CORONAVIRUS

▶️Gottesdienst tut vielen gerade wegen der Krise gut

Irgendwie war alles anders und trotzdem hatte der traditionelle Himmelfahrtsgottesdienst in Steinmühle etwas Vertrautes. Denn einen Vormittag voller Zusammenhalt, Musik und guter Laune kann die Corona-Krise offenbar nicht verhindern.
Mit Kind und Kegel hatten es sich die Gottesdienstbesucher auf der Wiese am Grünower See bequem gemacht. Rund 100 Besuche
Mit Kind und Kegel hatten es sich die Gottesdienstbesucher auf der Wiese am Grünower See bequem gemacht. Rund 100 Besucher waren gekommen. Susanne Böhm
Pastorin Friederike Pohle ist froh und erleichtert, dass Gottesdienste wieder möglich sind.
Pastorin Friederike Pohle ist froh und erleichtert, dass Gottesdienste wieder möglich sind. Susanne Böhm
Carpin.

Unter dem Zeichen von Distanz und Nähe stand der Himmelfahrtsgottesdienst, zu dem sich am gestrigen Donnerstag rund 100 Menschen am Jugendwaldheim Steinmühle bei Carpin versammelt hatten. Einerseits hielten alle gebührenden Sicherheitsabstand voneinander, andererseits waren die Gläubigen froh, sich überhaupt mal wieder begegnen zu dürfen. Es war ein schöner Vormittag bei strahlender Sonne mit Predigt, Posaunenchor und Urlaubsstimmung, wenngleich wegen der Corona-Krise „Gewohntes fehlte, das den Gottesdienst seit vielen Jahren ausmacht“, wie Pastorin Friederike Pohle sagte.

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Anfahrt nur zu Fuß oder per Rad

Schon die Anreise gestaltete sich schwieriger, denn der Shuttlebus, der normalerweise zwischen Carpin und Steinmühle pendelt, fuhr wegen der Ansteckungsgefahr nicht. Zu Fuß oder mit Fahrrädern kamen die Gottesdienstbesucher an den Grünower See. Der Weg zur Andacht führte vorbei an einem Desinfektionsgerät. „Das mussten wir aufstellen, es besteht aber keine Pflicht, sich die Hände zu desinfizieren“, erklärte Friederike Pohle. Trotzdem wurde das Angebot rege genutzt. Desinfizieren gehört für viele mittlerweile offenbar selbstverständlich zum Alltag. Auch Maskenpflicht gab es keine. Dennoch kamen und gingen viele Besucher mit Mund- und Nasenschutz, auch die Pastoren. Singen war verboten, und es sang auch keiner – jedenfalls nicht laut.

„Wie in einer Fernbeziehung”

„Wir singen mit der Kraft des Herzens, des Verstandes und der Seele. Auch wenn wir nicht singen dürfen, tun wir es doch“, sagte der Parchimer Propst Dirk Sauermann in seiner Predigt. Er machte den Menschen Mut, trotz Abstandsregeln die Verbindung untereinander nicht zu verlieren. „Wir sind auf vertrauensvolle Nähe angewiesen. Ich empfinde Zuversicht. Nähe kann entstehen, auch wenn die Distanz größer geworden ist. Man schaut auf das, was verbindet“, sagte er. In diesem Fall sei dies der Glaube. „Wir sprechen die gleichen Gebete, singen die gleichen Lieder.“ Die Kirchengemeinde halte zusammen,„wie in einer Fernbeziehung“.

Der Mut zu Neuem soll bleiben

Froh und erleichtert zeigte sich Friederike Pohle darüber, dass Gottesdienste und Besuche seit einer Weile unter strengen Auflagen wieder möglich sind. „Die Menschen waren erschrocken, es gab viel Traurigkeit, vor allem bei den Älteren. Wie im Himmel habe ich mich gefühlt, als ich wieder durch die Dörfer fahren und die Menschen an den Haustüren besuchen konnte.“ Dennoch sei in der Krise auch etwas Gutes entstanden. Mit viel Einfallsreichtum hätten ihre Kollegen und sie den Kontakt mit den Gemeindemitgliedern gehalten und die Gemeinschaft gestärkt. Kirchenglocken wurden zeitgleich geläutet, Posaunen spielten spontan an Kirchen, und auch das Internet wurde bemüht. Den Mut zu Neuem möchte Friederike Pohle beibehalten. „Weg vom Standard, das macht Spaß und tut gut.“ Ideen wolle sie noch nicht verraten. Man dürfe gespannt sein.

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