An der Neustrelitzer Grundschule Sandberg herrscht akuter Lehrermangel.
An der Neustrelitzer Grundschule Sandberg herrscht akuter Lehrermangel. Nordkurier-Archiv
Kommentar

Hilfe für Sandberg-Schule nur Herumdoktern an Symptomen

An der Grundschule Sandberg in Neustrelitz sollen fünf externe Kräfte helfen, die aber allesamt nicht unterrichten. Unsere Kommentatorin meint, echte Abhilfe sieht anders aus.
Neustrelitz

Der Laie staunt, der Fachmann reibt sich vielleicht nicht verwundert die Augen: Die Grundschule Sandberg in Neustrelitz ist offenbar ein derartiger Pflegefall, dass fast eine halbe Fußballmannschaft abgeordnet werden muss, um dort eine Art von Genesung herbeizuführen. Ob das wirklich klappt, bleibt abzuwarten. Ein Team von immerhin fünf Fachkräften ist im Einsatz, um sich um gestresste Lehrkräfte, Schüler und Eltern zu kümmern – sagt das Bildungsministerium. Sogar Weiterbildungen soll es geben.

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Die „Krankschreibung“, also die externe Begleitung der Schule, ist fürs Erste für ganze zwei Jahre angesetzt. Otto und Ottilie Normalverbraucher dürften sich fragen, warum so viel Personal extern eingekauft werden kann – die Leistungen müssen ja auch aus Steuergeldern bezahlt werden – und das Grundproblem damit nicht aus der Welt geschafft ist.

Lehrer-Abordnung reißt nur anderswo Löcher

An der Grundschule gibt es nach wie vor zu wenig Lehrer. Denn von den externen „Pflegekräften“ unterrichtet ja keiner. Noch schlimmer: Um den Mangel abzumildern, werden jetzt auch noch an anderen Grundschulen Löcher gerissen und von dort Lehrkräfte abgeordnet, die am Sandberg in das „laufende Geschäft“ einspringen müssen. Irgendwie ist das wie die Wahl zwischen Not und Elend.

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Aber zu dem fünfköpfigen Team zurück. Sicher ist es gut, dass es für den Notfall Hilfe gibt. Ziel einer vernünftigen Bildungspolitik kann es doch aber nicht sein, an den Symptomen herumzudoktern. Der Lehrermangel ist seit Jahrzehnten ein Problem in MV und bestimmt nicht nur in unserem Bundesland. Das ist doch eine Hauptursache für all die auch am Sandberg zu verzeichnenden Probleme. Solange man dieser Ursache nicht zu Leibe rückt und auch in Ministerien sich immer nur befleißigt, zu erklären, was man doch alles an Gutem mache, ist überhaupt nichts gekonnt.

Die Leidtragenden bleiben die Kinder, bleiben letztlich auch Lehrer und Eltern. Wie heißt es so schön in einem alten Sprichwort: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer ...

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