Laila Mahfouz und Günther Lehner sind dabei, unweit von Quadenschönfeld einen Landschaftspark aufzubauen. Beide steh
Laila Mahfouz und Günther Lehner sind dabei, unweit von Quadenschönfeld einen Landschaftspark aufzubauen. Beide stehen für das „Kulturgutleben“ mit Seminar- und Ferienangeboten. Marlies Steffen
Landschaftspark

Ex-Hamburger leben ihren Traum vom Garten auf dem Dorf

Es war Liebe auf den ersten Blick, als die beiden vor drei Jahren zum ersten Mal auf diesem Fleckchen Erde in Quadenschönfeld standen. Inzwischen hoffen sie auf viele Gäste.
Quadenschönfeld

Da wächst etwas heran: Unweit der Landstraße nach Quadenschönfeld am Rande von Feldern entsteht ein Landschaftspark. 350 Sträucher und Bäume sind dabei, Wurzeln in das Erdreich zu schlagen. Noch ist es eine Art Kindergarten, angesichts der Größe der Gewächse. Doch es gibt eine Vision. „Irgendwann in ferner Zukunft soll der Park in eine Stiftung übergehen, damit die Bäume erhalten bleiben“, sagt Laila Mahfouz. Gemeinsam mit ihrem Mann Günter Lehner hat sie am Wochenende Gäste über das weitläufige Gelände auf dem Kulturgutleben geführt. Die Aktion „Offene Gärten“ war ein willkommener Anlass sich zu präsentieren.

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Mahfouz und Lehner sind schon länger auf dem Gelände heimisch, erwarben es 2019 von Vorbesitzerin Katrin Lindner, die dort auch ein Musikstudio betrieben hatte. „Wir haben sechs Jahre nach einem Grundstück in Mecklenburg-Vorpommern gesucht, es hat nie geklappt“, erinnern sich die beiden früheren Hamburger. Als im Dezember 2018 das Verkaufsangebot aus Quadenschönfeld im Internet aufploppte, suchten sie sofort den Kontakt zum Makler. „Einen Tag vor Weihnachten waren wir hier. Es war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt Laila Mahfouz. Der Grundstückskauf gelang.

Anschließend wurden die beiden mit Corona allerdings auf eine so nicht erwartete und harte Probe gestellt. Denn das avisierte Ziel, in der Mecklenburgischen Seenlandschaft ein Angebot für Urlauber und Seminargruppen zu entwickeln, lag pandemiebedingt auf Eis. Immerhin konnten erste Umbauarbeiten begonnen werden und war viel Zeit, sich mit der Entwicklung des Gartens zu beschäftigen. Dabei sind Mahfouz und Lehner systematisch vorgegangen. Zwar besitzen sie keine gärtnerische Ausbildung, „aber ich bin in der Richtung sehr ambitioniert unterwegs“, bekennt Laila Mahfouz.

Bunte Gesellschaft für den alten Baumbestand

Vor allem Bäume und Sträucher, die den Anforderungen des Klimawandels entsprechen, kamen in die Erde. Der alte Baumbestand, unter anderem ein riesiger Kirschbaum, blieb erhalten. Nur eine Douglasie musste gefällt werden. Alle Bäume sollen noch Namensschilder bekommen. Besucher können dann beispielsweise einen Eisenbaum, diverse Magnolien, Sichuan-Pfeffer, verschiedene japanische Ahorn-Bäume, einen koreanischen Schneeball, diverse Nussbäume kennenlernen, um nur einiges zu nennen.

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Die Standorte für die Gehölze sind mit Bedacht gewählt und nach der zu erwartenden Größe ausgerichtet. Wichtig: Die Blickachsen in die typische Weite der Mecklenburger Landschaft mit ihren lang gestreckten Feldern sollen erhalten bleiben. Unter den größeren Bäumen gibt es schon jetzt am Rande des Grundstücks Rückzugsorte auf Bänken, auf denen man die Welt vergessen und den Blick in die Weite genießen kann. Stück für Stück sollen Bäume und Sträucher nun noch durch Stauden ergänzt werden. Der Garten ist für Laila Mahfouz eine Lebensaufgabe. Und er hat ihr Leben verändert. „Seit wir nicht mehr in Hamburg wohnen, sind wir viel gesünder. Wir sind so viel draußen, haben so viel Bewegung, es tut so gut“, bekennt sie.

Pensionszimmer zeugen von Leidenschaft fürs Lesen

Der Garten mit der Ausrichtung auf den Landschaftspark ist eine Säule auf dem Kulturgutleben. Inhäusig gibt es ein Boutique-Hotel. Verschiedene Pensionszimmer sind eingerichtet, die von der Leidenschaft der Hausbesitzer fürs Lesen zeugen. So gibt es ein Agatha-Christie-Zimmer. Ein weiteres ist Astrid Lindgren gewidmet. Auch Marc-Uwe-Kling, der mit den Känguru-Chroniken berühmt wurde, hat einen Raum abbekommen. Mit Boxsack, Hängematte und den berüchtigten leeren Schnapspralinenschachteln, die für die Vorlieben des Kängurus stehen.

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Lehner, der hauptberuflich in der IT-Branche tätig ist, und Mahfouz haben mit ihrem Gut noch viel vor. Seminarangebote sind eine weitere Säule auf dem Gut. So gibt es vom 25. bis 28.  August ein Fledermauswochenende. Im November kann man sich in Weihnachtsbäckerei üben und für das kommende Frühjahr ist wieder ein Wildkräuterseminar angekündigt. Am 13.  August sind Mahfouz und Lehner bei der Aktion „Sommernacht im Garten“ dabei. Dann gibt es auch Musik von der jetzt noch in der Sanierung befindlichen Bühne. Am 3. und 4.  September ist dann noch einmal „offener Garten“ angesagt.

Noch viel zu tun und noch viele weitere Ideen

Wer einfach mal so vorbeischauen möchte – es gibt auch einen Hofladen „Wunderland“, in dem unter anderem Marmelade aus eigener Ernte zu haben ist. „Wir haben hier so viel Obst, es ist fast wie im Schlaraffenland...“, erzählen die beiden Kulturgutleben-Macher. Und es gibt im „Wunderland“ ganz besondere Wasserkessel. Ausgediente alte Teile funktioniert Laila Mahfouz mit viel Liebe zum Detail zum Nistkasten für Vögel um. Auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen Grundstück sind schon etliche aufgestellt. „40 Vogelarten habe ich hier schon gezählt“, berichtet die Hausherrin.

Ihre Entscheidung in die Mecklenburgische Seenlandschaft zu ziehen, haben Mahfouz und Lehner trotz der Unwägbarkeiten durch Corona nicht bereut. Noch immer gibt es viel zu tun, vor allem bedarf es einer stabilen Gästeauslastung. Denn Geld muss ja auch verdient werden. Und es gibt noch viele Visionen. So will ein Veranstaltungssaal mit Leben gefüllt werden, gibt es die Idee vom Kino auf dem Dorf. Auch das Musikstudio soll reaktiviert werden. Wer mit Laila Mahfouz ins Gespräch kommt, kann sich angesichts der Begeisterung, mit der sie ihren Traum vom Leben auf dem Land lebt, nicht vorstellen, dass die Ideen irgendwann ausgehen werden.

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