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Maulkorb-Erlass zum Thema Wolf

Mitarbeiter der Landesforst-Anstalt haben einen Maulkorb verpasst bekommen. Dies sieht das Ministerium in Schwerin anders und zieht sich die Kritik eines Strelitzer Forstmanns zu.
Marlies Steffen Marlies Steffen
Fragen zum Wolf, die dürfen von Landesforst-Mitarbeitern nicht mehr beantwortet werden.
Fragen zum Wolf, die dürfen von Landesforst-Mitarbeitern nicht mehr beantwortet werden. hkuchera - Fotolia.com
Seenplatte.

Da wiehert der Amtsschimmel und der Laie wundert sich: Arglose Urlauber oder Einheimische, die beim Spaziergang im Wald und über die Heide auf Forstamtsmitarbeiter des Landes treffen und eine Frage zum Wolf stellen, bekommen künftig von diesen Landesbediensteten keine Antwort mehr. Das hat das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt dem Nordkurier auf Nachfrage bestätigt.

Zwar verwahrt sich das Ministerium gegen die Bezeichnung „Maulkorb-Erlass“. Allerdings wird bestätigt, dass Mitarbeiter der Landesforst-Anstalt Vertreter einer Landesbehörde seien und in dieser Funktion auch nur berechtigt sind, „sich zu den Dingen zu äußern, die in ihrer Zuständigkeit liegen“. In Sachen Wolf besitze die Landesforst-Anstalt keine fachliche Zuständigkeit. Es handele sich ausschließlich um artenschutzrechtliche Fragen und artenschutzrechtliche Folgemaßnahmen, so ein Ministeriumssprecher. Bei Anfragen von Bürgern würde demnach ein zuständiger Ansprechpartner vermittelt werden, beim Thema Wolf aus dem Bereich der Naturschutzbehörden.“

Auch Ranger dürfen nichts sagen

Unter Forstleuten im Strelitzer Land wird die Regelung, die den Mitarbeitern der Landesforst-Anstalt im Spätherbst mitgeteilt worden sein soll, durchaus kritisch und auch ablehnend gesehen.

Rein juristisch habe das Ministerium recht, argumentierte ein Forstmann und langjähriger Jäger, der namentlich nicht genannt werden möchte, im Gespräch mit dem Nordkurier. Hinsichtlich der juristischen Fragen zu den Wolfsvorkommen stehe den Angehörigen der Landesforst keine öffentliche, vom Vorgehen des Dienstherren abweichende Meinungsäußerung zu.

Aber alle anderen Wahrnehmungen zu Wolfsbeobachtungen durch Forstleute in der Öffentlichkeit zu untersagen, da sie nicht in ihrer Zuständigkeit liegen würden, wird als „Unverschämtheit“ empfunden. Zu den „Belehrten“ würden neben den Forstleuten indirekt auch alle Jäger und sogar die hauptamtlichen Nationalparkmitarbeiter einschließlich der Ranger gehören. Das habe durchaus etwas von einem Maulkorb-Erlass. Zu den Dienstobliegenheiten der Landesforstangestellten und -beamten gehöre sehr wohl die Sicherung der Naturschutzaufgaben und die Jagdausübung auf den landeseigenen Flächen. Ihnen diese Zuständigkeit und fachliche Kompetenz pauschal abzusprechen, gleiche einer nicht hinnehmbaren Missachtung ihrer Arbeit.

Sehr viele Forstleute seien erfahrene und in der Regel verantwortungsvolle Jäger, die sich durchaus „mit den ausgewogenen Positionen des Landesjagdverbandes identifizieren und einen angepassten Wolfsbestand befürworten“. Das generell infrage zu stellen, entspreche nicht den oft geäußerten Wünschen der offiziellen Wolfsbetreuer auf gute Zusammenarbeit und den Diskussionen, den Wolf eventuell ins Jagdrecht zu übernehmen. Leider sei in den letzten Monaten feststellbar, dass alle Wahrnehmungen zum Wolf zurückgehalten oder nur tröpfchenweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würden, argumentierte der Forstmann.

„Grotesk bis realitätsfern”

Sogar die Ergebnisse genetischer Untersuchungen würden nach seinen Erfahrungen sehr spät oder erst nach mehrmaliger Nachfrage zu den Geschädigten gelangen. Dies spreche für das Scheitern des bisherigen Wolfsmanagements der Landesregierung. Immer mehr Personal, immer höhere Zäune, um die Tierhalter etwas zu besänftigen, immer mehr Entschädigungszahlungen aus Steuermitteln und nun auch Informationsverbote für Landesbedienstete: Dies dürfe die Misere kaum entschärfen, so der Forstfachmann, der sich seit vielen Jahrzehnten auch dem Naturschutz verpflichtet fühlt. Den Hinweis, für Fragen zum Thema Wolf einen Ansprechpartner aus der Naturschutzbehörde zu benennen, hält er für „so grotesk wie realitätsfern“.

Wo leben wir eigentlich, bei soviel Überheblichkeit?, fragt er. Ihm sei klar, dass heute das Wolfsthema vor allem ein politisch-ideologisches geworden sei. Fachliche Kompetenz stehe offenbar zur Klärung von Fragen hinten an.

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Kommentare (2)

Genau das hatten wir schon mal, 40 Jahre lang.
Spärliche bis keine Informationen an den normal Bürger. Nur ,die das auch durchgesetzt und überwacht haben , die gibt's nicht mehr. Und dann wird sich gewundert, warum das Vertrauen in die Politik verloren geht, bzw. schon weg ist.
Na, es wird ja bald gewählt.

Wenn man sich mit Beschäftigten d. öffentl. Dienstes (egal welches Ressort) unterhält, muss man leider feststellen, dass es überall die gleiche Situation ist. Vom fernen Schwerin aus wird regiert und setzt sich teils über Expertisen derer hinweg die tagtäglich an der Basis arbeiten. Realitätsferne, Arroganz und eigenes Karrieredenken bestimmen die Entscheidungen dieser Volksvertreter und ihrer obersten Ministerialbeamten. Hier gehört mal aufgeräumt und klar gemacht wessen Interessen diese gewählten Beamten zu vertreten haben. Wer aber glaubt, dass es sich dabei um ehemalige des alten Systems handelt der irrt. Hier entscheiden in unserem Land die in ihrer Heimat ungeliebten und hier zugekauften Altlasten aus den alten Ländern. Besonders Niedersachsen, Hamburg und Schleswig Holstein haben sich da einiger Graupen entledigt.