt

Erschöpfter Baumfalke wird von einer Ente beschützt

Dieser seltene Baumfalke hatte wohl einen Schutzengel, der dafür sorgte, dass der Vogel nach seiner langen Reise schnelle Hilfe und schließlich ein Obdach fand.
Neustrelitz

Ein merkwürdiger Anblick bot sich jüngst vor einem Plattenbau in der Rudower Straße in Neustrelitz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). Dort saß eine Ente und beäugte einen Greifvogel, der offenbar aus eigener Kraft nicht mehr hochkam. „Unsere Tochter war auf dem Weg zu uns und entdeckte das seltsame Paar“, berichtet Hans-Joachim Schwarz. Statt zum Mittagessen bei den Eltern Platz zu nehmen, rief sie ihren Vater um Hilfe. Beide rannten zum Ort des seltsamen Geschehens. „Es handelte sich um einen Falken. Beim ersten Anblick dachten wir, er sei verletzt“, schildert Hans-Joachim Schwarz. Der Vogel ließ sich mühelos einfangen. „Wir setzten ihn in einen Karton. Er wehrte sich nicht, weil er sehr geschwächt war“, berichtet Schwarz.

Doch wie sollte es weiter gehen? Wohin mit dem Tier? Als Erstes rief Hans-Joachim Schwarz einen Tierarzt an. Dieser erklärte sich gerne bereit, den Falken zu untersuchen und, wenn nötig, weiter zu behandeln. „Ohne Volliere würde das aber schwierig werden. Ich habe in der ganzen Stadt bei Bekannten und Nachbarn nachgefragt, die Ziervögel halten. Aber niemand hatte eine freie Volliere. Auch im Neustrelitzer Tiergarten und im Vogelpark Marlow konnte mir niemand helfen“, berichtet er.

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NABU half bei der Suche nach einer Voliere

Schließlich gab ihm jemand den Tipp, sich an den Naturschutzbund (NABU) in Neustrelitz zu wenden. Reinhard Simon erklärte sich sofort bereit, sich um den Vogel zu kümmern. Der NABU-Mann traute seinen Augen nicht, als er in die Vogelkiste blickte. Da guckten ihn zwei riesigen Kulleraugen an. „Das ist ja ein Baumfalke“, rief Reinhard Simon erstaunt aus. Die Vogelart komme immer seltener vor, erklärte der Umweltschützer. Vermutlich habe sich das Tier auf dem weiten Weg aus dem Winterquartier in Südafrika total verausgabt. Der Baumfalke fällt durch seine rostroten „Hosen“ auf. Er ernährt sich von Singvögeln und Insekten.

Nun wird der Vogel aufgepäppelt

Der Falke aus der Rudower Straße fand schließlich auf dem Landschaftspflegehof Müritzhof Unterschlupf. Dort wurde er aufgepäppelt. „Der Tierarzt hat keine Verletzungen bei ihm festgestellt“, sagt Hans-Joachim Schwarz. Dass der Falke überlebte, habe er aber vor allem der Ente zu verdanken. „Sie habe ihn beschützt, so die Auskunft der Vogelkundler. Ansonsten wäre der Falke wohl eine leichte Beute für die Kolkraben geworden“, sagt Hans-Joachim Schwarz. Inzwischen bekam Hans-Joachim Schwarz die Nachricht, dass sein Falke genesen ist und demnächst ausgewildert wird. Er und seine Tochter haben ihren Fundvogel Odysseus genannte – nach dem berühmten Abenteurer aus der griechischen Mythologie. Auch für diesen endete die lange, aufregende Heimreise glücklich.

 

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