Ärger

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Frust und hohe Kosten nach Notruf-Missbrauch

In der Nacht zu Montag wurde eine groß angelegte Wasserrettung am Hafenbecken von Neustrelitz gestartet. Ein Hinweis entpuppte sich jedoch als falsch und damit als Missbrauch des Notrufs. 
In der Nacht zu Montag wurde eine groß angelegte Wasserrettung am Hafenbecken von Neustrelitz gestartet. Ein Hinweis entpuppte sich jedoch als falsch und damit als Missbrauch des Notrufs.
Susanne Böhm

Einen im Eis eingebrochenen Angler hat es nicht gegeben. Trotzdem muss der Einsatz der Hilfskräfte am Wochenende im Stadthafen von Neustrelitz bezahlt werden.

Außer Spesen nichts gewesen. Was so salopp klingt, ist eine ernste Sache. In der Nacht zu Montag ging in der Rettungsleitstelle ein Notruf ein. Ein Mann sei im Stadthafen von Neustrelitz im Eis eingebrochen. Daraufhin legte mitten in der Nacht die ganze Maschinerie an Hilfskräften los: Feuerwehr, Wasserwacht, Polizei und Rettungsdienst. Die Suche blieb jedoch erfolglos. Schon kurz danach ging die Polizei davon aus, dass der Notruf missbraucht wurde.

Insgesamt sieben Missbrauchsfälle des Notrufs hat die Polizei im Jahr 2017 in der Region Neustrelitz registriert, allein sechs davon entfallen auf die Stadt Neustrelitz. Ein Jahr zuvor waren es noch vier und 2015 lediglich ein Fall. Die Tendenz ist also ansteigend – zum Unmut der Rettungskräfte. „Die Fälle darf man nicht verharmlosen. Der Missbrauch des Notrufs ist kein Kavaliersdelikt“, betont Diana Mehlberg von der Polizeiinspektion in Neubrandenburg.

Rettungskräften demotiviert

Das Fatale daran: Kommt es gleichzeitig zu anderen, wirklichen Hilferufen, kann es brenzlig werden. Dann sei guter Rat teuer, so Mehlberg. Zumal ein Vermisster im Eis wohl Vorrang vor vielen anderen Ernstfällen hätte, in denen kein Leben auf dem Spiel steht.

Der Ärger über den Vorfall vom Wochenende ist auch bei der Stadt Neustrelitz groß. Harmlose Streiche seien solche Fälle nie, denn der Kommune entstehe stets ein finanzieller Schaden, erklärt Rathaus-Sprecherin Petra Ludewig. Die Stadt, und damit die Allgemeinheit, bleibe auf den Kosten sitzen. Ein Einsatz, wie der von Montagnacht, koste Neustrelitz rund 2000 Euro – und das seien längst nicht alle Kosten. So weist Petra Ludewig darauf hin, dass zum Beispiel auch die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes mit ihren Helfern vor Ort war. Dem DRK seien damit ebenso Kosten für einen eigentlich unnötigen Einsatz entstanden. Zudem sei es alles andere als spaßig, wenn Ehrenamtler grundlos mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt würden. In die gleiche Kerbe schlägt auch Kreisbrandmeister Norbert Rieger. „Viel schlimmer als der finanzielle Schaden ist die Demotivation der Truppe“, sagt er.

Wenig Aussicht auf Erfolg

Nur wenn ein Übeltäter ermittelt wird, besteht die Möglichkeit, dass die Gemeinden und Wohltätigkeitsverbände ihr Geld wiedersehen. Im aktuellen Fall besteht dahin gehend aber nur wenig Aussicht auf Erfolg. Der anonyme Anrufer benutzte das öffentliche Telefon am Neustrelitzer Markt. Wer Notrufe oder Notzeichen missbraucht, begeht eine Straftat, die bis zu einem Jahr mit Freiheitsstrafe oder mit einer Geldstrafe geahndet wird.