CORONA-KRISE

Gastwirt wartet seit vielen Wochen auf Soforthilfe

Soforthilfe und Kurzarbeitergeld sind gut zwei Monate nach dem Corona-Schock noch nicht bei jedem Gastwirt angekommen. Dabei arbeiten die Behörden auf Hochtouren. Woran hängt’s?
Bernd Fichtelmann nutzt die Zwangspause in der Coronakrise für Reparaturarbeiten rund um seine Gaststätte. Die Sofor
Bernd Fichtelmann nutzt die Zwangspause in der Coronakrise für Reparaturarbeiten rund um seine Gaststätte. Die Soforthilfe des Landes ist bei ihm noch nicht angekommen. Susanne Böhm
Neustrelitz.

Für die Gaststätten an der Seenplatte ist die Krise aufgrund der Corona-Pandemie noch lange nicht beendet. Zwar dürfen sie seit ein paar Tagen wieder öffnen, doch bei vielen kommen die Gäste nur sehr zögerlich. „Die Leute haben Angst. Wir haben am Muttertag eineinhalb Torten verkauft, mehr nicht“, sagt Bernd Fichtelmann von der Inselgaststätte Helgoland in Neustrelitz. Wie viele andere Gastwirte macht er sich ernsthafte Sorgen um sein Familienunternehmen.

Nach zweieinhalb Monaten fast ohne Einnahmen bei laufenden Fixkosten spitzt sich die Lage zu. „Irgendwann ist Ende, dann kommt die Insolvenz.“ Fichtelmann fühlt sich teilweise im Stich gelassen. Auf die Soforthilfe wartet er nämlich noch immer, und das Kurzarbeitsgeld für seine Angestellten kam später, als er gedacht hatte. Allein bei der Soforthilfe geht es nach Fichtelmanns Angaben um 13.000 Euro. In einer langen E-Mail mit dem Betreff „So werden Gaststätten zu Tode gepflegt“ an die Landesregierung, den Hotel- und Gaststättenverband, die Arbeitsagentur, das Landesförderinstitut den Nordkurier und andere Adressaten macht er seinem Unmut Luft. Woran hängt‘s? Im Fall Fichtelmann kommen zusätzlich zu der Ausnahmesituation im Betrieb offenbar mehrere unglückliche Umstände zusammen.

„Spielregeln während des Spiels geändert”

So war sein Antragsformular, dass am 9. April beim Landesförderinstitut (LFI) einging, schon seit dem 1. April nicht mehr gültig. „Hier wurden offensichtlich die Spielregeln während eines Fußballspiels geändert. Eine schnellstmögliche Bearbeitung in dieser Krisensituation sieht anders aus“, sagt er dazu. Außerdem forderte das Landesförderinstitut genauere Auskünfte zum Beispiel zum Liquiditätsengpass, zur betrieblichen Steuernummer und Ähnlichem. Bernd Fichtelmann musste einen neuen Antrag ausfüllen, was er allerdings erst spät bemerkte. Wie er selbst einräumte, las er die entsprechende Mitteilung des LFI nämlich erst nach etlichen Tagen. Wochenenden und Feiertage lagen dazwischen, gewisse Bearbeitungszeiten kamen hinzu – so zogen die Tage ins Land und Familie Fichtelmann hat noch immer keine Soforthilfe. Da sind sie nicht die Einzigen, wenngleich wohl der überwiegende Teil der Unternehmer das Geld bereits erhalten hat.

Rund 42.000 Anträge auf Soforthilfe sind beim Landesförderinstitut eingegangen, 33.382 waren bis Donnerstagabend bewilligt und zur Zahlung angewiesen, teilte Gunnar Bauer aus dem Wirtschaftsministerium am Freitag mit. Rund 324 Millionen nicht rückzahlbare Zuschüsse seien ausgezahlt worden. Zum konkreten Fall aus Neustrelitz äußerte sich das Wirtschaftsministerium nicht. „Wir achten die Persönlichkeitsrechte der Antragsteller.

Kurzarbeitergeld: Überstunden bei der Arbeistagentur

Auch bei der Arbeitsagentur hat die Auszahlung des Kurzarbeitergeldes länger gedauert, als Fichtelmann gedacht hatte. Am Freitag trudelte es auf dem Firmenkonto ein. Das Kurzarbeitsgeld, das war dem Gastwirt nicht bewusst, kann erst genehmigt werden, wenn das Unternehmen seine Mitarbeiter auch wirklich bezahlt hat, erklärte Ronny Steeger von der Arbeitsagentur Neubrandenburg. Das habe Familie Fichtelmann getan. Dann sei alles ganz schnell gegangen. „Wir haben einen höheren vierstelligen Betrag genehmigt, sogar mehr als beantragt wurde. Die Bearbeitung hat gerade einmal fünf Tage gedauert. Das ist eine wirklich gute Leistung, wenn man bedenkt, dass jedes dritte Unternehmen in der Mecklenburgischen Seenplatte Kurzarbeit beantragt hat“, sagte Steeger am Freitag. Das habe nur gelingen können, weil das entsprechende Ressort „massiv verstärkt wurde“. Zusätzliche Kräfte seien aus anderen Bereichen abgezogen und in Windeseile geschult worden. Manche Mitarbeiter seien von 6 bis 20 Uhr mit der Bearbeitung beschäftigt. Ab Montag werde die Zahl der Mitarbeiter noch weiter – von 124 auf 170 – aufgestockt. „Es ist wirklich großartig, wie alle Kollegen dahinter stehen, keiner ist krank, alle wollen, dass die Unternehmen so schnell wie möglich das Geld bekommen.“

Bernd Fichtelmann geht davon aus, dass die Soforthilfe bald eintrudelt. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt er und nutzt die Zwangspause sinnvoll. Er saniert die Brücke, die zu seiner Gaststätte führt und erledigt Reparaturen am Haus – in Eigenregie, viel kosten darf es schließlich nicht.

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