WIRTSCHAFT SEENPLATTE

Fusion-Festival Fluch und Segen für regionale Händler

Die Befürworter der Fusion argumentieren auch mit der Wertschöpfung für die Region. Der Nordkurier hat nachgefragt. Das Bild fällt differenziert aus.
Viele Festivalgänger kaufen in den Mirower Supermärkten ein. Zuletzt sei der Einfluss der Fusion auf den Umsatz aber geringer geworden, heißt es von mehreren Seiten.
Viele Festivalgänger kaufen in den Mirower Supermärkten ein. Zuletzt sei der Einfluss der Fusion auf den Umsatz aber geringer geworden, heißt es von mehreren Seiten.
Mirow ·

Wenn 70.000 Menschen in Lärz bei der Fusion feiern, hat das auch Auswirkungen auf die Nachbarorte. Allen voran bekommt Mirow die An- und Abreisewelle zu spüren. Zudem decken sich die Festivalgänger in den Mirower Supermärkten mit allem Nötigen ein.

 

 

 

„Der Einfluss des Festivals auf unsere Filiale ist in den vergangenen Jahren immer geringer geworden“, sagt jedoch Anja Schwerdtfeger von der Penny Markt GmbH. Der Veranstalter biete den Besuchern von Jahr zu Jahr bessere Verpflegungsmöglichkeiten direkt auf dem Festivalgelände an, erklärt sie. Dennoch verzeichne der Mirower Penny-Markt in der Festivalwoche einen leichten Umsatzwachstum. Dieser werde vorrangig durch einen höheren Abverkauf aller Getränkesorten – speziell Dosen – sowie von Obst und Gemüse generiert.

Fahrdienst nimmt Geschäften den Umsatz

Für Cathrin Hempel von der Oil!-Tankstelle überwiegt inzwischen der Ärger, den sie mit der Flut an Festivalgängern hat. „Ganz ehrlich, ich wäre nicht traurig, wenn‘s ausfällt. Wie würden Sie es finden, wenn Horden von 30 bis 40 Leuten auf ihr Gelände pinkeln?“, berichtet sie von unschönen Szenen, die sich zuletzt abspielten. Darüber hinaus gebe es an den Festivaltagen verstärkt Diebstähle, Beschädigungen und Vermüllung an der Tankstelle. Das kleine Umsatzplus in der Zeit sei da nicht der Rede wert.

Der Mirower Gastronom Dirk Kelm hat wiederum nichts dagegen, wenn nur wenige Kilometer neben seinem Imbiss die Mega-Party stattfindet. Kelm ist Inhaber der Brutzel-Hütte, die in der Lärzer Straße in Mirow unweit des Festivalgeländes liegt. Wer aber denkt, dass zur Fusion bei ihm der Rubel rollt, liegt falsch. „Geschäftlich habe ich so gut wie nichts mehr davon, das war früher mal anders“, sagt er. Denn die Zeiten, in denen Tausende Besucher zu Fuß oder mit dem Rad zwischen Lärz und Mirow hin und her pilgerten und seine Brutzel-Hütte passierten, sind längst vorbei. „Die werden inzwischen ja überall hinkutschiert, weil es einen Fahrdienst gibt“, erklärt er.

Einbußen in fünfstelliger Höhe für Kleinseenbahn

Die Kleinseenbahn profitiert hingegen immer noch von der Fusion. Eine Absage würde den Umsatz schmälern, sagt Karsten Attula von der Hanseatischen Eisenbahn GmbH. Das Unternehmen pendelt mit einem Zug auf den Gleisen zwischen Mirow und dem Neustrelitzer Bahnhof, wo ein Großteil der Festivalbesucher mit der Bahn aus Richtung Berlin anreist. „Wir setzen zum Fusion-Festival 30 Zugpaare mehr ein als üblich, das heißt 30 mal mehr wird nach Mirow und wieder zurück gefahren“, erklärt Attula. Insgesamt werden in dieser Zeit laut Unternehmen bis zu 5000 Fahrgäste mehr transportiert. Bei einem Fahrpreis für die einfache Strecke von drei Euro würde die Absage also Einbußen in fünfstelliger Höhe bedeuten.

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Auf zusätzliche Einnahmen müsste auch die Wesenberger Bäckerei Reinhold verzichten. „Wir beliefern die Stände auf dem Festivalgelände mit Brötchen“, erklärt Anke Reinhold. Genaue Zahlen konnte sie auf Anhieb nicht nennen, aber es seien wohl mehrere tausend Brötchen, so Reinhold. Was das Geschäft in der Mirower Filiale der Bäckerei betrifft, so kann sie den Trend bestätigen, von dem auch Dirk Kelm schon berichtet hat. Dort sei seit der Einrichtung eines Festival-Shuttle-Service nicht mehr viel zu spüren von Mehreinnahmen.

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Kommentare (1)

Die Polizei könnte doch mal zur Abwechselung auch die Zahlen veröffentlichen was der ganze Polizeieinsatz sowie von Zoll in den letzten Jahren zusammen gekostet hat. Wenn Landesgerichte inzwischen ihre Urteile gegen Fußballvereine richten, also sprich das der Fußballverein die Polizeikosten für seine Fans zu tragen hat, dann sollte man den Fusion-Veranstaltern das auch mal zukünftig in Rechnung stellen und nicht den Steuerzahler damit weiter belasten. Ich sehe in der Fusion Veranstaltung keine öffentliche Förderung von Allgemeingut oder sonstiger Werten. Das ist absoluter kultureller Müll was hier im Land nur die wenigstens brauchen.