VORSCHLAG AUS BERLIN

Graffiti-Künstler schlägt Wesenbergern legale Wände vor

Zwei Mal wurde die Burg in Wesenberg beschmiert. In der Stadt wird sich der Kopf zerbrochen, wie sich eine Wiederholung vermeiden lässt.
Mit kunstvollen Graffiti haben die Schriftzeichen an der Burgfassade in Wesenberg nicht sehr viel zu tun. Stars der Szene werd
Mit kunstvollen Graffiti haben die Schriftzeichen an der Burgfassade in Wesenberg nicht sehr viel zu tun. Stars der Szene werden für ihre legale Graffiti-Kunst aber sogar bezahlt, weiß der Berliner Jurij Paderin. Thomas Zander
Wesenberg.

Die beschmierte Wesenberger Burg hat selbst in der Hauptstadt für Aufsehen gesorgt. Beim Nordkurier hat sich der Berliner Graffiti-Künstler und Netzwerker Jurij Paderin zu Wort gemeldet. Er schlägt den Wesenbergern sogenannte legale Wände vor. Dabei handelt es sich um Orte, an denen Graffitis geduldet werden und sogar erwünscht sind. „Es gibt viele Städte, die damit positive Erfahrungen gemacht haben“, erklärt Paderin.

Der 39-Jährige gehört zu den Initiatoren der Graffiti-Lobby Berlin. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von Künstlern, Sozialarbeitern, Politikern, bis hin zu Stadtplanern und Unternehmern aus der Kreativwirtschaft. Die Lobby will die Graffiti-Kultur aktiv pflegen und fördern sowie für die Anerkennung von Graffiti als Kunstform werben. Ein Ziel der Vereinigung ist zudem, für die Einrichtung von legalen, frei zugänglichen Flächen für Sprüher zu sorgen.

Binnen kurzer Zeit zwei Mal Ziel von Graffiti-Sprayern

„Natürlich ist es eine Straftat“, sagt Paderin zur beschmierten Burg in Wesenberg. „Aber die Frage ist doch, ob es was bringt ein Kopfgeld auszusetzen oder aber ein anderer Weg mehr bringen kann“, so der Berliner. Die Mauern des Wesenberger Wahrzeichens waren zuletzt binnen kurzer Zeit zwei Mal das Ziel von Graffiti-Sprayern. Daraufhin hatte der Bürgermeister der Kleinstadt eine Belohnung in Höhe von 250 Euro in Aussicht gestellt für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter oder des Täters führen.

Paderin denkt, der Stadt wäre mehr geholfen, wenn das Geld stattdessen in Projekte wie der Einrichtung einer legalen Wand und für Graffiti-Workshops für Jugendliche ausgegeben wird. Das könne zum Beispiel mit Partnern wie einem Jugendclub, Schulen oder Wohnungsvermietern umgesetzt werden. „Streng genommen zeigt hier doch jemand, dass er gestalten will. Die Kids haben nur kaum Übung darin“, deutet Paderin die Schmierereien mal von einer ganz anderen Seite. Der Berliner macht aber auch keinen Hehl daraus, dass Dinge wie der „Fame“, also der Ruhm eines Sprühers, in der Szene eine große Rolle spielen. „Den Fame holt man sich entweder durch Quantität oder aber über Qualität“, so Paderin. Bei Letzterem könne man eben ansetzen, unter Anleitung von Profis an einer legalen Wand.

„Da wären wir bestimmt nicht abgeneigt”

Im Übrigen würde dabei auch der Ehrenkodex weitervermittelt. Dazu zählt zum Beispiel, dass keine Kirchen, Friedhöfe oder Privatautos besprüht werden. Wenn der Wunsch der Stadt nach einer legalen Graffiti-Wand bestehe, könne sich Wesenbergs Jugendklubleiterin Manuela Heldt ein Projekt beim Jugendklub durchaus vorstellen. „Da wären wir bestimmt nicht abgeneigt. Jedoch muss das dann in Verantwortung der Stadt erfolgen“, sagt sie.

Ob am Ende aber die Richtigen einen Workshop besuchen und eine legale Wand nutzen, da hat Heldt ihre Zweifel. So hätten sich eben auch die Jugendlichen, die regelmäßig den Klub besuchen, über die Schmiererei auf dem Spielplatz unterhalb der Burg aufgeregt.

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