DENKMALTAG

Gotische Türmchen zieren wieder Kapelle

Auf der Jahn-Kapelle in Klein Vielen stehen wieder die ersten Fialen. Unter anderem diese Schmuckelemente geben dem Denkmalbau seinen wirklichen Charakter zurück. Zudem gibt es Neuigkeiten aus der Familiengeschichte des Erbauers.
Vieles an der Kapelle in Klein Vielen deutet darauf hin, dass Hofbaumeister Friedrich Wilhelm Buttel seine Finger mit im Spiel
Vieles an der Kapelle in Klein Vielen deutet darauf hin, dass Hofbaumeister Friedrich Wilhelm Buttel seine Finger mit im Spiel hatte, erklärt Annegret Stein. Tobias Lemke
Klein Vielen.

Die Sanierungsarbeiten an der Kapelle in Klein Vielen sind im dritten und eventuell letzten Bauabschnitt angekommen. Wann das Baugerüst wieder verschwinden kann, sei aber noch nicht abzuschätzen, erklärt Annegret Stein, Vorsitzende des Fördervereins Jahn-Kapelle. Am zurückliegenden Wochenende konnten sich Besucher am Tag des Denkmals ein Bild vom Stand der Restaurierung machen.

Wie die Kerzen auf einer Torte

Aktuell werden 16 Fialen, die gotischen Ziertürmchen, wieder aufgebaut. Ähnlich wie die Kerzen auf einer Geburtstagstorte, würden die Fialen erst das Wesen des Denkmalbaus ausmachen, sagt Stein. Umso erfreulicher, dass es nun gelungen sei, diese Schmuckelemente wieder aufbauen zu können. Einige Fialen konnten bereits komplett aus den vorhandenen alten Steinen gemauert werden. Andere müssen neu aufgebaut werden. „Es gibt nur eine Ziegelmanufaktur in der Nähe, die dafür die Formsteine brennen kann“, erklärt Stein. Entsprechend zeitintensiv und aufwendig laufen die Arbeiten ab.

Etliche Arbeiten in Eigenleistung

Zudem steht die Sanierung der Fenster an. Ein Fenster werde die originale Bleiverglasung erhalten, alle weiteren dann eine Sicherheitsverglasung. In den Vorjahren wurden bereits beide Dächer, der Turm und die Fassade saniert. Obenauf erhielt die Kapelle eine neue Laterne und die vergoldete Kreuzblume. Außerdem wurden etliche Arbeiten im Umfeld auf dem Klingenberg ausgeführt, etwa das Auslichten des Wäldchens, die Pflege der Stützmauer und Wiederanlage des Schneckenwegs hinauf zur Kapelle. Weiterhin wurde ein Stromkabel verlegt. Gerade solche Arbeiten werden in Eigenleistung durch den Verein erbracht, da es dafür zumeist keine Fördergelder gibt.

Für den dritten Bauabschnitt hat der Förderverein rund 350  000 Euro aus dem Landesprogramm für identitätsstiftende Projekte erhalten. Damit sind mehr als eine Million Euro ins Sanierungsprojekt geflossen. „Es heißt aber noch weiterhin, Daumen zu drücken. Wir hoffen, dass das Geld auch für die Sanierung des Portals reicht“, sagt Stein. Noch stehe nicht abschließend fest, ob diese Arbeiten ebenfalls im Zuge des dritten Bauabschnitts gelingen können. Es sei zu merken, wie über die Jahre das Interesse, übrigens nicht nur der Klein Vielener, am Projekt gestiegen sei. Es gebe viele treue Spender. „Das Vorhaben wird ideell mitgetragen“, sagt Stein.

Welche Rolle Turnvater Jahn spielt

Auch die Forschung über die ehemalige Gutsbesitzerfamilie Jahn ist um einen interessanten Punkt reicher geworden. Hermann Behrens von der Hochschule Neubrandenburg hat sich mit der Familiengeschichte der Jahns beschäftigt und anlässlich des 850-jährigen Dorfjubiläums am Wochenende einen Vortrag gehalten. Behrens konnte verwandtschaftliche Beziehungen zu Friedrich Ludwig Jahn herstellen, der als Turnvater in die deutsche Geschichte einging. Demnach handelte es sich beim einstigen Käufer des Gut Klein Vielens, Rudolph Jahn, um einen Großonkel des bekannten deutschen „Vorturners“.Rudolph Jahns Sohn Eduard Rudolf wiederum war später der Auftraggeber für die Kapelle.

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