Wertvoller Fund

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Geheimnis um den Silberschatz wird gelüftet

Grabungstechniker bei der Landesarchäologie, Jens Ulrich (links), und Olaf Tamm, ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger, der die Münzen entdeckt hat.
Grabungstechniker bei der Landesarchäologie, Jens Ulrich (links), und Olaf Tamm, ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger, der die Münzen entdeckt hat.
Anett Seidel

Ein Ehrenamtler stieß in der Nähe von Groß Schönfeld auf einen Silberschatz. Lange war nichts zu Alter, Herkunft und Wert der Münzen bekannt. Doch nun geben Archäologen Informationen zu diesem für die Region bisher einmaligen Fund preis.

Ein Zufallsfund, der sich als Schatz entpuppte. Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Olaf Tamm ist noch immer begeistert, wenn er von dem Tag berichtet, als er mit seiner Frau zu einem Spaziergang aufbrach und auf einem Acker in der Nähe von Groß Schönfeld auf einen Silberschatz stieß. In seiner ehrenamtlichen Funktion ist es ihm gestattet, einen Metalldetektor einzusetzen und den hatte er auch an diesem Tag dabei. Der stieß an diesem Nachmittag – Ostern 2015 – auch an.

„Ein Volltreffer“, beschreibt Olaf Tamm. Zehn historische Münzen fand er. Innerhalb der nächsten Tage befreite er um die 30 Silbermünzen aus der Erde. Er alarmierte die Landesarchäologie und in der Woche darauf konnten bereits 120 Münzen geborgen werden. „Wir wussten, dass da noch mehr ist“, sagt Grabungsleiter Jens Ulrich rückblickend. Mit Bagger und zehn Leuten setze eine Grabungsaktion auf einer relativ kleinen Fläche ein. „Wir haben Schicht für Schicht abgetragen, jede Münze eingemessen und aus dem lehmigen Boden geholt“, beschreibt der Archäologie die Arbeiten. Ein richtiges Erlebnis sei das gewesen für alle Beteiligen, denn so ein Fund ist schon etwas ganz Besonderes.

In einem Gefäß vergraben

Am Ende hatten die Fachleute um die 700 der tausend Jahre alten Silbermünzen gesichert. So einen Fund gab es bisher im Strelitzer Raum noch nie. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich dabei um Münzen um 1050. Ganz genaue Angaben können die Landesarchäologen dazu aber noch nicht machen. Sie sind derzeit auf der Suche nach einem Wissenschaftler, der den Schatz genau aufarbeitet.

Fest steht, dass das Geld womöglich in einem Gefäß vergraben wurde. „Wir haben aber nur eine Scherbe eines solchen Gefäßes gefunden“, sagt der Grabungsleiter. Möglicherweise hat der Pflug an dieser Stelle dafür gesorgt, dass es zu Bruch ging. Den Wert des Schatzes schmälert dies aber nicht. Die Münzen wurden inzwischen in der Neustrelitzer Außenstelle der Landesarchäologie gereinigt und Stück für Stück inventarisiert. Bei dem ältesten Pfennig handelt es sich um eine arabische Münze, so Jens Ulrich. „Dabei handelt es sich um das einzige Geld, das im 8. und 9. Jahrhundert vorkam und über russische Ströme zu uns gelangte.“ Von den Hochrandpfennigen oder auch Sachsenpfennigen gibt es gleich mehrere. Ungarn, Konstantinopel, Halberstadter Stadtansicht, die Hand Gottes, König Ethelred – Jens Ulrich kann schon jetzt jede Menge über die Herkunft des Schatzes sagen und geschichtliche Zusammenhänge aufzeigen. Auf Handelsbeziehungen von damals lassen sich außerdem Rückschlüsse ziehen.

Das Geld gehörte vermutlich einem Händler oder Kaufmann, auf jeden Fall einem ziemlich reichen Menschen. „Mehrere Pferde, Sklaven oder auch Schwerter hätte man damals davon kaufen können“, sagen Jens Ulrich und Olaf Tamm.

Funde gehören dem Land

Warum in der Landesbehörde so lange Stillschweigen über den wertvollen Fund geherrscht hat, weiß Leiter Dr. Detlef Jantzen. Es gebe zu viele Plünderer, die sich erfahrungsgemäß über solche Stellen hermachen würden, wenn diese bekannt werden. Ihre Fundstücke werden dann nicht wissenschaftlichen Untersuchungen zu Verfügung gestellt, sondern im Internet illegal verkauft. Dabei sind solche Funde stets Eigentum des Landes und äußerst wichtig für die Arbeit der Bodendenkmalpfleger.