TRAUER

Grünows Kirche lässt weltliche Trauerfeiern zu

In Grünow gibt es einen Friedhof, aber keine Trauerhalle. Wer seine Toten in Würde bestatten wollte, hatte bisher ein Problem. Das hat sich nun erledigt. Die Kirche zeigt sich offen.
Die Kirche in Grünow kann nun auch für weltliche Trauerfeiern genutzt werden. Pastorin Friederike Pohle und der Kirchgemeinderat haben diesen Beschluss  gefasst.
Die Kirche in Grünow kann nun auch für weltliche Trauerfeiern genutzt werden. Pastorin Friederike Pohle und der Kirchgemeinderat haben diesen Beschluss gefasst. Heike Sommer
Grünow.

Es hat eine Weile gebraucht, bis sich der Kirchgemeinderat der Kirchengemeinde Grünow-Triepkendorf zu diesem Schritt durchgerungen hat. Aber nun ist es beschlossene Sache: In der Grünower Kirche dürfen weltliche Trauerfeiern stattfinden. Bisher war es für Nichtgläubige zwar möglich, eine Grabstelle auf dem kirchlichen Friedhof zu erwerben. Aber zur Trauerfeier stand die Kirche nicht zur Verfügung. Ein Dilemma. Denn die Gemeinde hat auch keine eigene Trauerhalle.

„Die Feiern konnten nur im Vorraum der Kirche stattfinden und der ist sehr klein“, sagt Pastorin Friederike Pohle. Der Platz reicht gerade mal, um den Sarg aufzubahren. „Höchstens zehn Gäste können sich hier aufhalten, der Rest der Trauergesellschaft muss vor der Kirche bleiben“, sagt Friederike Pohle. Bei schönem Wetter war das keine Problem, bot der Kirchhof eine beschauliche und tröstliche Umgebung. Bei Regen war das weniger der Fall. „Es finden im Jahr nur wenige Bestattungen im Dorf statt. Aber die, die stattfinden, sollten in Würde stattfinden können“, so die Überzeugung der Pastorin, die sie mit ihren Kirchenältesten teilt.

„Es ist ein guter Ort”

Dass der Entscheidungsprozess so lange gedauert hat – etwa vor zwei Jahren wandte sich die Gemeinde Grünow mit dem Anliegen an die Kirchgemeinde, lag auch daran, dass Pastorin Pohle in Elternzeit war und ihre Vertretung diese Entscheidung nicht treffen wollte. Aber auch die Mitglieder des Kirchgemeinderates baten sich Bedenkzeit aus. „Da spielten Erfahrungen aus DDR-Zeiten eine Rolle. So gab es unschöne Erlebnisse auf Trauerfeiern, die politisch aufgeladen waren und bei denen scharfe Kritik gegen die Kirche geäußert wurde“, sagt Friederike Pohle.

Sie selbst hat diese Erfahrungen nicht gemacht, ist zu jung dafür. Letztlich überwog die Überzeugung, dass es auch ein Akt der Nächstenliebe ist, das Gotteshaus für weltliche Trauerfeiern zu öffnen. Schließlich verbinde viele Menschen im Dorf etwas mit der Kirche. „Auch wenn sie selbst nicht mehr Mitglied sind, wurden sie hier vielleicht getauft oder die Eltern und Großeltern getraut. Es ist ein guter Ort. Das höre ich oft“, sagt die Pastorin.

Kirchenglocken müssen schweigen

Allerdings gibt es einige Regeln, die bei der Nutzung der Grünower Kirche zu befolgen sind. „Wir möchten, dass die Angehörigen und nicht nur das Bestattungsinstitut mit uns Kontakt aufnimmt“, beginnt Friederike Pohle aufzuzählen. Zudem darf das Kreuz in der Kirche nicht mit Tüchern verhängt sowie Altar und Kanzel nicht benutzt werden“, sagt sie. Auch die Kirchenglocken sind tabu. „Sie werden nur geläutet, um die Kirchenmitglieder in die Kirche zu rufen“, erklärt die Pastorin.

Und dann besteht die Kirchgemeinde darauf, dass während weltlicher Trauerfeiern keine kirchenfeindlichen Äußerungen getätigt werden. „So sind die Rahmenbedingungen. Sie gelten auch für unsere Kirche in Mechow. In Carpin und Triepkendorf, die ebenfalls zur Kirchgemeinde gehören, stehen die Gotteshäuser nicht für weltliche Trauerfeiern zur Verfügung. „Diese Gemeinden haben eigene Trauerhallen.“

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