Wohnungsmarkt

Große Wohnungen in Neustrelitz heiß begehrt – sogar in der Platte

Haben wir in Neustrelitz bald Berliner Verhältnisse? Immer mehr Menschen sind auf Wohnungssuche, aber bezahlbarer Wohnraum ist knapp.
Besser als ihr Ruf: Die Platte im Neustrelitzer Stadtteil Keifernheide sei bei Wohnungssuchenden in den Vorjahren angenommen w
Besser als ihr Ruf: Die Platte im Neustrelitzer Stadtteil Keifernheide sei bei Wohnungssuchenden in den Vorjahren angenommen worden, sagen die Vermieter. Tobias Lemke
Neustrelitz

Der Mietspiegel in Neustrelitz bietet eine Übersicht über die ortsübliche Vergleichsmiete und dient zur Orientierung für Wohnungssuchende. Er liefert Informationen zur Entwicklung der Mietpreise. 2020 lag die Warmmiete noch bei 8,44 Euro pro Quadratmeter, in diesem Jahr schon bei 8,90 Euro pro Quadratmeter. Auch 2022 wird erwartet, dass die Mieten aufgrund steigender Nebenkosten eher steigen als fallen.

Oft mehrere Bewerber

Auf eine ausgeschriebene Wohnung kommen häufig mehrere Bewerber. Die Vermieter können sich die besten Kandidaten heraussuchen. Gehälter müssen offen gelegt werden, eine aktuelle Schufa-Auskunft wird abgefragt, Bescheinigungen über das letzte Mietverhältnis und mehr werden abgefragt – etwa auch, ob Haustiere vorhanden sind und ob eventuell eine Räumungsklage anhängig ist.

Bei der Modernen Wohnungsbaugenossenschaft Neustrelitz (MWG), die rund 1500 Wohnungen im Bestand hat, werden einige Wohnungen, die aufgrund von Altschuldenbelastungen und instandsetzungsbedingt aus dem Portfolio gefallen sind, dem Bestand sukzessive wieder zugeführt. Der Wohnungsknappheit begegnet die MWG zusätzlich durch Veränderungen der Grundrisse. Da besonders die Nachfrage nach großen Wohnungen steigt, werden kleinere Wohnungen zusammengelegt, um zum Beispiel auch Sechs-Zimmer-Wohnungen zu realisieren. Für 2022 sind in Kiefernheide 20 Balkone geplant. Zwei neue Aufzüge werden zusätzlich an einen Plattenbau im Pablo-Neruda-Ring angebaut.

Weshalb Umzüge verschoben werden

„1,5 Millionen Euro werden für die Modernisierung in die Hand genommen“, sagt Vorstandsvorsitzender Dirk Walde, der seit 30 Jahren in der Wohnungswirtschaft tätig ist. In den letzten drei bis vier Jahren verzeichnet die MWG eine Zunahme der Wohnungssuchenden. Am Anfang eines Jahres ist der Run auf die Wohnungen besonders zu merken. „In der Innenstadt bekommt man mittlerweile nichts mehr. Vier-Zimmer-Wohnungen, auch in höheren Geschosslagen, sind im Moment sehr gefragt“, so Walde. „Steigt die Coronakurve an, flaut der Wohnungswechsel auch ab“, hat Walde festgestellt. Die Mieter zögern und verschieben lieber den Umzug, obwohl das Vermietungsgeschäft unter Einhaltung aller Regeln bei der MWG weitergeht.

Übrigens: „Die Platte ist besser als ihr Ruf“, bemerkt Walde. Im Stadtviertel Kiefernheide vollzieht sich derzeit ein Wandel. "Die Ausstattung der Wohnungen wird verbessert. Eine Wohnung im Kiefernheidener Plattenbau ist aufgrund angrenzender Spielplätze und Parkflächen für viele attraktiver geworden als in der Innenstadt. „Der Trend geht immer mehr in die Richtung, dass Pendler aus Berlin, Wohnungen in Neustrelitz anmieten, da der Wohnraum in Berlin knapp ist. Das liegt sicherlich auch an der guten Bahnanbindung“, sagt Walde. Viele Wohnungssuchende stehen bei der MWG auch auf der Warteliste.

Wohnungen im Wäschehaus geplant

Die Neustrelitzer Wohnungsgesellschaft neuwo hat derzeit rund 200 leer stehende Wohnungen im Bestand. Altbauwohnungen in der Innenstadt sind auch beim größten Vermieter in der Stadt gefragt und schnell wieder vermietet. „Ich sehe den Wohnungsmarkt aber nicht als angespannt. Die Ansprüche der Mieter sind einfach gewachsen“, sagt neuwo-Chef Uwe Engelmann. Vor einigen Jahren waren noch Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen gefragt, heute sind es eher größere Wohnungen ab vier Zimmer. Ältere Bürger, die etwa ihr Eigenheim verkaufen und wieder in eine Mietwohnung ziehen, wünschen sich 90 bis 110 Quadratmeter. Die Maximalgröße der Vier-Zimmer-Wohnungen liegt bei der Neuwo aber für gewöhnlich bei 76 Quadratmeter.

Derzeit laufen noch bis Anfang des nächsten Jahres die Sanierungen in der Friedrich-Wilhelm-Straße und im ehemaligen Wäschehaus hinterm Carolinenstift. Im historischen Wäschehaus sollen zwei neue individuelle Wohnungen entstehen, eine komplett über die gesamte Etage. „Die Sanierung ist aufwendig, Baumaterial und Handwerker sind knapp“, so Engelmann. Vermietet werden freie Wohnungen eher an Neustrelitzer, aber auch Zuzug aus Berlin sei zu verzeichnen. Grundsätzlich gebe es in Neustrelitz mehr Zuziehende als Wegziehende.

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Kommentare (3)

wurde nicht genau darum vor einiger Zeit geworben? Mehr Leute nach Neustelitz zu holen weil doch alles so schön und lebenswert ist und Berlin ja quasi um´s Eck liegt. Selbst Schuld hihihi

Es gibt leider generell kaum große Wohnungen. Ich bin auch bereit über 1500€ Miete zu zahlen aber es gibt einfach wenig bis keine moderne große Wohnungen (120-150qm) in der Gegend.

sollte es eigentlich einen entspannten Wohnungsmarkt geben, wenn ich davon ausgehe, daß man vor wenigen Tagen noch einen Leerstand beklagte und versuchte, mit verzweifelter und überall vernehmbarer Botschaft,"wir haben Platz", Interesse dafür zu erwecken. Ich nehme an, daß es dann wirklich der Realität entspricht oder doch nicht?