PARTY IN FELDBERG

▶ Großes Aufräumen nach dem 3000-Grad-Festival

Die Gäste haben Feldberg verlassen – doch in der Kieskuhle ist weiter emsig Bewegung. Bis zum letzten Zigarettenstummel wollen die Veranstalter des 3000-Grad-Festivals den Müll aufsammeln.
Susanne Böhm Susanne Böhm
Mit Sack und Pack traten am Montag die letzten Festivalgäste den Heimweg an. Foto: Susanne Böhm
Mit Sack und Pack traten am Montag die letzten Festivalgäste den Heimweg an. Foto: Susanne Böhm
Zum neunten Mal war in der Feldberger Kieskuhle gefeiert worden.
Zum neunten Mal war in der Feldberger Kieskuhle gefeiert worden. Archiv
Feldberg.

Das neunte 3000 Grad-Festival ist vorbei. Bis 15 Uhr war gestern der letzte Caravan vom Stellplatz gerollt, das letzte Zelt abgebaut und der letzte Kleinbus abgefahren. Während die Aufräumarbeiten bereits in vollem Gang waren, traten die Festivalgäste beschwingt, aber auch ein kleines bisschen wehmütig die Heimreise an. Wer nicht mit eigenem fahrbaren Untersatz fuhr, nutzte Shuttle-Busse zum Bahnhof in Fürstenberg. Manche waren sogar mit dem Fahrrad angereist.

Knapp 5000 Leute, vom Kleinkind bis zum Senior, hatten das Wochenende in der Feldberger Kieskuhle verbracht. Mehr als die Hälfte von ihnen nutzten auch den letzten Partytag voll aus und blieben, bis der Platz geräumt sein musste. Einige zogen in Ferienwohnungen oder auf Zeltplätze um und machen noch einige Tage Urlaub im Land der tausend Seen. „Alles friedlich, sauber, gut organisiert“, fasste Ordnungsamtsleiter Reiner Stöhring am Montagnachmittag die Lage zusammen. Auch die Veranstalter waren zufrieden. „Die Gäste hatten gute Laune, waren entspannt, sind für ein Wochenende in eine bessere Welt abgetaucht. Genau so soll es sein“, sagte Steffi Müller vom Verein „3000 Grad Musik und Kultur“. Bis zum 30. August müssen alle Festivalflächen picobello sauber sein. So steht es im Vertrag, den der Veranstalter mit der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft geschlossen hat. „Wir geben alles dafür, es zu schaffen. Die Leute sind super eifrig. Es sieht gut aus. Wir liegen gut in der Zeit.“

Dabei habe das Aufräum-Team jedes Jahr weniger zu tun. „Wir haben allgemein sehr saubere Gäste, aber wir sind jedes Jahr schneller durch. Auch dieses Mal waren die Gäste noch achtsamer, haben sogar die kleinsten Schnipsel vom Campingplatz gesammelt. Das ist super, weil wir weniger Arbeit haben und unser Gedanke von Nachhaltigkeit und besserer Welt offenbar ankommt und überschwappt. Gerade die jungen Leute sind ja sehr aufgeschlossen für das Thema.“ Von einem Pfandsystem für Trinkbecher über Solarstrom und tragbare Aschenbecher bis zu Bio-Toiletten haben die Veranstalter vieles unternommen, um die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten.

Anwohner sauer über Dauer und Lautstärke der Party

Belastet werden sollten auch die Anwohner nicht. Die Lärmschutzauflagen waren wieder hoch und haben offenbar Wirkung gezeigt. Beim Ordnungsamt ging nur eine Beschwerde aus der Klinik am Haussee ein. Beim Veranstalter gab es keine Beanstandung. „Ich habe den Eindruck, dass die Akzeptanz bei den Einwohnern steigt“, sagte Reiner Stöhring. Viele freuten sich sogar über die Party vor ihrer Haustür und feierten selbst mit.

Peter Kunze in Hullerbusch fühlte sich aber erheblich belästigt. Zunächst sei noch alles in Ordnung gewesen. „Ich bin überrascht, dass es auch hier in Hullerbusch nicht so laut ist, wie in den vergangenen Jahren. Bei geschlossenen Fenstern ist nur wenig vom Festival zu hören, mit Ohrstöpseln ist Schlafen auf jeden Fall möglich“, schrieb er in der Nacht zu Sonnabend an den Nordkurier. Doch er hatte sich zu früh gefreut, denn kurz darauf wendete sich das Blatt. „Die Nacht zu Sonnabend hatte ich zu früh gelobt. Nach Ende des Regens ging es kurz nach 1 Uhr richtig zur Sache, auch die Ohrstöpsel und geschlossenen Fenster halfen nicht, durchgängig zu schlafen. Die vergangene Nacht war ebenfalls unangenehm laut“, berichtete er in der Nacht zu Montag. „Wir hören keine Musik, sondernden Krach, die Bässe von vier Bühnen. Es war eine Katastrophe.“ Nicht allein die Lautstärke, auch die Dauer der Party sei unzumutbar.

Steffi Müller bedauert das und weist darauf hin, dass natürlich auch Richtung Hullerbusch alles unternommen wird, damit der Geräuschpegel im Rahmen bleibt. Zusätzlich zu der Steilwand der Kieskuhle, die als natürlicher Schalldämpfer fungiert, würden auch an der Hullerbuschseite Wassertanks stehen. „Das ist die effektivste Variante, die für ein unkommerzielles Festival bezahlbar ist.“

Reiner Stöhring erklärte, dass Hullerbusch der am stärksten überwachte Ort ist. Im Garten von Peter Kunze sei eine Messstation installiert worden, die den Lärmpegel überwacht. Wenn der Lärm grenzwertig wurde, habe die Bühne ein Signal bekommen und die Musik leiser gedreht. Nie sei der zulässige Wert überschritten worden. Steffi Müller kündigte an, sich mit Peter Kunze in Verbindung zu setzen. Vielleicht, so überlegte sie, könne ihm im nächsten Jahr mit einem Hotelzimmer geholfen werden.

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