SPEKTAKEL

Heftiges Geschrei lockt die Leute auf den Neustrelitzer Markt

Zum ersten Mal gastiert die Echte Gilde der Marktschreier in Neustrelitz. Wurst-Achim, Knabber-Paul und Aal-Ole ziehen bis zum Sonntag ihre Show ab.
Wurst-Achim war der Star unter den Marktschreiern. Sein Stand war dicht umlagert.
Wurst-Achim war der Star unter den Marktschreiern. Sein Stand war dicht umlagert. Susanne Böhm
Rebekka Brandt und Steffen Mohr verbrachten den Vormittag mit ihren Kindern auf dem Neustrelitzer Markt. Mit vollen Tüten
Rebekka Brandt und Steffen Mohr verbrachten den Vormittag mit ihren Kindern auf dem Neustrelitzer Markt. Mit vollen Tüten und Rucksäcken gingen sie schließlich nach Hause. Susanne Böhm
Beim Marktschreier-Frühstück mit Wurst, Fisch und Bier langten alle kräftig zu.
Beim Marktschreier-Frühstück mit Wurst, Fisch und Bier langten alle kräftig zu. Susanne Böhm
Bürgermeister Andreas Grund (links) und Gerd-Joachim Maaß aus dem Amt für Hoch- und Tiefbau (rechts) bei einem
Bürgermeister Andreas Grund (links) und Gerd-Joachim Maaß aus dem Amt für Hoch- und Tiefbau (rechts) bei einem Freibier im Gespräch mit Veranstalter Joachim Borgschulze. Susanne Böhm
Wurst in Hülle und Fülle
Wurst in Hülle und Fülle Susanne Böhm
Neustrelitz.

Mit großem Tamtam haben fahrende Händler am Donnerstag ihr viertägiges Gastspiel in Neustrelitz eröffnet. Erstmals ist die Echte Gilde der Marktschreier in der Stadt. Vielen Neustrelitzern kam die Gaudi gerade recht. Schon eine Stunde vor der offiziellen Eröffnung mit Freibier und Wurstfrühstück versammelten sich Schnäppchenjäger vor den Buden von Aal-Ole, Nudel-Anna und Keks-Ronny.

„Ihr habt mich kalt erwischt“, rief Joachim Pfaff alias Wurst-Achim ins Publikum. „Ich freue mich ja, dass ihr hier seid, aber ich bin noch gar nicht richtig in Fahrt.“ Doch das änderte sich zügig. Wenige Minuten später brüllte der 57-Jährige mit teils ohrenbetäubender Lautstärke seine Angebote in die Menge. „Ein halbes Schwein für 15 Euro.“ Das zog bei den Residenzstädtern. In prall gefüllten Einkaufstüten reichte Wurst-Achim Salami, Schinken und Knacker über den Tresen. „Heute früh war schon einer hier, der wirklich ein halbes Schwein wollte.“

„Wir sind froh, dass sie hier sind”

Der Wursthändler ist neben Aal-Ole so was wie ein Star unter den Marktschreiern. Bei einem Fernsehauftritt im Berliner Zoo übertönte er mal einen Brüllaffen und gilt seither als das lauteste Lebewesen der Welt. Bis zu 110 Dezibel dürfte er auch in Neustrelitz erreicht haben. Manch einer hielt sich die Ohren zu und verpasste Witze wie: „Ich habe 64 Kilo verloren. Ich habe meine Frau rausgeschmissen.“

Flankiert von Achims Rauchpeitschen hielt Bürgermeister Andreas Grund (parteilos) die Eröffnungsrede. „Die besten Marktschreier der Republik beleben den Neustrelitzer Marktplatz und erfreuen die Menschen. Wir sind froh, dass sie hier sind.“ Veranstalter Joachim Borgschulze war zufrieden mit dem ersten Eröffnungsvormittag. „Hier sieht man wieder, dass die Marktschreier von öffentlichem Interesse sind. Wir kommen wieder und werden in Neustrelitz ein fester Bestandteil.“ Die Stadtverwaltung sei den Marktschreiern sehr entgegengekommen. „Das ist nicht immer so. Manche Städte wollen nicht, dass wir kommen.“ Unterdessen hatte der Holländische Blumenkönig Michel Saarlos seinen Lastwagen aufgeklappt. „Was in den Wurst-Tüten wirklich drin ist, seht ihr erst, wenn ihr zu Hause seid. Bei mir seht ihr, was ihr kauft“, warb er.

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Mit vollen Tüten und Rucksäcken

Offensichtlich gehört es bei den Marktschreiern zum guten Ton, sich gegenseitig anzupöbeln. Wurst-Achim gab den schwarzen Peter jedenfalls an Knabber-Paul weiter. „Immer wenn ich Kekse esse, krieg ich Pickel in der Fresse.“ Orchideen, Holländische Duft-Lilien und Primeln wechselten am Blumenlaster die Besitzer. „Ich spiele ein bisschen den verrückten Holländer, was mir ja leicht fällt, die Leute sind gut gelaunt und kaufen – es macht Spaß hier.“

Mit vollen Tüten und Rucksäcken traten Rebekka Brandt und Steffen Mohr nach einer Bratwurst vom Schwenk-Grill mit ihren vier Kindern gegen Mittag den Heimweg an. „Wurst, Schokolade, Käse und Nudeln – wir haben an jedem Stand etwas gekauft“, berichtete Rebekka Brandt. „Ich kenne die Marktschreier von früher vom Mirower Inselfest. Bis auf dass jetzt alles fünf Euro teurer ist, sind sie genauso wie früher“, erzählte die Neustrelitzerin. Die Familie genoss den Vormittag auf dem Markt. „Endlich mal wieder was los in Neustrelitz. Ich finde das gut“, sagte Steffen Mohr. Der eine oder andere Besucher bedauerte allerdings, dass nicht alle angekündigten Attraktionen stattfanden. Die Matjesverkostung zur Eröffnung fiel aus, Aal-Ole, das Original vom Hamburger Fischmarkt, hatte eine Vertretung geschickt, Käse-Barnie und Gewürz-Uwe glänzten durch Abwesenheit und das Kinder-Karussell drehte wohl woanders seine Runden. Wegen der schlechten Wetterprognose waren nicht alle nach Neustrelitz gekommen. Ab dem Mittag fiel der Rest des Tages dann auch buchstäblich ins Wasser.

Wer das Spektakel auf dem Markt am Donnerstag verpasst hat, kann sich heute, am Sonnabend und am Sonntag, mit allerhand Essbarem eindecken. Die Händler führen von 10 bis 18 Uhr ihre lautstarken Verkaufsgespräche, und Wurst-Achim wird nach eigenen Angaben wieder „arbeiten wie ein Pferd und bezahlt werden wie ein Pony“.

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