Naturschutz

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Feldberger steigen zum Müll ins Wasser

"Rette unser Wasser", fordert der BUND von der Bundesumweltministerin. Die Feldberger legten schon gleich am Sonnabend los. Foto: Susanne Böhm
„Rette unser Wasser”, fordert der BUND von der Bundesumweltministerin. Die Feldberger legten schon gleich am Sonnabend los. Foto: Susanne Böhm
Susanne Böhm

Was in den vergangenen 100 Jahren in den Haussee geworfen wurde, holen Freiwillige jetzt mühsam wieder heraus. Allein am Sonnabend kamen 1,5 Tonnen Unrat ans Tageslicht.

Autoreifen, Dachrinnen, Kochtöpfe, Einmachgläser, Farbeimer, Plastiktüten, Gummimatten, Bratpfannen, Kunststofflaschen, Blumentöpfe, Bauschutt – unzählige ausgediente Gebrauchsgegenstände aller Art fischten freiwillige Müllsammler am Sonnabend aus dem Feldberger Haussee. Knapp 50 Helfer waren dem Aufruf des Naturparks Feldberger Seenlandschaft und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gefolgt.

In Wathosen sammelten die Naturschützer die neun Grad kalten Flachwasserbereiche ab, Taucher beräumten tiefere Zonen, und auch an Land wurde allerhand Unrat geborgen. Es kamen erhebliche Mengen zutage. Rund 1,5 Tonnen, schätzte Naturpark-Ranger und BUND-Mitglied Axel Griesau.

Urlauber sollen keinen Müll sehen

„Der Haussee wird nach seiner Sanierung immer klarer. Das ist schön, allerdings werden dadurch auch die unschönen Dinge sichtbar”, sagte Sven Heinrich vom Tauchcenter Feldberg. Wenn die Urlauber ins Wasser gucken, sehen sie Müll. Das solle so nicht sein. Seit Jahren veranstalten Taucher und auch Angler regelmäßig eigene Müllsammelaktionen. Doch was in den vergangenen 100 Jahren in den See geworfen wurde, lässt sich nicht so schnell wieder herausholen. Vieles ist im Schlamm versunken, taucht erst nach und nach wieder auf. Wird der Haussee jemals müllfrei sein? „In den nächsten 100 Jahren wohl nicht.” Aber immerhin zeichne sich ein positiver Trend ab. „Die Leute werfen weniger Müll ins Wasser als früher. Das macht sich schon deutlich bemerkbar”, sagte der Taucher.

Gelungene Aktion

Axel Griesau war am Nachmittag „sehr zufrieden”. „Es hat alles gut geklappt, wir haben viel geschafft. Dafür, dass es das erste Mal war, gab es eine sehr gute Resonanz. Ich denke, das kann man als kleinen Erfolg verbuchen.” Der Feldberger Sportverein war mit den meisten Helfern vertreten. Der Anglerverein Feldberger Seen, das Unternehmen Ranger-Tours, der Feldberger Karneval Klub, die Gemeinde Feldberger Seenlandschaft und viele weitere Helfer packten mit an. Es wird noch mehr solcher Aktionen geben, kündigte Axel Griesau an.

Alarmierende Ergebnisse des Gewässerreports

Der BUND hat in diesem Jahr die Kampagne „Rette unser Wasser” gestartet, die sich direkt an Bundesumweltministerin Svenja Schulze richtet. Denn das Ergebnis des Gewässerreports 2018 ist alarmierend, heißt es vom BUND. Neun von zehn Seen und Flüssen würden unter den Auswirkungen von Landwirtschaft und Industrie leiden. Auch bei den Gewässern in der Feldberger Seenlandschaft ist Müll das eine, Verunreinigungen aus der Landwirtschaft aber ein noch größeres Thema, so Axel Griesau. Der BUND fordert: „Um für Besserung zu sorgen, muss das Bundesumweltministerium aktiv werden.” Die Feldberger sind es schon.