GEWäSSER-MONITORING

Forscher gehen Seen und Flüssen in Mecklenburg-Strelitz auf den Grund

Zwischen Fürstenberg und Userin kommen dieser Tage Messstationen in 18 Seen. Eine Untersuchung in dieser Größenordnung hat es noch nicht gegeben.
Marlies Steffen Marlies Steffen
Dr. Sabine Wollrab und Dr. Stella Berger vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Neuglobsow sind für das Projekt, bei dem 18 Seen zeitgleich beprobt werden, zuständig.
Dr. Sabine Wollrab und Dr. Stella Berger vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Neuglobsow sind für das Projekt, bei dem 18 Seen zeitgleich beprobt werden, zuständig. Marlies Steffen
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Feldberg.

Es geht um Verbindungen: Die Havelseen, die Neustrelitzer Gewässer und Feldberger Seen sollen erstmals im Verbund unter die Lupe genommen werden. Wissenschaftler des Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Neuglobsow wollen 18 Seen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern untersuchen. Die meisten der Gewässer sind durch die Havel verbunden. Allein zu den Feldberger Seen existiert nur eine ganz schwache Verbindung vom Stolp-See bis hin nach Feldberg. Sie ist oberirdisch weitgehend trockengefallen, sagt Dr. Stelle Berger, die mit Dr. Sabine Wollrab das Projekt betreut.

Mit im Boot sind auch andere Wissenschaftler, so steuert das DLR Oberpfaffenhofen mit seiner Außenstelle in Neustrelitz Daten aus der Fernerkundung bei. Partner sind auch die Freie Universität Berlin und die Agrarwissenschaftliche Abteilung des Leibnitz-Verbundes, zu dem auch das IGB gehört. Gesichert ist das „CONNECT“-Projekt mindestens für ein Jahr. Es gibt aber Interesse daran, auch darüber hinaus die Seen zu untersuchen, verdeutlicht Stella Berger.

Hohe Erwartungen an das Projekt

Untersuchungsparameter sind unter anderem die Algendichte, die Wassertemperatur, der Chlorophyllgehalt, der PH-Wert, der Sauerstoffgehalt, die Leitfähigkeit des Wassers. Dazu werden in die 18 Seen Bojen eingebracht, an die Sonden montiert sind. Diese werden in einem Meter Tiefe und halbstündlich Messungen vornehmen. „Auf diese Weise können wir genau vergleichen, wie der Gewässerzustand an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit war und wie und wann sich Veränderungen von einem See in den anderen Seen fortsetzen. „Wir erwarten hochfrequente Daten“, sagt Sabine Wollrab. In der Feldberger Seenlandschaft werden der Breite und der Schmale Luzin sowie der Haussee mit Bojen versetzt. Um Neustrelitz sind es der Zierker und der Useriner See.

Die Erwartungen an das Projekt sind hoch. Wie ähnlich entwickeln sich Seen, die durch Flusssysteme miteinander verbunden sind? Wie stark und wie schnell werden erhöhte Nährstoffeinträge, zum Beispiel nach starkem Regen und sich daraus entwickelnde Algenblüten, weitergeleitet? Wie weit setzen sich die Auswirkungen eines lokalen Extremwetterereignisses über unterschiedlich stark verbundene Fluss-Seensysteme fort? Haben verbundene Seen ein erhöhtes Risiko zur Ausbildung von Blaualgen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Algenblüten und dem Ausstoß klimarelevanter Gase wie Methan und Kohlendioxid? Und: Können solche Ereignisse in verbundenen Seen durch Fernerkundung zum Beispiel mittels Satelliten aus dem Weltraum beobachtet werden. Auf all diese Fragen erhofft man sich Antworten.

Ämter haben Interesse an dem Projekt

Neben dem regionalen Seenvergleich wird auch eine experimentelle Studie zur Seenkonnektivität im IGB-Seelabor in Neuglobsow stattfinden.

„Wir erhoffen uns aus der Auswertung konkretere Ergebnisse unter anderem für die Wasserrahmenrichtlinien der Gewässer“, sagt Sabine Wollrab. Hier gebe es bislang noch nicht so konkrete Vorgaben. Konkretere Anweisungen könnte es aus den Forschungsergebnissen auch für das Management, also für den Umgang mit den Gewässern, geben. Stella Berger erinnert daran, dass die tiefen Seen bislang noch nicht so genau untersucht sind. „Wir sehen hier Forschungsbedarf.“ Auch Ämter und Behörden hätten bereits Interesse an dem Projekt gezeigt. In der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft ist die angekündigte Untersuchung ebenfalls auf offenen Türen gestoßen. Dort sind gerade auch zwei weitere Gewässer im Fokus. Für den Wootzen und den Scharteisensee, die ebenfalls zu den Feldberger Gewässern gehören, wird eine Machbarkeitsstudie hinsichtlich einer Seensanierung erarbeitet.

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