Klaus Granitzki (rechts) und Andreas Buddenbohm vom Geowissenschaftlichen Verein Neubrandenburg sind froh, dass die Geinitz-Si
Klaus Granitzki (rechts) und Andreas Buddenbohm vom Geowissenschaftlichen Verein Neubrandenburg sind froh, dass die Geinitz-Sicht wieder eine ansehnliche Info-Tafel hat. Sie wurde kürzlich installiert. Tobias Lemke
Klaus Granitzki hat in seinen Unterlagen auch eine Kopie der Aufzeichnungen von Eugen Geinitz, die er 1913 nach einer geowisse
Klaus Granitzki hat in seinen Unterlagen auch eine Kopie der Aufzeichnungen von Eugen Geinitz, die er 1913 nach einer geowissenschaftlichen Wanderung bei Usadel angefertigt hatte. Tobias Lemke
Eiszeit

Geologen polieren die allerschönste Sicht auf die Lieps auf

Weil die Infotafel am Aussichtspunkt über die Lieps in die Jahre gekommen war und auch der Vandalismus Spuren hinterließ, wurde nun eine neue montiert.
Usadel

Seit einigen Tagen bekommen Besucher an der Geinitz-Sicht bei Usadel wieder fundiertes Wissen präsentiert. Die Schautafel auf dem Findling wurde im Auftrag des Geowissenschaftlichen Vereins Neubrandenburg erneuert und pünktlich vor dem Geburtstag des Namensgebers der bekannten und beliebten Aussicht wieder installiert.

Eugen Geinitz, geboren am 15. Februar 1854, war der erste Landesgeologe Mecklenburgs. Mit ihm begann Ende des 19. Jahrhunderts die systematische geologische Erforschung mecklenburgischer Landschaften. Im Jahr 2013 wurde eine der schönsten Aussichtspunkte der Region, der bis dahin namenlose Landschaftsblick über die Lieps bei Usadel, nach ihm benannt.

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Eiszeit hat hier die Landschaft geformt

Eis und Wasser haben hier vor rund 17 000 Jahren eine für norddeutsche Verhältnisse gewaltige Hügellandschaft während der Weichsel-Kaltzeit geformt. „Das Besondere: Schmelzwasser lief hier unter dem Druck des Eisschildes sogar bergauf“, erklärt Andreas Buddenbohm vom Geowissenschaftlichen Verein. Ein besonderer, also würdiger Ort, der den Namen Geinitz‘ bekommen hat.

Seine Forschungen führten den Wissenschaftler, der ab 1881 die Leitung des neu gegründeten Mineralogisch-geologischen Institutes in Rostock übernommen hatte, natürlich auch ins Tollensetal und an die Lieps, weiß Geologe Klaus Granitzki aus Usadel zu berichten. So sind im Archiv des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow seine Feldaufzeichnung aus dem August 1913 zu finden, als er die Landschaft zwischen Lieps und dem Wanzkaer See auf einer Wanderung näher untersuchte.

Klaus Granitzki behauptet zwar nicht, dass die Geinitz-Sicht bei Usadel der allerschönste Aussichtspunkt des Landes sei, aber er zähle mit Sicherheit zur Topliste. „Und er dürfte wohl der am stärksten frequentierte sein“, vermutet der Geologe im Ruhestand.

Viele Reisende machen hier gern Rast

Direkt an der Bundesstraße 96 gelegen und am früheren Standort des Mitropa-Motels, fahren hier immer noch viele Reisende ab, um auf dem Parkplatz direkt an der Aussichtsstelle eine Rast einzulegen.

Eine erste installierte Infotafel war nach acht Jahren nun nicht mehr ansehnlich, leider auch aufgrund von Vandalismus, erklärt Buddenbohm. Daher sei der Entschluss gefasst worden, sie durch ein neues Exemplar zu ersetzen. Rund die Hälfte der Kosten konnte dabei mithilfe privater Sponsoren zusammengetragen werden. Eine Potsdamer Familie, die regelmäßig auf der B96 in Richtung Ostsee unterwegs ist und stets an der Lieps eine Pause einlegt, habe sich zum Beispiel beim Verein gemeldet. Ihnen sei die lädierte Tafel aufgefallen und sie haben tatsächlich Geld für eine Neuanschaffung gespendet, berichtet Buddenbohm von einer tollen Geschichte.

Im Hinblick auf die Erinnerung an das Schaffen von Eugen Geinitz hat der Geowissenschaftliche Verein in diesem Jahr übrigens noch etwas vor. 2022 jährt sich zum 100. Mal das Erscheinen von Geinitz‘ Buch und Lebenswerk „Die Geologie Mecklenburgs“. Das Buch habe noch bis ins Jahr 2004 als Standardwerk seine Geltung gehabt. Geplant sei ein Ehrenkolloquium anlässlich des Jubiläums der Erscheinung.

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