TOURISMUS IN DER SEENPLATTE

Ferienvermieter hadern mit der 60-Prozent-Regel

Der Tourismus zählt zu den Branchen, die wegen Corona am meisten aufzuholen haben. Einschränkungen machen den Vermietern aber das Leben schwer.
Kann das funktionieren? Das Feldberger Haus Seenland könnte sich vorstellen, die Übernachtung im Grünen anzubie
Kann das funktionieren? Das Feldberger Haus Seenland könnte sich vorstellen, die Übernachtung im Grünen anzubieten und so zugleich die Bettenkapazität zu steigern. Die Aktion ist natürlich eher als kreativer Protest gedacht. Haus Seenland
Feldberg.

Hat das Haus Seenland in Feldberg die ultimative Lösung gefunden? Derzeit gilt, dass gewerbliche Anbieter von Ferienunterkünften nur 60 Prozent ihrer Betten belegen dürfen. Warum nicht einfach die Kapazitäten mit Außer-Haus-Betten erhöhen, hat sich das Team vom Haus Seenland gedacht und nun tatsächlich zwei Freiluft-Betten aufgestellt. „Wir schlagen der 60-Prozent-Regel ein Schnippchen“, sagt Christian Bermes vom Haus Seenland und klärt danach aber sogleich auf, dass es sich um eine humoristisch gemeinte Protestaktion handelt. Wirklich vermietet werden die Freiluft-Betten nicht.

„Wir stellen die Sinnhaftigkeit der Begrenzung infrage“, sagt Bermes. Begründet worden sei das 60-Prozent-Limit damit, dass mit weniger Gästen eben auch weniger Begegnungen in den Pensionen, Hotels und anderen Herbergen stattfinden würden. Dabei gebe es wohl in jedem Berliner Hochhaus mehr Zusammentreffen von Menschen, meint Bermes. Auf Dauer sei ein wirtschaftlicher Betrieb mit 40 Prozent Leerstand im Haus Seenland nicht machbar. „Keine Chance“, betont der Feldberger Bermes. Zumal es noch die Einbußen aus den Vorwochen aufzuholen gelte. So seien mit Ostern und dem Maifeiertag bereits erst umsatzstarke Phasen weggefallen. „Wir müssen uns im Sommer den Speck für den Winter anfressen. Nur mit 60 Prozent geht das nicht“, sagt Bermes. Zudem kritisiert er die Ungleichbehandlung von Gewerbe und Privatvermietern – und nicht nur da führt die Begrenzung zur Wettbewerbsverzerrung.

Was tun mit der Überbelegung im Sommer?

„Unser größter Mitbewerber im Norden, das Land Schleswig-Holstein, lässt eine 100-prozentige Belegung zu“, erklärt Enrico Hackbarth von der Kleinseenplatte Touristik GmbH aus Wesenberg. Während hierzulande vielleicht sogar bestätigte Buchungen wegen der Engpässe abgesagt werden müssen, können die touristischen Anbieter im Nachbarland also aus dem Vollen schöpfen.

Eine erste Klage gegen die MV-Regel liege daher bereits dem Greifswalder Verwaltungsgericht vor. In dieser Frage hätte es bundesweit einheitlich geltende Vorschriften geben müssen, sagt Hackbarth. Zumal aus der Begründung der Landesregierung herauszuhören gewesen sei, dass es weniger um den Infektionsschutz ging, sondern vielmehr um eine Deckelung der Urlauberzahlen.

Diesen Eindruck hat auch Jens Kappert, Direktor vom Ferienpark Mirow. Denn in einer Ferienhaussiedlung, wie der in Granzow, können die Gäste im Gegensatz zu einem Hotel weitestgehend unter sich bleiben. Dennoch sind auch solche Vermieter vom Limit betroffen. „Pfingsten könnten wir voll belegt sein. Wir haben aber aktuell die Buchungen gestoppt“, berichtet Kappert. Auch gebe es Zeiträume im Sommer, für die unter den aktuellen Bedingungen dann eine Überbelegung vorhanden sei. „Zurzeit haben wir noch nicht geregelt, wem wir dann absagen und wem nicht“, so Kappert. Er hofft, dass es soweit erst gar nicht kommen müsse und bis dahin die 60-Prozent-Regel gekippt werde.

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