Nach 25 Jahren schließt das chinesische Restaurant am Markt in Neustrelitz. Die Inflation lässt den Betreibern kein
Nach 25 Jahren schließt das chinesische Restaurant am Markt in Neustrelitz. Die Inflation lässt den Betreibern keine Wahl mehr. Foto: Jana Schrödter Jana Schrödter
Inflation

„Es lohnt sich nicht mehr” – Chinese muss nach 25 Jahren schließen

Erst die Pandemie, jetzt die Inflation. Ein Unternehmer nach dem anderen muss sein Restaurant schließen. Jetzt gibt auch ein beliebter Chinese in Neustrelitz auf.
Neustrelitz

Das chinesische Restaurant „Essen bei Li“ ist seit 25 Jahren eine feste Konstante in Neustrelitz. Doch die Inflation geht auch an dieser gastronomischen Einrichtung nicht vorüber. Das Restaurant wurde an einen Vietnamesen verkauft, der 2023 nach einigen Umbaumaßnahmen hier öffnen möchte.

Der Fußboden soll unter anderem erneuert werden. Die zentrale Lage am Markt lockte jahrelang viele Gäste ins Restaurant, die chinesisches Essen zu schätzen wissen, dennoch gibt Familie Li jetzt auf.

Warenkosten verdoppelt – „Es lohnt sich nicht mehr”

„Es lohnt sich nicht mehr. Besser jetzt, als wenn alles noch teurer und schlimmer wird“, sagt Xiawo Li. Seit vergangenem Jahr hätten sich die Warenkosten verdoppelt. Jede Woche gebe es einen neuen Preis fürs Fleisch. Gas, Strom, Inflation – alles werde teurer. Lieber jetzt aufhören, so Li. Nach Ende der Pandemie habe sie wieder Hoffnung gespürt und geglaubt, es gehe aufwärts. Jetzt leide sie unter Albträumen und Existenzängsten.

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Auch die Personalsituation macht der Restaurantleiterin Sorgen. Ein chinesischer Koch bekomme nur für vier Jahre ein Visum, dann müsse er Deutschland verlassen und wieder nach China zurückkehren. Das Visum ihres Kochs läuft demnächst aus. Für vietnamesische Köche gebe es hingegen die Beschränkung nicht. Neue Köche aus China zu bekommen, sei derzeit schwierig. Oftmals müssten sich die Restaurants das Personal teilen, erzählt sie.

Restaurant schließt am 3. Oktober endgültig

Das chinesische Buffet zum kleinen Preis ist beliebt bei den Gästen. Viel positives Feedback hat Li von den Restaurantbesuchern in den letzten Jahren erfahren. Doch auch irritierende Ereignisse gab es: „Ihr Essen schmeckt sehr gut, aber China hat den Virus hergestellt“, meinte ein Gast zu ihr.

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Ihre Pension über dem Restaurant will Familie Li dennoch zunächst erst einmal weiterbetreiben. Ansonsten bliebe nur die Arbeitslosigkeit, so Li. Das Chinahaus schließt endgültig zum 3. Oktober um 21 Uhr. Wer jetzt noch einmal gut und günstig chinesisches Essen genießen möchte, hat in den nächsten Tagen noch die Gelegenheit dazu. Auch die Bonuskarten können noch eingelöst werden. „Vielen Dank für eure Begleitung die letzten 25 Jahre über“, heißt es von Familie Li.

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Auch bei einigen Gästen ist die Nachricht über die Schließung des Restaurants bereits angekommen. Andrea Senge aus Neustrelitz, die das Restaurant als Gast regelmäßig besucht hat, ist bedrückt. „Wir sind sehr traurig darüber und werden auf jeden Fall Blumen und Selbstgemachtes als Zeichen unserer Wertschätzung vorbeibringen“, hat sie dem Nordkurier mitgeteilt.

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