NATURSCHUTZ IN FELDBERG

Für die Dohlen gibt’s Luxus-Wohnen im Kirchturm

Dohlen interessieren sich schon länger für Nistplätze im Turm der Feldberger Kirche. Mit den Folgen musste vor allem der Küster der Kirche leben.
Marlies Steffen Marlies Steffen
Für den Turm gibt es Wohnungsinteressenten. Die Dohlen haben dort jetzt Nistgelegenheiten bekommen. Und Felix Schumann kontrolliert die Kisten.
Für den Turm gibt es Wohnungsinteressenten. Die Dohlen haben dort jetzt Nistgelegenheiten bekommen. Und Felix Schumann kontrolliert die Kisten. NK-Bildmontage
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Feldberg.

Am Feldberger Kirchturm ist gerade ein besonderes Projekt zum Thema Wohnungsbau ins Leben gerufen worden. Die Dohle hat Platz zum Wohnen bekommen, berichtet Naturparkleiterin Anne Petzold. Der kleine Krähenvogel besiedele gern Schwarzspechthöhlen in Altholzbeständen oder Parkanlagen mit altem Baumbestand. Nischenreiche und damit vor allem alte Gebäude stehen aber ebenso im Fokus des geselligen Höhlenbrüters mit der schwarzen Kappe und den stechend blauen Augen. So haben mehrere Brutpaare schon vor längerer Zeit auch den Kirchturm der Feldberger Kirche für sich entdeckt – als Einschlupf reichten zwei verschobene Lamellen der Schallluken. „Grundsätzlich ist das eine schöne Entwicklung, da die Feldberger Kirche bereits mit der Plakette ,Lebensraum Kirchturm‘ des NABU ausgezeichnet ist“, konstatiert Anne Petzold.

Mehr als 60 Stunden Arbeit

Allerdings sorgte der Wohnungsbau bei den Dohlen auch für ein paar Sorgenfalten. Haben Dohlen nämlich eine geeignete Höhlung als Brutplatz gefunden, werfen sie so lange Nistmaterial ein, bis sie es bequem finden. Die auserwählte Höhlung an der Feldberger Kirche stellte hier das Innere des Kirchturms dar. Wahrlich ist es schwer vorstellbar, dass die etwa taubengroße Dohle so viel Nistmaterial eintragen kann, dass es zum Problem wird. Aber weit gefehlt: Im vergangenen Jahr musste der Küster Reinhard Schnitzer mehr als 60 Stunden Arbeit aufwenden, um eine Menge an Nistmaterial, das heißt Stöckchen und kleine Äste, zu beseitigen, für die ein Container, der sieben Kubikmeter Inhalt fasst, nicht ausreichend war.

Der Naturpark Feldberger Seenlandschaft hat daraufhin seine Hilfe angeboten. Die Dohle ist, wie alle heimischen Vogelarten, gesetzlich geschützt und ihre Brutplätze dürfen nicht zerstört werden. In enger Abstimmung mit der Kirchengemeinde und Pastor Stephan Möllmann-Fey wurde ein kleines Dohlenschutzprojekt gestartet, für das Felix Schumann, der gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Naturpark absolviert, federführend ist. Ziel des Projektes ist, den Kirchturm für die Dohlen als Brutplatz zu erhalten und gleichzeitig eine Verschmutzung mit Nistmaterial zu unterbinden.

Kaninchendraht an den Schallluken

Die Lösung fiel denn auch recht simpel aus, wie Naturparkleiterin Anne Petzold konstatiert: Die Schallluken auf der Glockenebene wurden mit Ausnahme der untersten Lamelle von hinten mit Kaninchendraht bespannt, sodass ein Durchschlupf für die Dohlen in den Kirchturm unmöglich wurde. Im Vorfeld wurde natürlich geschaut, ob der Turm eventuell für Kleinvögel wie Haussperling und Co. oder Fledermäuse als Lebensstätte fungiert und ihnen ein Zugang auch weiterhin möglich ist. Für den Erhalt der Brutplätze der Dohlen im Turm wurden mit tatkräftiger Unterstützung des Feldberger Fischers Oliver Pahlke Nistkästen hinter die unterste Schalllamelle montiert. Insgesamt stehen nun 12 Nistplätze zur Verfügung. Diese Wohnzimmer mit übrigens spektakulärem Ausblick können ab Mitte März individuell von den Dohlen eingerichtet werden, ohne dass etwas vom Mobiliar in den Kirchturm fällt. In den Monaten Mai und Juni wird kontrolliert, ob die neuen Wohnungen durch die Dohlen angenommen wurden und ob sie auch Nachwuchs ausbrüten. Die langfristige Kontrolle der Nistkästen liegt ebenfalls in der Verantwortung des Naturparks.

Streit innerhalb der Kolonie um Premium-Nistplätze

Neben der dauerhaften Sauberhaltung des Kirchturms setzen Kirchengemeinde und Naturparkverwaltung aber noch auf einen weiteren positiven Effekt des Dohlenprojektes. Vor einigen Jahren wurden auf der obersten Ebene des Feldberger Kirchturms Nistkästen für Schleiereule und Turmfalke eingebaut. Eine Schleiereule wurde leider nie gesehen, aber ein Turmfalken-Paar brütete regelmäßig dort. Zumindest bis zum letzten Jahr.

Im Frühjahr 2018 waren beide Nistkästen von Dohlen besetzt. Auch innerhalb der Dohlenkolonie gab es Streit um diese beiden Premium-Brutplätze. Durch die nun ausreichende Anzahl an geeigneten Nistplätzen für die Dohle auf der Glockenebene und die damit verbundene räumliche Trennung zum Nistkasten für den Turmfalken findet letzterer möglicherweise den Weg zurück an den Feldberger Kirchturm, so jedenfalls die Hoffnung im Naturpark.

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