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Flüchtling tankt im Büro Kraft für die Zukunft

Sarhsyan Hayk aus der Ukraine hat bei seinem Praktikum im Ingenieurbüro Thiele und Partner in Neustrelitz drei Wochen lang eng mit Ingenieurin Jana Wieczorek zusammen gearbeitet.
Sarhsyan Hayk aus der Ukraine hat bei seinem Praktikum im Ingenieurbüro Thiele und Partner in Neustrelitz drei Wochen lang eng mit Ingenieurin Jana Wieczorek zusammen gearbeitet.
Susanne Böhm

Asylbewerber Hayk Sarhsyan absolviert ein Praktikum bei Neustrelitzer Ingenieuren. Die Zusammenarbeit ist für alle Beteiligten ungewohnt, aber auch eine Chance. 

Hayk Sarhsyan ist froh. Endlich kann er sich nützlich machen. Der 25-Jährige kommt aus der Ost-Ukraine, musste vor dem Krieg flüchten und lebt seit acht Monaten im Asylbewerberheim in Neubrandenburg. Jetzt hat er die stupiden Tage in der Flüchtlingsunterkunft gegen ein dreiwöchiges Praktikum beim Ingenieurbüro Thiele und Partner in Neustrelitz getauscht.

Ein Asylbewerber als Praktikant – geht das? Die Neustrelitzer Ingenieure waren skeptisch, als die Anfrage von der Gesellschaft für nachhaltige Regionalentwicklung und Strukturforschung (Genres) kam. „Wir haben uns zusammengesetzt und beratschlagt“, so Ronny Seidel, geschäftsführender Partner im Ingenieurbüro. Dabei ging es weniger um die Frage, ob sich ein ausländischer Praktikant in einem deutschen Ingenieurbüro überhaupt sinnvoll betätigen kann. Schließlich konnte Hayk Sarhyshan ein Ingenieur-Studium einer ukrainischen Universität nachweisen und hat in einem ukrainischen Vermessungsbüro gearbeitet. Vielmehr war zu klären, ob das Praktikum arbeits- und asylrechtlich unbedenklich ist.

Doch Adwia Feldt, Mitarbeiterin des Genres-Integrationsfachdienstes, konnte alle Zweifel ausräumen. Mit der Ausländerbehörde war alles abgestimmt, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hatte auch nichts dagegen. Dann ging alles ganz schnell. Hayk Sarhsyan kam zu einem Kennenlern-Gespräch. „Wir hatten gleich ein gutes Gefühl. Er hat ein Diplom, kann Deutsch in Wort und Schrift. Wir waren uns schnell einig, dass wir es versuchen.“

Über die Vergangenheit spricht er nicht gern

Inzwischen sind alle Beteiligten überzeugt, das dass Praktikum eine gute Sache ist. Hayk Sarhsyan hilft es, sich zu integrieren. Für die Ingenieure ist es interessant, weil ausländische Fachkräfte auch in ihrer Branche an Bedeutung gewinnen. „Wir haben ständig Fachkräftemangel, suchen immer vernünftige Leute“, sagt Ronny Seidel. Sollte sich die Chance ergeben, dass Hayk Sarhsyan ein weiteres Praktikum in dem Büro absolvieren kann, würde der Ukrainer mit offenen Armen empfangen. Auch für andere Asylbewerber sei man jederzeit aufgeschlossen.

Doch Hayk Sarhsyan weiß noch nicht, wie es weitergeht. Zunächst ist seine allergrößte Hoffnung, dass der Asylantrag bewilligt wird. Über die Vergangenheit spricht der junge Mann nicht gern. Er sagt nur, dass seine Eltern ihm nach Deutschland gefolgt sind, sein Bruder noch in der Ukraine ist. Zu tief sitzt der Schmerz. „Die Familie muss alles verloren haben“, sagt Ronny Seidel. Hayk Sarhsyan sagt, „in meiner Heimat gibt es für mich keine Perspektive mehr“.