STADTENTWICKLUNG IN NEUSTRELITZ

Für einen Tag öffnet sich die Tür zur Parkvilla

16 Jahre lang hat kaum jemand das geschichtsträchtige Gebäude in Neustrelitz betreten dürfen. Am Sonnabend können erstmals Interessierte rein und sich umschauen.
Erstmals nach langer Zeit sind die Türen der Parkvilla in Neustrelitz offen. Interessierte sind herzlich willkommen.
Erstmals nach langer Zeit sind die Türen der Parkvilla in Neustrelitz offen. Interessierte sind herzlich willkommen. NK-Archiv
Neustrelitz.

16 Jahre lang war das großherzogliche Palais in Neustrelitz für die Öffentlichkeit verschlossen. Jetzt haben Interessierte erstmals die Möglichkeit, an einem öffentlichen Rundgang durch das einst prächtige Haus in der Parkstraße 9 teilzunehmen. Noch-Eigentümer Kai-Alexander Schlevogt öffnet am Sonnabend, dem 10. August, die Türen. Der Akademiker, der begonnen hatte, das Haus zu sanieren und es nun an das Land zurückverkauft hat, will den Neustrelitzern vor der Schlüsselübergabe zeigen, was sich im Inneren getan hat.

Er hat nach eigenen Angaben unter anderem eine neue Heizungs- und Warmwasseranlage installiert und die komplette Elektrik in dem mehr als 2400 Quadratmeter großen Gebäude, alle Fenster, Türen und Teile der Trink- und Abwasserleitungen saniert. Insgesamt hat er nach eigenen Schätzungen mehr als 900 000 Euro investiert. Sein Vorhaben, eine Wirtschaftshochschule zu etablieren, gelang ihm jedoch noch nicht. „Ich bin kein reicher Investor, kein Baulöwe. Ich bin ein Gelehrter mit Unternehmergeist, der Bücher schreibt und Studenten unterrichtet.“ Seinen Traum von einer Hochschule in Neustrelitz gebe er trotzdem nicht auf. „Auch das wird am Sonnabend Gegenstand der Diskussion sein. Ein solches Vorhaben muss dann aber auf einer breiten Basis stehen, nicht auf mir als Einzelkämpfer lasten. Ich bin in der Lehre und Forschung tätig, nicht in der Verwaltung von Liegenschaften“, sagt der 48-Jährige.

Zunächst war es ihm gelungen, den Schulbetrieb aufzunehmen. Im April 2002 hatte er in Schwerin die kleinste private Hochschule der Welt gegründet – die SBS, Schlevogt Business School. Als die private Universität mit 40 Studenten in Schwerin aus allen Nähten platzte, zog er im Jahre 2003 zunächst mit 16 Studenten nach Neustrelitz um. Der damalige Neustrelitzer Bürgermeister Rainer Günther habe ihn in seiner Schule in Schwerin besucht und ihm vorgeschlagen, die Schule in ein größeres Haus in Neustrelitz zu verlagern. 100 000 Euro Fördermittel seien ihm damals von der Stadt Neustrelitz zugesagt worden. Kai-Alexander Schlevogt legte los, erwarb die Parkvilla, begann mit der Renovierung und startete den Management- und Sprachunterricht. Die vorwiegend aus China stammenden Studenten lernten und wohnten in dem zwischen 1913 und 1914 errichteten Palais.

Angebot, in Shanghai eine Niederlassung aufzubauen

Doch dann, so berichtet der heute in Berlin lebende Hochschullehrer, habe ihm eine Intrige, eine Rufmordkampagne, einen Strich durch die Rechnung gemacht. In einer überregionalen Zeitung habe ein Bericht über ihn gestanden, der ihn als unseriös denunzierte. Nichts von dem sei wahr gewesen. „Das hatte irgendjemand lanciert. Wir wissen bis heute nicht, wer.“ Sein Ruf sei ruiniert gewesen.

Die Stadtvertreter hätten alle Fördermittel eingefroren und seine Studenten seien mit einem Male weggegangen. „Das war ganz schlimm“, sagte Schlevogt. Sogar eine Morddrohung habe er damals erhalten. Zu jener Zeit habe er von seinem ehemaligen Arbeitgeber, der international tätigen McKinsey-Unternehmensberatung, das Angebot bekommen, in Shanghai eine Niederlassung aufzubauen. „Da konnte ich einfach nicht Nein sagen.“

Kai-Alexander Schlevogt weiß, dass das Haus von außen ziemlich heruntergekommen aussieht. „Ich habe mich zunächst auf das Gebäudeinnere konzentriert. Die Fassade ist noch nicht saniert. Nur das sehen die Bürger. Darum will ich jetzt einer breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit geben, das beeindruckende Schlossinnere kennen zu lernen.“

Die öffentliche Abschiedsfeier mit Rundgang und Fragestunde beginnt am Sonnabend um 16 Uhr. Einlass ist ab 15.30 Uhr. Zwecks besserer Planbarkeit bittet der Noch-Hausherr um Anmeldung per E-Mail an [email protected] Die Anmeldung ist nicht zwingend, doch sollte der Andrang extrem groß sein, werden registrierte Gäste bevorzugt. Wer weitere Vorschläge zur Gestaltung des Nachmittags oder Lust hat, einen musikalischen Beitrag zu übernehmen oder als Ordnungsdienst zu fungieren, kann ebenfalls per E-Mail Kontakt aufnehmen.

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