50-MILLIONEN-EURO-PAKET

Feuerwehren hoffen auf Ersatz für ihre Oldies

Mit 50 Millionen Euro sollen in ganz MV alte Feuerwehr-Wagen ausgetauscht werden. Aus Sicht der Wehrführer längst überfällig. Das Geldpaket berge aber auch Tücken.
Robin Peters Robin Peters
Der Kratzeburger Wehrführer Mirko Fortak (rechts) und sein Stellvertreter René Bengelsdorf kennen die Mängel ihres 38 Jahre
Der Kratzeburger Wehrführer Mirko Fortak (rechts) und sein Stellvertreter René Bengelsdorf kennen die Mängel ihres 38 Jahre alten Feuerwehrautos. Robin Peters
Kratzeburg.

Die Sitzheizung ist schon in Flammen aufgegangen, die Türen öffnen sich mitunter während der Fahrt: Mit 38 Jahren auf dem Buckel krankt das Löschgruppenfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Kratzeburg laut Wehrführer Mirko Fortak an allen Ecken. „Es ist nur dem Idealismus der Kameraden zu verdanken, dass es noch am Laufen ist“, so Fortak.

Doch selbst das gelinge nicht immer: In den letzten drei Jahren konnte das Auto laut Fortak zwei Mal gar nicht zum Einsatz ausrücken. Denn die Batterie sei völlig hinüber. Und: „Für unser Aufgabengebiet haben wir nicht einmal das richtige Fahrzeug“, sagt Fortak. Kratzeburg sei schließlich von großen Waldflächen umgeben – trotzdem führe der Einsatzwagen nur Schläuche und kein Wasser mit. Ein neues Auto habe die Feuerwehr schon beantragt. Doch noch fehle das Geld.

50 Millionen Euro um die ältesten Feuerwehrautos zu ersetzen

Ein dickes Finanzpaket vom Land könnte viele Feuerwehrleute von ihren Sorgen um Pannen-Karosserien bald befreien. Denn wie durch eine Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Matthias Manthei (Freie Wähler) nun bekannt wurde, soll das geplante 50-Millionen-Euro-Paket für Feuerwehren wohl zunächst dazu dienen, die ältesten Feuerwehrautos in Mecklenburg-Vorpommern zu ersetzen.

Aus Sicht vieler Wehrführer der Region ist diese Unterstützung längst überfällig: Zwar steht zumindest die Neustrelitzer Feuerwehr mit drei unmittelbar bevorstehenden Neubeschaffungen nach eigenen Angaben gar nicht so schlecht da. Den umliegenden Ämtern machen ihre alten Feuerwehrautos hingegen schwer zu schaffen: „Wir haben es auf jeden Fall nötig, dass ein Auto in absehbarer Zeit ausgetauscht wird“, sagt Maik Suhrbier, Gemeindewehrführer der Feldberger Seenlandschaft, dessen ältester Einsatzwagen in Triepkendorf steht.

Kaum Ersatzteile: Feuerwehr-Wagen aus den 70er Jahren

Noch brenzliger sieht es im benachbarten Amt aus: So fahren Peer Pollex zufolge in Kreckow und Voigtsdorf noch Feuerwehrautos aus den 1970er Jahren. „Die Ersatzteilbeschaffung ist das größte Problem bei den alten Fahrzeugen“, so der Woldegker Amtswehrführer.

In Mirow rückt laut Kleinseenplatten-Amtswehrführerin Anke Krüger sogar ein 52 Jahre altes Auto noch zu Einsätzen aus. „Ganz alte Feuerwehrautos gibt es zumindest nur relativ wenige“, sagt Anke Krüger. Die neuere Generation sei aber mitunter auch schon rund 25 Jahre alt und leide unter diversen Alterserscheinungen. Über Jahrzehnte sei ein riesiger Investitionsstau entstanden. „Mit 50 Millionen kommen wir für das ganze Land nicht aus“, so Krüger.

Neue Feuerwehr-Autos kosten 100 000 bis 700 000 Euro

Wie viel ein Feuerwehrauto kostet, variiert laut Kreisbrandmeister Norbert Rieger von Fahrzeug zu Fahrzeug. So gebe es bereits Feuerwehrautos für 100 000 Euro, größere könnten wiederum mit bis zu 700 000 Euro zu Buche schlagen. Wenn das Land die Millionen-Unterstützung ausschüttet, führt das dem Kratzeburger Wehrführer Mirko Fortak zufolge jedoch wahrscheinlich gleich zur nächsten Komplikation: Denn dann drohe ein Produktions-Engpass. Nur wenige Hersteller würden überhaupt Feuerwehrautos bauen. Lieferzeiten von drei bis vier Jahren seien dann nicht unwahrscheinlich.

Die Landesregierung plant nach eigener Aussage, die 50 Millionen für Feuerwehren in Mecklenburg-Vorpommern über die kommenden vier Jahre verteilt bereitzustellen. Dafür muss der Landtag allerdings noch das Haushaltsgesetz 2020/2021 verabschieden.

 

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